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Washington: Das Geschäft mit blutigen Tierkämpfen in den USA blüht

Washington : Das Geschäft mit blutigen Tierkämpfen in den USA blüht

Blut klebt an den Eisenhaken, die man dem Hahn an die Beine gebunden hat. Damit hat das Tier gerade einen Artgenossen aufgespießt. Der Kadaver wird in eine Tonne geworfen, in der sich schon tote und halbtote Tiere befinden. Ring frei für die nächste Runde.

Wieder gehen zwei Hähne mit messerscharfen Eisenhaken an den Krallen aufeinander los. Wieder bohren sich die Waffen in den Körper des Gegners - und wieder sind das Johlen und der Applaus der Zuschauer lauter als die Todesschreie der Tiere.

Ähnlich grausam wie die Hahnenkämpfe sind die Hundekämpfe. Auch da geht es um Blut und Geld. Tausende US-Dollar werden jährlich mit Handel und Zucht von Tieren, Wetten und Eintrittsgeldern für die „Kampfspiele” verdient, schätzt John Goodwin von der Tierschutzorganisation „Humane Society” in Washington.

Genaue Zahlen gebe es nicht, denn die Kämpfe sind in fast allen Bundesstaaten illegal, finden auf abgelegenen Farmen, Hinterhöfen und in Kellerräumen statt. Ans Licht der Öffentlichkeit gelangt das blutige Gemetzel nur, wenn den Behörden ein großer Coup gelingt.

So wie unlängst, als Offiziere der Bundespolizei (FBI) in den Staaten Washington und Oregon 51 Menschen festnahmen, weil sie Hahnenkämpfe finanziert hatten. Bei 28 Razzien stellten die FBI-Agenten 700 Hühner, 100.000 US-Dollar (64.000 Euro), 50 Waffen und mehrere Kilogramm Rauschgift sicher. Die Festnahmen sind das Ergebnis zweijähriger Ermittlungen, an denen hunderte Beamte beteiligt waren.

Man werde auch weiterhin auf allen Ebenen gegen die Tierkämpfe vorgehen, sagte James Mendenhall, der die Razzien leitete. Die Ermittlungen mit den Namen „Operation Red Rooster” (Operation Roter Hahn) und „Operation Tattered Wing” (Operation Zerfledderter Flügel) hätten gezeigt, dass „Tierkämpfe auch zu anderen kriminellen Machenschaften führen können”.

Seit der Superstar der National Football League (NFL), Michael Vick, angeklagt wurde, Kampfhunde gezüchtet und jahrelang Hundekämpfe ausgerichtet zu haben, berichten die US-Medien vermehrt über das brutale Geschäft mit den „dogfights”.

Der Football-Star war bei den Vernehmungen geständig, gab sogar zu, „sechs bis acht” Pitbull-Hunde getötet zu haben, weil sie nicht kampffähig gewesen seien. Nach einem mehrmonatigen Gerichtsverfahren, das voraussichtlich im Juni endet, muss Vick mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen.

Wenig bekannt sind die sogenannten „Hog-Dog-Fights”, bei denen sich ein Kampfhund im Ohr eines Wildschweins verbeißt, mit dem Ziel, das Ohr abzureißen. Damit das Wildschwein sich nicht wehren kann, werden ihm zuvor die Hauer abgesägt. „Es ist sadistisch”, kommentiert John Goodwin.

Seit vier Jahren recherchiert der Tierschützer in der Szene, sammelt Daten für seine Organisation. Seinen Recherchen zufolge sind in den USA bis zu 170.000 Menschen in die blutige Geldmacherei verstrickt. 250.000 Hunde und mehr als eine Million Hähne würden eigens für die Kämpfe gezüchtet - damit sie ihren Besitzern Geld einbringen, an dem Blut klebt.