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Dortmund: Das einzelne Kind im Mittelpunkt: Dortmunder Schule ist beste im Land

Dortmund : Das einzelne Kind im Mittelpunkt: Dortmunder Schule ist beste im Land

„Auch an einem nicht so privilegierten Standort kann man gute Schule verwirklichen.” Die Feststellung kommt von Gisela Schultebraucks-Burgkart und sie klingt wie ein Leitspruch für ihre Tätigkeit als Schulleiterin. „Ihre” Grundschule in Dortmund ist am Montag als beste deutsche Schule ausgezeichnet worden. Den erstmals verliehenen Deutschen Schulpreis nahmen die Schulleiterin und das Kollegium in Berlin im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler entgegen.

Es ist nicht die erste Auszeichnung für die Schule, die in einem sozialen Brennpunkt liegt und in der über 80 Prozent der Kinder Ausländer sind oder aus dem Ausland stammende Eltern haben. In Nordrhein-Westfalen erhielt die städtischen Grundschule Kleine Kielstraße bereits vier Auszeichnungen bei Landeswettbewerben, zuletzt 2003.

Der Dortmunder Norden gilt als ein über die Stadtgrenzen hinaus bekannter sozialer Brennpunkt mit dichter Bebauung und hoher Arbeitslosigkeit: ein „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf”, wie es offiziell heißt. Viele Menschen mit Migrationshintergrund leben dort, wo 1994 die jüngste Grundschule Dortmunds gegründet wurde. „Thema unserer ersten Lehrerkonferenz war: Was ist eine gute Schule für die Kinder, die hier aufwachsen?”, erzählt die 54-Jährige.

400 Schüler besuchen derzeit die für eine Grundschule recht große Lehranstalt. 19 Klassen gibt es. 26 Lehrerinnen und 1 Lehrer unterrichten die Kinder, die aus mehr als 20 Nationen kommen. Das Besondere? Schultebraucks-Burgkart nennt Schlagworte wie Kooperation im Kollegium, individuelle Förderung der Kinder oder intensive Elternarbeit.

Die etwa fängt bereits mit der Anmeldung des Kindes rund neun Monate vor der Einschulung an: So erhalten die Eltern nach einem Test des Kindes einen „Förderbrief”, in dem Tipps zur spielerischen Förderung gemacht werden. „Wir raten etwa, wenn das Kind noch geringe Vorstellungen von Mengen hat, es öfter beim Tischdecken helfen zu lassen”, erklärt die Schulleiterin.

Monatlich gibt es dann bis zum Schulbeginn einen Elterngesprächskreis, in dem es etwa um Sprachentwicklung, die Bedeutung des Vorlesens oder den Fernseh- und Computerkonsum geht. „Uns geht es darum, ganz viel Transparenz zu zeigen. Die Eltern sind ein unverzichtbarer Partner im Bildungs- und Erziehungsprozess der Kinder.”

In der zweiten Woche nach dem Schulstart werden die Eltern dann zu einem „veränderten Elternsprechtag” eingeladen, bei dem vor allem die Eltern zu Wort kommen sollen. Dieser endet mit der Unterzeichnung eines „Erziehungsvertrages”, in dem die Verpflichtungen von Eltern einerseits und der Schule andererseits festgehalten werden. Die gemeinsame Verantwortung beider Seiten als Bedingung für die positive Entwicklung des Kindes wird darin betont.

Individuelle Förderung der Kinder wird groß geschrieben. Für jedes Kind gibt es einen Förderplan. Die Themen des Unterrichts erarbeiten die Kinder mit Hilfe so genannter Wochenpläne, die auf das einzelne Kind zugeschnitten sind. Von Anfang an sollen die Kinder angeleitet werden, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Einmal im Jahr hat jeder Schüler Gelegenheit, mit der Lehrerin über das eigene Lernen zu sprechen: „Wo liegen meine Stärken? In welchem Bereich will ich mich verbessern? Gemeinsam wird eine Zielvereinbarung getroffen”, heißt es in einer Schulbeschreibung.

Auch für Konflikte hat die Schule ein Instrumentarium entwickelt. Unter anderem gibt es wöchentlich einen so genannten Klassenrat, in dem Probleme der Schüler untereinander geklärt werden. „Am Ende der Grundschulzeit verfügen fast alle Kinder über ein sicheres Repertoire an angemessenen Verhaltensweisen.”