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Gronau: Brutzeln, Wenden, Marinieren: 25 Teams wollen Grillmeister werden

Gronau : Brutzeln, Wenden, Marinieren: 25 Teams wollen Grillmeister werden

Eine Mischung aus beißendem Qualm, dem Geruch aus Kunstnebel, Grillkohle und Bratwurst dringt aus dem Zelt mit der Startnummer 9. Dazwischen eilen schwitzende Männer mit schwarzen Schürzen hektisch zwischen dem gusseisernen Grill und Tellern hin und her.

Für das Team des Hanseatischen Barbecue Clubs geht es um viel. Es tritt zur 12. Deutschen Grillmeisterschaft im westfälischen Gronau an. Als eines der insgesamt 25 Teams versucht die Lübecker Mannschaft, die Jury mit ihrem Fünf-Gang-Grillmenü zu überzeugen.

Zwei Go-Go-Girls, die lasziv um Stangen herum tanzen, heizen die Stimmung am Stand noch weiter an. „Wir haben ein Jahr lang für die Meisterschaft trainiert”, sagt Teamleiter Carsten Schroedter. Mit der „Rockwurst”, einer Bratwurst in E-Gitarren-Form, wollen er und sein Team den ersten Platz ergattern.

Ingrid Reus, die Chefin des „Frischmarktteams”, sieht ihre Stärke hingegen in der Zusammensetzung ihrer Mannschaft: „Wir sind die einzige Frauengruppe hier. Frauen sind einfach organisierter, als die Männer. Bei uns ist alles bis aufs kleinste Detail durchgeplant!”. Mit einer selbst gemachten Kalbsrostbratwurst, dem Minz-Chili- Hähnchen und einer Crme br?l?e als Dessert versuchen sie, die Juroren für sich zu gewinnen. In insgesamt sieben Kategorien, darunter „Aussehen”, „Geschmack” sowie „Dekoration”, müssen die Teilnehmer bei den Testessern punkten. Denn nur der Beste darf sich am Schluss mit dem Titel „Deutscher Grillkönig” schmücken.

Immer mehr Menschen drängen sich mittlerweile um die unterschiedlich dekorierten Stände und versuchen, den ein oder anderen Profitipp zu Grilldauer und Marinade zu ergattern. Veranstalter des Grill-Wettbewerbs ist die „German Barbecue Association”, ein Verein, der sich den Spaß am kreativen Grillen zum Ziel gesetzt hat. Auch Prominente, wie der frühere Profiboxer Axel Schulz und Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Helmer mischen sich unter die Wurstbräter.

„Deutschland zählt mit Sicherheit immer noch zu einem der grillfanatischsten Länder”, sagt Vereinspräsident Robert Meyer. Allerdings komme seit einigen Jahren immer öfter Fisch und Vegetarisches statt der klassischen Bratwurst auf den Grill. Und noch etwas hat sich verändert: Frauen sind als Grillexperten auf dem Vormarsch. „Somit ist auch die letzte Männerbastion gefallen”, scherzt Meyer.

Spaß steht bei dem Wettbewerb zwar bei allen Teams, die in Profi- und Amateurklassen gegeneinander antreten, im Mittelpunkt. Aber den Kämpfergeist kann der ein oder andere Grillmeister nicht verbergen: „Klar nehmen wir das hier richtig ernst. Letztes Jahr kamen wir nur auf den zehnten Platz. Aber dieses Jahr sind wir vorne mit dabei”, sagt Carsten Schroedter und legt mit entschlossener Miene eine weitere „Rockwurst” auf den Grill. Unter die ersten Drei schaffen sie es aber wieder nicht.

Den Titel holten sich die „Bush-Food-Griller” aus Reutlingen in Baden-Württemberg. Auf den zweiten Platz kam das Team „Landhaus Brückner” aus Nienhagen in Mecklenburg-Vorpommern. Der niedersächsische „Grillsportverein.de” belegte Rang drei.