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Bremen: Bremerin bietet professionellen Gassi-Service für Hunde an

Bremen : Bremerin bietet professionellen Gassi-Service für Hunde an

Lui schwimmt im See. Altbau wälzt sich im Sand. Kimba, Likar, Nala und Emma tollen durch die Büsche. Aber wenn Chiara Carcagni ruft, dann kommen sie alle her. Denn die Bremerin ist ihr Frauchen auf Zeit.

Als professionelle Hundesitterin geht die 33-Jährige zweimal am Tag mit kunterbunt gemischten Rudeln Gassi.

Mischling Lui, Kromfohrländer Likar und Beagle Kimba sind bei den Gassigängen mit Carcagni täglich dabei. Australian Shepherd Nala kommt zweimal die Woche. Beagle Altbau und Mischlingshündin Emma lassen sich einmal in der Woche von Carcagni Gassi führen. „Nur wenn die Hunde mindestens einmal pro Woche dabei sind, haben sie die Chance, das Rudel und mich kennenzulernen”, sagt Carcagni.

Noch vor zwei Jahren hat die in Rom geborene Carcagni in Berlin als IT-Systemkauffrau gearbeitet. „Aber es war immer mein Traum, mit Hunden zu arbeiten”, sagt sie. Fünf Jahre hatte sie als junges Mädchen in einem Berliner Tierheim alles über Hunde gelernt. Mit 20 bekam sie Giacomo, ihren eigenen Hund. Als sie der Liebe wegen vor zwei Jahren nach Bremen zog, entschloss sie sich, Kostüm gegen Gummistiefel und Regenjacke einzutauschen und sich mit ihrem Hunde-Gassi-Service „Stadthund” selbstständig zu machen.

Oft ist Carcagni mehr als zehn Stunden am Tag auf den Beinen. Um 9.00 Uhr holt sie meistens den ersten Hund ab. Dann geht es kreuz und quer durch alle Bremer Stadtteile, bis alle Hunde beisammen sind. Carcagni führt die Hunde nicht nur Gassi, sie holt sie auch ab und bringt sie wieder zurück. Zwei bis drei Stunden ist sie dann mit ihrem Vormittagsrudel in Wäldern, an der Weser oder an Seen unterwegs. Sind danach alle Hunde wieder zu Hause oder bei Herrchen oder Frauchen im Büro, wartet schon die Nachmittagstruppe auf ihren Gassigang. „Mehr Arbeit als vorher habe ich schon, doch dafür bin ich ja auch immer von guter Laune umgeben”, sagt sie.

Nicht immer tollen und spielen die Hunde so ausgelassen wie Lui, Altbau, Kimba, Likar, Nala und Emma miteinander herum. „Es gibt auch richtige Balljunkies, die die ganze Zeit von mir bespielt werden wollen”, sagt die Hundesitterin. Mehr als sechs Hunde nimmt sie deshalb nicht in ein Rudel auf. Und bei allem Spaß, den die Hunde haben, achtet Carcagni immer darauf, dass niemand aus der Truppe seine gute Erziehung vergisst.

Kommt den Hunden auf schmalen Pfaden beispielsweise ein Jogger entgegen, müssen alle Platz machen und einen Moment warten. „Gerade, wenn Menschen mit Hunden in der Stadt unterwegs sind, sollten sie andere so wenig wie möglich einschränken”, sagt Carcagni.

Viele ihrer Kunden sind berufstätig. „Mal hatte ich Emma mit im Büro, mal nahm meine Frau sie mit. Das klappte schon, war aber auf Dauer sehr umständlich”, erinnert sich Klaas Balke. Als er einen Flyer von Chiara Carcagni in die Hände bekam, verabredete er sofort einen Kennenlerntermin. Weil Mischlingshündin Emma dabei zeigte, dass sie sich benehmen kann, wurde sie in das Rudel aufgenommen und durfte auf ihren ersten Gassigang mit der Hundesitterin. „So lieb und ruhig wie nach diesem Nachmittag hatte ich Emma vorher noch nie gesehen”, sagt Balke.

Nicht jeder Hund kommt in das Rudel. „Er muss schon auf seinen Namen hören und sich mit den anderen Hunden verstehen”, sagt Carcagni. Ein richtiger Jäger darf er nicht sein. „Denn dann macht der Hund Laute, die so viel bedeuten wie Lasst uns Hasen jagen und dann stehe ich alleine da”, sagt sie.