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Gelsdorf: Blick in jeden Winkel der Erde: Neue Satellitenaufklärung der Bundeswehr

Gelsdorf : Blick in jeden Winkel der Erde: Neue Satellitenaufklärung der Bundeswehr

Mit „Superaugen” kann die Bundeswehr künftig in jeden Winkel der Erde blicken. Ihre neuen Satelliten des „SAR-Lupe”-Aufklärungssystems können vom Herbst an aus dem Weltall auch in Afghanistan bei der Jagd nach Taliban-Kämpfern helfen. Beim „Kommando Strategische Aufklärung” in Gelsdorf bei Bonn laufen alle Informationen ein, die rund um den Erdball gewonnen werden.

Sie werden dort ausgewertet und an die militärischen oder zivilen Stellen weitergeleitet. Zum ersten Mal könne die Bundeswehr mit der Radaraufklärung in aller Welt bei Tag und Nacht sowie bei jedem Wetter rund um die Uhr Aufklärung betreiben, erklärte der Kommandeur des Kommandos, Generalmajor Friedrich Wilhelm Kriesel. Es könnten jeweils detaillierte Informationen geliefert werden.

Offiziere wiesen darauf hin, dass jetzt Planungen, Vorbereitungen und die Ausführung von Bundeswehreinsätzen im Ausland auf „noch besser gesicherten Erkenntnissen” vollzogen werden können. „SAR (Synthetic Aperture Radar)-Lupe” kann bis unter einem Meter genau Gegenstände, zum Beispiel die Bewaffnung von Kämpfern oder die Bewegungen von Taliban am Hindukusch, identifizieren.

Das neue System arbeitet in einem Verbund mit den anderen Aufklärungssystemen der Bundeswehr. Es ergänzt nach Darstellung der Offiziere die unbemannten „Luna”-Drohnen und die „Tornado”-Flugzeuge, die über Afghanistan Informationen sammeln. Auch die Geheimdienste, wie der Bundesnachrichtendienst (BND), können von „SAR-Lupe” über die neuesten Entwicklungen in der Welt unterrichtet werden.

Mit dem „SAR-Lupe”-System hat es Deutschland neben den USA und Russland in die erste Reihe bei der strategischen Aufklärung geschafft. Mit den Radar-Augen können sich die Militärs und die Bundesregierung zu jeder Zeit ein eigenes Bild von den Ereignissen und Vorgängen irgendwo auf dem Globus machen. Oberst Reinhard Pfaff vom Gelsdorfer Kommando sprach von einem „Quantensprung in der Beschaffung von Informationen”. Nur die unmittelbaren Polregionen könnten nicht eingesehen werden.

Das neue Aufklärungssystem besteht aus fünf baugleichen Satelliten, die in einer Höhe von 500 Kilometern auf drei verschiedenen Umlaufbahnen die Erde alle 90 Minuten umkreisen. Das Satellitenbündel funktioniert allerdings nicht ganz in Echtzeit, in unmittelbarer Direkt-Übertragung. Die Satelliten stehen zwar miteinander in enger Verbindung, aber nur alle drei Stunden passiert einer von ihnen die Bodenstation.

Stets können neue Aufträge an das Satellitensystem hochgeschickt werden. 95 Prozent von ihnen sollen binnen 19 Stunden erledigt sein, erläuterte Pfaff. Die Datenmengen kommen über die technische Bildaufbereitung in Gelsdorf an die Auswerter. Die gewonnenen Daten werden zusammengerechnet, bis ein Bild herauskommt. Mit Bildbearbeitungsprogrammen werden alle Feinheiten aus den Aufnahmen herausgeholt.

Seit Dezember 2006 wurden die einzelnen vom Bremer Raumfahrtunternehmen „OHB-System AG” gebauten Satelliten in verschiedenen Zeitabständen vom Weltraumbahnhof Plessezk in Nordrussland mit Trägerraketen in ihre Umlaufbahnen gebracht. Der letzte Raketenstart mit dem fünften Satelliten war am vergangenen Dienstag.

Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Oberpfaffenhofen hat die Satelliten auf ihren Kurs gebracht. Es testet jetzt noch den fünften Satelliten, bevor er im September seine volle Einsatzbereitschaft erreicht. Dann kann das „Kommando Strategische Aufklärung” in Gelsdorf das Radar-Aufklärungssystem in eigener Regie übernehmen. Es kostet nach offiziellen Angaben 370 Millionen Euro.