Berlin: Berliner Mini-Bordelle: Diskret oder unzumutbar?

Berlin: Berliner Mini-Bordelle: Diskret oder unzumutbar?

Die Berliner Bordellbetreiberin Kerstin Berghäuser ist stolz auf ihren Laden nahe dem Kurfürstendamm. Viel Geld und Aufwand habe sie in die Ausstattung der acht Zimmer im Salon Prestige gesteckt, damit sich die „hochwertige Kundschaft” wohl fühlt, sagt die 42-Jährige der dpa.

Die Gäste schätzten die diskrete und familiäre Atmosphäre. Doch das Mini-Bordell im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Mietshauses wird nun unfreiwillig an diesem Dienstag ganz öffentlich.

Das Verwaltungsgericht verhandelt die Klage von Berghäuser gegen den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) hatte der gelernten Einzelhandelskauffrau geschrieben, dass ihr Salon illegal sei. Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen freut sich, dass in Berlin erstmals der Streit um die bordellartigen Betriebe vor Gericht kommt. Das hat sogar einen Ortstermin vor der mündlichen Verhandlung auf dem Plan.

Auch das Verwaltungsgericht sieht grundsätzlich Fragen: Sind Bordelle in Wohnungen für die Nachbarschaft zumutbar oder sollen sie nur in Gewerbegebieten angesiedelt werden? Nach Schätzungen soll es in der Hauptstadt bis zu 400 sogenannte Wohnungsbordelle geben. Für Berghäuser und die Frauen, die bei ihr die Zimmer für ihre Dienste mieten, geht es um die Existenz. Seit knapp drei Jahren macht ihnen die Ungewissheit nun schon zu schaffen.

Als damals der Bescheid mit der angedrohten „Nutzungsuntersagung” kam, habe sie zunächst an einen Scherz oder eine Verwechslung geglaubt, sagt Berghäuser. Sie zahle Steuern und habe die gewerbliche Zimmervermietung angemeldet. Der Kampf um den Salon ist kein Einzelfall. Bundesweit wird immer wieder um Bordelle in Wohngebieten prozessiert. Das seit 2002 gültige Prostitutionsgesetz habe da keine Rechtsklarheit für die Branche gebracht, findet der Verband für die Sexarbeiterinnen.

Für CDU-Stadtrat Gröhler ist die Sache aber klar: „Kommen Beschwerden, wird die Behörde tätig.” Der bordellartige Betrieb ist nach seiner Auffassung in dem Wohngebiet unzulässig - nach dem Bauplanungsrecht. „Nö”, den Salon habe er bislang nicht selbst in Augenschein genommen, sagt Gröhler. Laut Gericht ist das Grundstück mit dem Salon in einem „gemischten Gebiet”, wo gewerbliche Einrichtungen und „Vergnügungsstätten” zugelassen werden können. Geklärt werden müsse nun, wie der Salon Prestige einzuordnen ist.

Die Vorwürfe, ihr Salon verursache „milieubedingte Begleiterscheinungen” wie nächtlichen Lärm, Kondome im Hausflur oder betrunkene Freier, weist Berghäuser energisch zurück. „Davon stimmt nichts. Wir sollen hier weg”, mutmaßt sie vielmehr. „Das lass ich mir nicht gefallen.”

Der Streit mit den Behörden dauere bereits Jahre, sagt Stephanie Klee vom Bundesverband. Schon 2006 wurden in der Hauptstadt nach ihren Angaben die ersten Wohnungsbordelle untersagt. Alle seien ordnungsgemäß beim Gewerbeamt angemeldet und arbeiteten diskret, ohne Leuchtreklame sowie ohne Musik oder Alkoholausschank. Die Sexarbeiterinnen seien ohne Gewalt und Zwang tätig. Die Bauämter unterstellten eine „Störung der Umgebung”, ohne dafür Beweise vorzulegen, moniert der Verband.

Bei dem Prozess am Dienstag könnte es ein Déjà-vu geben. Im Jahr 2000 hatte das Berliner Verwaltungsgericht als erstes deutsches Gericht entschieden, dass Prostitution nicht sittenwidrig ist und damit den Weg für das Gesetz zur rechtlichen und sozialen Besserstellung von Prostituierten geebnet. Damals setzte sich Felicitas Weigmann mit ihrem Cafe „Pssst” gegen denselben Bezirk durch. Die damalige Anwältin Margarete von Galen werde auch sie vertreten, sagt Berghäuser. Und Felicitas wolle auch kommen und sie unterstützen.