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Essen: Becherhalter fürs Bier, Zeitlupe im Stadion: Träume der Fußball-Fans

Essen : Becherhalter fürs Bier, Zeitlupe im Stadion: Träume der Fußball-Fans

Nachts träumen sie alle von der Meisterschale, aber wenn am helllichten Tag im Stadion der Ball rollt, haben viele auch kleinere Wünsche: Deutschlands Fußballfans sind bei Kartenpreisen um die 50 Euro und mehr für gute Plätze vielfach mit dem Komfort unzufrieden.

Sie möchten gern weichere Sitze, mehr Information rund ums Spiel und besseres Essen. Der Wirtschafts-Professor Tobias Kollmann, der als glühender Fußballfan seit Jahren mit Management und Anhängern aller Bundesligavereine Kontakt hält, hat die stillen Wünsche der Fans erstmals in einer wissenschaftlichen Umfrage mit rund 3000 Teilnehmern festgehalten.

Dabei tritt ein altbekanntes Fanproblem offen zutage: Mit dem Becher in der Hand lässt sich schwer klatschen. Fast ein Drittel aller Befragten wünschten sich Becherhalter am Sitz, berichtet Kollmann. Dadurch könnte auch manche unfreiwillige Bierdusche im Torjubel vermieden werden, sagt der Essener Volkswirt, der in dieser Saison dem 1. FC Köln erfolgreich die Daumen für den Aufstieg drückte.

Dass harte Plastik-Sitzschalen den Fan nicht glücklich machen, ist ebenfalls lange bekannt. Viele Befragte träten für ordentliche Polster statt Sitzkissen ein. Wer schon einmal bei Schneetreiben und Frosttemperaturen ein 0:0 verfolgt hat, versteht auch den immer wieder geäußerten dringenden Wunsch nach Sitzheizungen.

Das Spiel dauert 90 Minuten - und die Pause eine Viertelstunde. Auch um diese bekannte Tatsache kreist jeden Samstag das Denken der Fans. Viele schaffen es nämlich in der knappen Halbzeit nicht, die obligatorische Wurst plus Bier zu kaufen und rechtzeitig wieder am Platz zu sitzen. „Die Stadionwurst stellt nach wie vor ein dringendes Fanbedürfnis dar, das erfüllt werden muss”, analysiert der Ökonom.

31 Prozent der befragten Fans hätten keinerlei Verständnis dafür, dass die Gastronomen für die knappe Pause nicht ausreichend Verpflegung bereit halten und sich Wochenende für Wochenende dieselben Schlangen bilden. Alptraum jedes Fans, wenn er im Laufschritt auf der Stadiontreppe schon den ersten Torjubel der zweiten Halbzeit hört und keinen Blick auf den Rasen hat. Immerhin 18 Prozent der Fans wollen die Erweiterung des kulinarischen Angebots etwa um Hamburger oder Süßigkeiten.

Dass Bezahlkarten für Essen und Trinken im Stadion wie die „Knappenkarte” auf Schalke nicht auch in anderen Stadien funktionieren, sehen die Fußballfreunde überhaupt nicht ein. Rund ein Drittel möchte stadionübergreifende „Bundesliga-Karten” oder gleich die Zahlungsmöglichkeit mit Bargeld.

Für die sofortige fachkundige Analyse wünschen sich viele Fußballkenner außerdem die Zeitlupen-Wiederholung von Schlüsselszenen auf den Videowürfeln im Stadion - ein besonders heißes Eisen, da die Deutsche Fußball Liga ein Zerpflücken von Schiedsrichterentscheidungen oder eine Emotionalisierung zwischen den Fan-Lagern bei umstrittenen Szenen befürchtet. Solche Szenen dürfen daher nicht gezeigt werden; unstrittige Szenen zeigen manche Vereine wie etwa der 1. FC Köln aber bereits in der Halbzeitpause.

Ein eigenes Fanradio für die Anreise, mehr Shuttle-Busse am Stadionparkplatz, Autogrammstunden mit verletzten oder nicht eingesetzten Spielern während des Spiels, einen Stand des Fanclubs im Stadion, Konfetti-Regen beim Torerfolg, fetzigere Musik zum Einlaufen der Mannschaften und ein Fahnenmeer in der Fankurve - die Wunschliste der Fußballfreunde ist lang. Andere sehen ihr Wochenendvergnügen eher elementar: „Hauptsache ein kaltes Bier in der Faust und der Pott offen”, sagt ein Fan von Borussia Dortmund.