1. Panorama

„Beauties in Motion”: Ein Fotomodell im Rollstuhl

„Beauties in Motion”: Ein Fotomodell im Rollstuhl

Anröchte. Bei jedem Fotoshooting taucht Nina Wortmann in eine andere Welt ein. Wenn die Scheinwerfer sie in strahlendes Licht setzen und nur noch der Visagist ein paar blonde Haarsträhnen an die rechte Stelle zupft, schlüpft sie in eine Rolle.

„Das ist für mich ein bisschen wie schauspielern”, sagt Nina Wortmann. Seit fünf Jahren modelt die 28-Jährige. Der kleine Unterschied zu den meisten Models in Katalogen und auf den Laufstegen: Nina Wortmann sitzt im Rollstuhl.

Im April 2003 hatte die junge Frau einen Autounfall, seitdem ist sie querschnittsgelähmt. „Auf einmal war alles anders. Ich habe mich gefragt, was behinderte Menschen den ganzen Tag über machen”, erzählt sie. Bei der Suche im Internet ist sie einige Monate später schließlich auf „Beauties in Motion”, den ersten Wettbewerb für Models mit Behinderung, gestoßen. Ihr Ehemann überredete sie zum Mitmachen.

„Das war so verrückt”, sagt Nina Wortmann und verdreht die Augen. „Vor dem Unfall war ich ja total kamerascheu. Kurz vor Bewerbungsschluss habe ich dann aber doch noch Fotos losgeschickt und wurde tatsächlich eine der Finalistinnen.”

Den Wettbewerb „Beauties in Motion” gibt es seit über vier Jahren. Renate Weidner, die selbst von einer Augenbehinderung betroffen ist, hatte die Idee zu dem Wettbewerb. Bereits bei der ersten Veranstaltung 2004 gingen 180 Bewerbungen ein. In diesem Jahr waren es rund 200.

Der Wettbewerb erreichte bald auch die Aufmerksamkeit von Medienstars aus der Modebranche. So gehörte etwa der durch Fernsehshows bekannt gewordene Laufstegtrainer Bruce Darnell zwei Jahre lang zur Jury. „Die Resonanz auf den Wettbewerb war immer extrem gut”, erzählt Renate Weidner. „Beauties in Motion” sei sogar die Vorlage für ähnliche Wettbewerbe und Shows in Holland und England gewesen.

In Deutschland hat der Wettbewerb allerdings vorerst zum letzten Mal stattgefunden, da nicht genügend Sponsoren das Projekt unterstützen. Renate Weidner findet das schade: „Deutschland hinkt bei dem Thema wirklich hinterher. Für viele Deutsche passen Behinderung und Selbstbewusstsein eben nicht zusammen.” Die Agentur, die aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist und für die auch Nina Wortmann Aufträge annimmt - wie etwa Mode-Aufnahmen für die Frauenzeitschrift „Brigitte” - annimmt, bleibt jedoch bestehen.

Nina Wortmann ist trotzdem froh, dass „Beauties in Motion” soviel Aufmerksamkeit erregt hat. Immerhin saß sie selbst vier Jahre lang neben Bruce Darnell am Jurytisch. „Nina haben wir in die Jury aufgenommen, weil sie am meisten Erfahrung und eine unglaublich starke Persönlichkeit hat”, erklärt Renate Weidner. Nina Wortmann genießt die Arbeit an Projekten, die sich durch ihren Model-Job ergeben. Im Dezember ist sie gemeinsam mit Guildo Horn Gast bei einer Kochschau auf Kabel 1.

Die Lehre zur Forstwirtin musste sie wegen des Unfalls abbrechen. Trotzdem sei sie stark geblieben, erzählt sie. Durch regelmäßige Krankengymnastik und einen eisernen Willen kann sie mittlerweile den Oberkörper, die Hände und Arme wieder besser bewegen. „Meine Tochter ist immer noch meine beste Therapeutin”, sagt Nina Wortmann, die mit ihrer kleinen Familie in ihrem Haus in Anröchte lebt. „Ich genieße es, mein Kind aufwachsen zu sehen. Ohne den Unfall wäre ich ja voll berufstätig gewesen. Das ist immerhin ein positiver Aspekt.” Zeit für pessimistische Gedanken bleibt ihr nicht. „Ich bin glücklich”, sagt Nina Wortmann und lächelt.