1. Panorama

München: Aus zwei mach eins: Wenn Partner Haushalte vereinen

München : Aus zwei mach eins: Wenn Partner Haushalte vereinen

Wenn ein Paar sich entschließt, zusammenzuziehen, markiert das eine wesentliche Etappe im gemeinsamen Leben. Doch der Weg zum gemeinsamen Heim kann steinig sein.

Schließlich muss jeder von beiden nicht nur ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit aufgeben. Auch zwei Haushalte müssen unter ein Dach gebracht werden. Wenn die Umzugstransporter zwei Sofas, drei Stereoanlagen und zehn Kochlöffel ausgespuckt haben, sind Streit und Chaos schon fast programmiert. Die Frage, was wer mitbringt, sollte deshalb so früh wie möglich geklärt werden.

„Schon vor der Wohnungssuche sollte jeder für sich ganz in Ruhe durch seine Wohnung schlendern, sein Hab und Gut ganz gezielt in Augenschein nehmen und in Kategorien einteilen”, rät Gitte Härter, Coach aus München. Woran hängt mein Herz unbedingt? Was ist verzichtbar? Wovon wollte ich mich ohnehin trennen? Gibt es Dinge aus dem Haushalt des Partners, mit denen ich Probleme habe?

„Eine gute Herangehensweise ist, wenn jeder zunächst seine Prioritätenliste erstellt und diese dann gemeinsam verhandelt wird”, erklärt Elke Rohmann, Sozialpsychologin an der Ruhr-Universität in Bochum. Dabei sind Kompromissbereitschaft und Fingerspitzengefühl gleichermaßen gefragt.

Die Auseinandersetzung über die Gestaltung des künftigen gemeinsamen Haushaltes wird sicherlich nicht an einem Abend geführt werden - meist zieht sie sich von der Umzugsentscheidung über die Wohnungssuche bis zum Einzug und dem Einräumen hin. Vor allem über Platz raubende Dinge sollte dabei so frühzeitig wie möglich gesprochen werden.

Schließlich entscheiden sie über die notwendige Wohnfläche des Domizils und der einzelnen Räume sowie über Aufteilung und Anzahl der Zimmer. Ein Wasserbett hat nicht in jedem Schlafzimmer Platz. Das puristische Sideboard wirkt neben dem nostalgischen Sekretär im riesigen Wohnraum kaum. Verteilt auf einen kleineren Salon und ein Arbeitszimmer hingegen lassen sich auch verschiedene Stilrichtungen vereinbaren.

Ohne Verzicht an der einen oder anderen Stelle wird der Neuanfang selten von statten gehen. Wenn es etwa um Haushaltsgeräte geht, fällt eine sachliche Beurteilung verhältnismäßig leicht. „Hier stehen praktische Argumente im Vordergrund: Welche Geräte oder Gebrauchsgegenstände sind am besten, am funktionstüchtigsten, am wertvollsten, am neuesten”, erläutert Gisela Goerdeler, Geschäftsführerin des Deutschen Hausfrauenbundes in Bonn.

Bei teureren Anschaffungen macht auch langfristiges Denken Sinn: „Ein zweites Bügeleisen kann man immer gebrauchen. Für einen zweiten Kühlschrank findet sich möglicherweise im Keller Platz”, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin. Ansonsten empfiehlt sie gezieltes Aussortieren und Härte gegen sich selbst.

Angesichts von persönlichen Dingen und solchen, die mit Erinnerungen behaftet sind, ist dieser Rat nicht immer einfach zu befolgen. „Hier sollte man die positive Grundstimmung nutzen”, rät Goerdeler. „Schließlich zieht man zusammen, weil man sich mag. Angesichts dessen ist man am ehesten bereit, Opfer zu bringen.”

Dabei gelten zwei Grundregeln: Zum einen sollte keiner der Partner das Gefühl haben, in der neuen Wohnung unterzugehen oder gar seine Identität aufzugeben. Ein Gleichgewicht zu finden ist besonders dann schwierig, wenn einer beim anderen einzieht. Zum anderen darf die Verhandlung über den Haushalt nicht eskalieren.

Das lässt sich am besten vermeiden, wenn beide Partner versuchen, den Blickwinkel des Gegenübers einzunehmen. „Wenn ich weiß, dass mein Partner meine 50-teilige Teddysammlung nicht besonders mag, kann ich mir selbst eine Lösung überlegen, die für uns beide erträglich ist”, erläutert Härter. So können die Kuschelbären etwa künftig im Gäste- und nicht im Wohnzimmer logieren.

Was aussortiert ist, kann auf dem Flohmarkt oder im Internet verkauft, an Freunde oder karitative Einrichtungen verschenkt oder auch durch den Sperrmüll entsorgt werden. „Eine Sache zu verschenken ist ein positiveres Erlebnis, als sie auf den Sperrmüll zu geben: Die anderen sind dankbar und freuen sich, man bekommt etwas Positives zurück”, sagt Rohmann.

Wer sich gar nicht trennen mag, muss nach Unterstellmöglichkeiten suchen. In einem Keller, auf dem Dachboden oder gar in einem gemieteten Lagerraum kosten halb-aussortierte Dinge allerdings Platz und Geld. Von solch aufgeschobenen Entscheidungen halten alle drei Fachfrauen wenig. „Stattdessen sollten anfangs Kompromisse gemacht und dann schrittweise neue Entscheidungen getroffen und gemeinsame Anschaffungen getätigt werden”, sagt Goerdeler.