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Hamburg: Anne Will nimmt Abschied von den „Tagesthemen”

Hamburg : Anne Will nimmt Abschied von den „Tagesthemen”

Nach rund sechs Jahren verabschiedet sich Moderatorin Anne Will von den ARD- „Tagesthemen”. Ab Mitte September wird die Journalistin, die auch die „Sportschau” moderiert hatte, Nachfolgerin von Sabine Christiansen für einen Polittalk im Ersten am Sonntagabend. Beide Moderatorinnen präsentieren an diesem Sonntag ihre jeweils letzte Sendung.

Mit der 41-Jährigen Will, die unter anderem mit der Goldenen Kamera und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, sprach ddp-Korrespondentin Nathalie Waehlisch.

Was werden Sie mitnehmen von den „Tagesthemen” - als materielles Andenken und als ideelles Rüstzeug?

Will: Als Andenken den Ohrstöpsel. Den habe ich aber auch schon mit hierher gebracht. Er stammt noch aus alten SFB-Zeiten. Und als ideelles Rüstzeug nehme ich all das mit, was die sechs Jahre „Tagesthemen” ausgemacht haben: dass ich in einer erstklassigen Redaktion auf höchstem journalistischem Niveau gearbeitet habe. Anspruch, Niveau und Einschätzungsvermögen habe ich hier verfeinert. Das wird mich begleiten.

Sie sind bekannt für Ihre kritischen Interviews. Glauben Sie, dass deshalb manche Politiker nicht in die neue Sendung kommen werden?

Will: Das wäre schade. Anderen Interviewern ist das allerdings tatsächlich schon passiert, dass sie irgendwann zu hart gefragt haben und dann Schwierigkeiten hatten, Gäste zu bekommen. Ich meine, dass ich immer fair und sachbezogen frage. Dass ich hartnäckig bin, macht meiner Wahrnehmung nach den meisten Spitzenpolitikern sogar mehr Spaß, als dass es sie abschrecken würde.

Wollen Sie mehr Sendungen ohne Politiker gestalten als Sabine Christiansen?

Will: Der Ehrgeiz ist auf jeden Fall da, Sendungen allein nach der Relevanz der Geschichten jedes einzelnen Gastes zu besetzen. Andererseits haben wir den Auftrag, weiter die politische Talkshow am Sonntagabend zu machen. Insofern sollten auch schon Politiker da sein. Außerdem kommt man in den meisten Diskussionen immer relativ schnell an einen Punkt, an dem politisch Verantwortliche gefragt sind. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass es Sendungen geben wird, in denen kein Politiker dabei ist. Dass es sie notwendigerweise besser macht, will ich damit aber gar nicht sagen.

Wie gehen Sie mit den hohen Erwartungen um?

Will: Ich fange an, mir abzugucken, wie andere damit umgehen. Ich habe da gerade etwas von der Bundesregierung im Vorfeld des G8-Gipfels gelernt. Nicht, dass ich meine Sendung mit einem G8-Gipfel vergleichen wollte. Aber man muss Erwartungen an einem bestimmten Punkt offensichtlich total kleinreden, damit man nachher ganz leicht über die selbst gelegte Latte kommt. Und so gehe ich die Sache jetzt an: Ich habe vor der Aufgabe Respekt. Ich werde mich sehr gut vorbereiten.

Wie ähnlich wird die Sendung im Vergleich zu Christiansen werden?

Will: Ich werde sicher an das anknüpfen, was Sabine Christiansen gemacht hat. Sie hatte mehr als neun Jahre lang einen beeindruckenden Erfolg, und das muss man erst einmal schaffen.

Wie wollen Sie es schaffen, mehr jüngere Zuschauer vor den Bildschirm zu bringen?

Will: Indem wir Gäste einladen, mit denen sich jüngere Zuschauer identifizieren können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass sie sich für Politik interessieren, wenn sie verständlich und spannend erklärt wird. Das merke ich auch jetzt an der Zuschauerpost von sehr jungen Menschen. Gut gemachter Journalismus funktioniert offensichtlich altersübergreifend. Und das will ich. Ich will möglichst viele Menschen für die Sendung interessieren, ob sie nun jung oder alt sind.

Gibt es Quotenerwartungen?

Will: Es gibt einen klaren Anspruch an mich. Den haben auch die Intendanten. Man kann Quoten verteufeln, wie man will, sie stehen aber für das Zuschauerinteresse. Wenn sich zeigen würde, dass sich niemand für das interessiert, was wir machen, werden wir sehr schnell etwas verändern müssen. Das heißt nicht, dass ich sofort abgesetzt würde. Dafür hat die ARD zum Glück einen langen Atem. Aber an den Erfolg von Sabine Christiansen anzuknüpfen, heißt eben auch und nicht zuletzt weiter die Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer zu binden, die regelmäßig eingeschaltet haben.

Man könnte den ARD-Polittalk am Sonntagabend als Krönung einer Karriere bezeichnen. Was kann danach noch kommen?

Will: Das habe ich mich schon gefragt, als ich die „Tagesthemen” anfing - und jetzt sehe ich, es gibt etwas danach. Insofern schaue ich gelassen in die Zukunft. Ich hatte für meine Laufbahn nie einen „Masterplan”. Ich habe allerdings dann, wenn sich mir eine Chance bot, beherzt zugegriffen und mich mit vollem Engagement hineingestürzt.

Der Titel steht jetzt auch fest?

Will: „Anne Will”, das ist bestätigt.