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Essen: Alte Bekannte, neues Gewand: Viele Klassiker auf der Spiel 08

Essen : Alte Bekannte, neues Gewand: Viele Klassiker auf der Spiel 08

Rund 500 Titel wurden auf der Spiel 08 in Essen vorgestellt - eine wahrhaft beachtliche Zahl. Doch nicht alles, was auf der Neuheitenschau der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele (noch bis 26. Oktober) zu sehen war, ist tatsächlich neu.

Etliche zum Teil jahrzehntealte Klassiker waren darunter - allerdings in frischer Verpackung, mit verändertem Regelwerk oder auch mit Ergänzungen, die sich viele Spieler lange gewünscht hatten.

Letzteres gilt ganz besonders für „Scrabble”, das mittlerweile 60 Jahre auf dem Buckel hat und deshalb jetzt in einer Jubiläums-Edition erschienen ist. Bei der Ergänzung handelt es sich um einen speziellen Duden. „Das ist natürlich der Ritterschlag für uns Scrabbler, jetzt einen Duden zu haben, in dem nur die im Spiel zugelassenen Begriffe stehen”, sagt Sebastian Herzog vom Verein Scrabble Deutschland aus Hannover.

Nicht erlaubt sind etwa Personen- und Ortsnamen oder Abkürzungen - daher stehen sie auch nicht im Wörterbuch, das zum Spiel hinzugekauft werden muss. Trotzdem hat es stolze 120.000 Einträge - nicht zuletzt, weil es auch Beugungsformen starker Verben enthält, die wiederum zulässig sind. Das Spiel selbst kommt mit frischer, futuristischer Optik daher. So hat etwa jedes Feld einen leicht erhöhten Rahmen, damit die Buchstaben-Steine nicht mehr verrutschen.

Am altbekannten Spielprinzip hat Anbieter Mattel nichts geändert - im Gegensatz zum Konkurrenten Parker: Hier hat man sich bei „Risiko” - auf der Spiel 08 in neuer Version zu sehen - den einen oder anderen Eingriff erlaubt. So sollen die militärischen Operationen auf dem Spielplan jetzt weniger von Glück und etwas mehr von Taktik bestimmt sein, wie Michael Bartusch-Lenzen vom Spielezentrum in Herne erklärt.

Zudem dürfen nach langer Zeit wieder Städte oder Länder „erobert” werden. Diese Vokabel hatte dem Hersteller in den 80ern Ärger mit der damaligen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gebracht. Daher wurde laut Regelwerk fortan nicht erobert, sondern „befreit”. Dieses Regelwerk hat Parker für die neue Ausgabe darüber hinaus um einige Varianten erweitert, die kürzere Spielrunden möglich machen.

„Nicht nur bei den überarbeiteten Klassikern, sondern generell ist der Trend zu beobachten, dass die Regeln oft relativ einfach gehalten werden”, sagt Bartusch-Lenzen. Im Vergleich zur Ursprungsversion gilt das auch für die neue Variante der „Siedler von Catan”. „Deutschland-Edition” heißt sie, und besiedelt wird entsprechend das Bundesgebiet - teilweise mit Hilfe von Miniaturmodellen wie dem Brandenburger Tor, der Nürnberger Burg oder Triers römischer Porta Nigra.

„Weil die Bundesrepublik nächstes Jahr 60 Jahre alt wird, war das eine schöne Gelegenheit für eine "Deutschland-Edition"”, sagt „Siedler”-Erfinder Klaus Teuber. Bei der Auswahl der Wahrzeichen habe er lange mit sich gerungen - am Ende musste etwa Hamburg ohne eigenes Modell auskommen. „Sonst hätten das Lübecker Holstentor und der Bremer Roland nicht drauf gepasst, und es hätte ein Ungleichgewicht auf dem Spielplan gegeben.”

Das Spielbrett ins Visier genommen haben auch die Entwickler bei Parker für eine weitere Klassiker-Neuauflage: „Cluedo” spielt dabei im Zauberinternat Hogwarts, und die Spielfiguren sind Harry Potter und seine Freunde. Sie müssen zwar nicht wie beim Originalspiel, das es ebenfalls aufgehübscht gibt, einen Mordfall aufklären. Aber das Rätsel um eine Entführung kann sich ebenfalls spannend gestalten - vor allem, wenn das Maximum von fünf Spielern mit von der Partie ist.

Keinen Spielplan gibt es beim Comeback eines Klassikers, der vor allem in den 1980ern populär war: der Zauberwürfel genannte „Rubiks Cube”. Die neue Variante heißt „V-Cube”, angeboten vom Unternehmen Verdes aus Griechenland. Wesentlicher Unterschied zum Original: Dank neuer Technik im Inneren gibt es nun auch Ausführungen mit sechs mal sechs und sieben mal sieben Feldern pro Seite - fünf mal fünf waren bisher das Maximum.

„Für den Sechser brauche ich etwa fünf Minuten, für einen Siebener ungefähr acht”, sagt Sébastien Auroux. Der 22-Jährige hält bei beiden Würfeln den deutschen Rekord - wenn auch bis zuletzt lediglich den inoffiziellen, wie er bescheiden hinzufügt. Eine, zwei Stunden verbringe er täglich mit seinem Hobby - dessen Faszination er an eher ungewöhnlichem Ort verfallen ist: „Ich bin Student, und in der Vorlesung saß immer jemand vor mir, der mit einem Würfel gespielt hat.”