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Münster: Alles mit Drei multipliziert: Aus dem Alltag von Drillingseltern

Münster : Alles mit Drei multipliziert: Aus dem Alltag von Drillingseltern

Als ihm die Ärztin auf dem Ultraschallbild die drei kleinen Herzen zeigte, konnte Viktor Fech es kaum fassen. Er wäre fast vor Überraschung umgefallen, erinnert sich der 39-jährige Computerfachmann aus Münster.

Die Diagnose war eindeutig: Seine Frau Tatjana erwartete Drillinge. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Daniela, Kimberley und Thomas sind mit zweieinhalb Jahren Kindergartenkinder - und hinter ihren Eltern liegt eine turbulente Zeit. Ein Leben ohne das quietschfidele Trio können sie sich nicht mehr vorstellen.

„Am Anfang dachte ich, wir schaffen es nicht”, sagt Viktor Fech. Die Drillinge waren am 27. April 2006 in der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen - acht Wochen zu früh mit einem Gewicht von 1200, 1400 und 1680 Gramm.

Zwei Monate mussten die Frühchen im St. Franziskus-Hospital in Münster bleiben, bis alle zweieinhalb Kilogramm wogen und Danielas Lungenentzündung auskuriert war. Erst dann ging es nach Hause. „Das erste halbe Jahr war Stress pur”, erinnert sich die 35-jährige Mutter. „Mein Mann musste arbeiten, und alleine konnte ich die Drei nicht füttern.”

Außerdem wollte Kimberley nicht richtig trinken und der kleine Thomas hatte Probleme beim Saugen. Alle Verwandten, Freunde und Bekannte wurden mobilisiert, um mitzuhelfen. Das Ehepaar hatte kaum Zeit für sich. Gleichzeitig stand aber auch die Strategie der neuen Großfamilie fest, erzählt Tatjana Fech: „Nur hilfsbereite Gäste sind willkommen. Nur rumsitzen, gibt es nicht.”

Neben den Fechs kennen auch viele andere Eltern in Nordrhein-Westfalen den oftmals stressigen Alltag nach Mehrlingsgeburten. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes haben im Jahr 2006 neben Kimberley, Daniela und Thomas 61 weitere kleine Trios in Nordrhein-Westfalen das Licht der Welt erblickt.

Unter den 2007 geborenen rund 151 000 Kindern waren 2490 Zwillings-, 72 Drillings- und sechs Vierlingsgeburten. Seit 1955 kamen jedoch nur sechs Fünflinge und zwei Sechslinge zur Welt. Entgegen dem allgemeinen Geburtenrückgang ist die Zahl der Mehrlingsgeburten in Nordrhein-Westfalen innerhalb der vergangenen fünf Jahrzehnte prozentual gestiegen.

Ein Verbrauch von 126 Fläschchen, 82 Gläschen und 140 Pampers pro Woche - das sind die Zahlen, mit denen sich die Eltern des Trios aus Münster auseinandersetzen mussten. „Fremde Leute haben uns Kleidung und Geld für die Kinder geschenkt”, erzählt Tatjana Fech. Auch Babyfirmen hätten auf Anfrage Produkte geschickt. „Ich hätte aber eine Person gebraucht, die mir im ersten halben Jahr kontinuierlich mit den Kindern hilft”, sagt sie.

Außer einer Haushaltshilfe, die ihr von der Krankenkasse für kurze Zeit zur Verfügung gestellt wurde, gab es aber keine offizielle Unterstützung. Die Tatsache, dass alles immer mit Drei multipliziert werden muss, ist für Familie Fech mittlerweile so selbstverständlich wie ein krankes Kind, das die Krankheit an seine beiden Geschwister weitergibt.

Dabei seien die Drillinge im Wesen nicht alle gleich, erzählen die Eltern. Da ist die lebendige Daniela, „Anführerin” der Truppe, Thomas der Ausgewogene, und die ruhige, schlaue Kimberley. „Sie haben großen Einfluss aufeinander und fordern sich gegenseitig heraus”, erzählt Tatjana Fech.

Ihre Kinder sollen zweisprachig aufwachsen, haben die aus Kasachstan stammenden Eltern entschieden. Vor allem aber sollen sie alle ein eigenes Zimmer bekommen. Eine größere als die derzeitige 85 Quadratmeter-Wohnung wollte ihnen mit drei kleinen Kindern jedoch niemand vermieten. Deshalb haben sie sich jetzt entschlossen, ein eigenes Haus zu bauen. „Wenn Probleme entstehen, werden sie gelöst”, sagt Viktor Fech zum Wohnproblem. „Andere haben das auch geschafft.”