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Hohenthann: 14-Jähriger ist im Brunnen ertrunken

Hohenthann : 14-Jähriger ist im Brunnen ertrunken

Knapp eine Woche Hoffen und Bangen haben am Mittwoch für die Angehörigen des 14-jährigen Felix von Quistorp ein grausiges Ende gefunden. Die Leiche des jungen Adligen aus Potsdam wurde von einem Polizeitaucher in einem Brunnen des Schlosses Weihenstephan in Hohenthann in Niederbayern entdeckt.

In dem rund 150 Jahre alten Anwesen seines Großvaters hatte Felix zusammen mit seiner Mutter und dem drei Jahre jüngeren Bruder den Weihnachtsurlaub verbracht, ehe er am vergangenen Donnerstag spurlos verschwand.

Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei war Felix am gleichen Tag beim Spielen in einem historischen Gewölbe in den etwa 15 Meter tiefen Brunnen gefallen und ertrunken. Spekulationen, dass der Junge umgebracht worden sein könnte, bestätigten sich bei der Obduktion nicht. „Auf Grund der vorliegenden Erkenntnisse ist ein Verbrechen auszuschließen”, sagte ein Polizeisprecher in Landshut. Es handle sich eindeutig um einen Unglücksfall.

In dem zu Hohenthann gehörenden 300 Einwohner großen Weihenstephan war das Verschwinden des Jungen aus Brandenburg seit Tagen das Thema, schließlich kennt dort praktisch jeder den Opa von Felix, den Besitzer des Rokokoschlösschens.

„Der Graf ist ein ganz guter Mensch, er hilft hier allen”, sagte die Wirtin der gegenüber liegenden Pizzeria. Noch am zweiten Weihnachtsfeiertag sei Felix in ihre Gaststube gekommen und habe bei einem Mitarbeiter einen Schokoriegel kaufen wollen, berichtete sie. Schokolade hatte die Dorfwirtschaft aber nicht im Angebot, so dass Felix seinen Hunger auf Süßes woanders stillen musste.

Nach einem Museumsbesuch mit seinem Großvater war der Junge am Nachmittag des 28. Dezember noch einmal aus dem Schloss gegangen und nicht mehr zurückgekommen. Seitdem wucherten die wildesten Spekulationen. Da es sich um einen Adelsspross handelte, wurde von einigen eine Entführung oder eine andere Gewalttat vermutet.

Manche in Weihenstephan vermuteten sogar Kinderschänder am Werk. Andere glaubten, dass der 14-Jährige schlicht ausgerissen oder mit einem Mädchen durchgebrannt sein könnte.

Auch der Polizei kam das Verschwinden merkwürdig vor. Bei der Landshuter Kripo wurde die mehr als 20 Beamte starke Sonderkommission „Felix” geschaffen. Die Ermittler gingen in der Region von Haus zu Haus und verteilten Flugblätter an Autofahrer.

Tagelang hatten auch die Bewohner des Dorfes zusammen mit den Angehörigen von Felix nach dem Jungen gesucht. Im Umkreis von mehreren Kilometern durchkämmten 300 Helfer die Wälder, gleichzeitig waren Spürhunde und ein mit Wärmebildkamera ausgestatteter Polizeihubschrauber im Einsatz. „Den hat hier keiner gekannt, er war ja nur zu Besuch da”, berichteten nach dem tragischen Tod einige Feuerwehrmänner, die zuvor noch nach dem Jungen gesucht hatten.

Nachdem es trotz des großen Fahndungsaufwands keine Spur von Felix gab, hatte die Polizei am Mittwoch nochmals eine Suchaktion auf dem Gelände des Schlosses gestartet, wo erst im August ein Nebengebäude mit Wohnungen und historischen Kutschen niedergebrannt war. Dafür wurde auch eine Tauch-Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei angefordert, da es um das Schloss einen Wassergraben und mehrere Brunnen gab.

Neben einem alten Schwimmbad wurden die Beamten schließlich fündig. Der Leichnam wurde in einem tiefen Brunnenschacht entdeckt, der etwa sechs Meter hoch mit Schlamm und Wasser gefüllt war. Normalerweise ist der Brunnen, der einen Durchmesser von zwei Metern hat, in mehreren Schichten mit Holzbohlen abgedeckt. Nach Angaben der Polizei waren die Bretter teilweise zur Seite geräumt. Unklar war zunächst jedoch, wer den Schacht abgedeckt hat. Bei einer früheren Suche hatten Helfer zwar bereits dort nachgeschaut, in dem dunklen Brunnen aber nichts entdecken können.