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007-Stunts beim Professor auf dem Prüfstand

007-Stunts beim Professor auf dem Prüfstand

Dortmund. Den neuen James-Bond-Film „Ein Quantum Trost” hat sich Metin Tolan schon zweimal angesehen. „Beim zweiten Mal habe ich viel entdeckt, was ich beim ersten Schauen noch nicht bemerkt hatte”, sagt der 43-jährige Physikprofessor aus Dortmund.

Der aktuelle Bond sei „der temporeichste Film, den ich jemals gesehen habe”. Mit Tempo kennt sich Tolan aus.

Der Professor von der Technischen Universität Dortmund nimmt seit Jahren die James-Bond-Filme aus physikalischer Sicht unter die Lupe. Das Ergebnis der Forschungen, bei denen er von 41 Studenten der Dortmunder Uni sowie von Co-Autor Joachim Stolze unterstützt wurde, ist das Buch „Geschüttelt, nicht gerührt”.

Auf 240 Seiten beleuchtet Tolan darin die Stunts des von Ian Fleming erfundenen britischen Geheimagenten, die manchmal atemberaubend, häufig allerdings auch unmöglich erscheinen. In Skizzen, Grafiken und Bildern beschreibt er die Action-Szenen. Die Stunts aus dem aktuellen, überaus erfolgreichen Film mit Daniel Craig konnte Tolan in seinem Buch allerdings nicht mehr bewerten.

Manches bei James Bond ist aus Sicht des Physikers schnell zu erklären. Beispielsweise dessen Vorliebe für geschüttelte, nicht gerührte Martinis. „Die Alkoholmoleküle werden an die Oberfläche und in den ersten Schluck geschüttelt„, erklärt Tolan.

„Und das ist nicht unwichtig für Bond, der ja immer nur einen Schluck im Vorbeigehen nimmt und dann weiter die Welt rettet.„

Komplizierter fallen die Analysen des filmbegeisterten Wissenschaftlers aus, wenn es um die - vor allem in älteren Bond-Filmen - oft haarsträubenden Action-Szenen geht.

Als Beispiel nennt Tolan eine Szene aus „Golden Eye” mit Pierce Brosnan, in der dieser als Agent Ihrer Majestät mit einem Motorrad von einer Klippe stürzt, im freien Fall ein Flugzeug im Sinkflug einholt und dieses dann in letzter Sekunde vor dem Absturz bewahrt. 007 müsse dabei schon sehr viel Glück gehabt haben und zudem sehr gut Flugbahnen berechnen können.

Der physikalische Fachbegriff dafür lautet: ein waagerechter Wurf mit Reibung. Brosnan ist Tolans Lieblings-Bond. Wie dieser sich in „Die Welt ist nicht genug” noch im Schnellboot unter Wasser den Krawattenknoten richtet, ist für den Wissenschaftler „einfach unschlagbar”.

Tolan bezeichnet sich selbst als „physikalischen Cineasten”. Legendär sind in Dortmund seine Vorlesungen zu „Star-Trek”. Auch den Kassenschlager „Titanic” hat er auf seine naturwissenschaftliche Plausibilität untersucht. „Lernen funktioniert, wenn es sich um etwas Nützliches handelt oder wenn es Spaß macht”, lautet das Credo des Professors.

Technische Spielereien wie das unsichtbare Auto, mit dem Q, der Chef-Erfinder des britischen Geheimdienstes MI6, in „Stirb an einem anderen Tag” aufwartet, hält Tolan für komplett unglaubwürdig. ”Ein Auto, das einfach so unsichtbar wird, ist Science-Fiction. Das lässt sich wissenschaftlich nicht untersuchen”, sagt er.

Was den Naturwissenschaftler eher fasziniert, sind Q-Erfindungen wie die Uhr mit Elektromagnet, mit deren Hilfe Bond einen Löffel bewegen kann. „Wir haben uns gefragt, wie stark dieser Magnet sein muss”, sagt Tolan.

Berechnet wurde auch, wie stark ein Magnetfeld sein muss, um Pistolenkugeln ablenken zu können. „Verblüffend war, dass es drei Sekunden dauert, bis so ein Feld sich aufgebaut hat.” Im Film vergingen dann wirklich drei Sekunden, bis die Kugeln von ihrer Bahn abgelenkt wurden. ”Das ist wahrscheinlich Zufall, aber für uns war es ein Triumph”, sagt der Physiker.