Kreis Heinsberg: Oft ganze Cliquen von Essstörungen betroffen

Kreis Heinsberg: Oft ganze Cliquen von Essstörungen betroffen

Fünf Jahre hat es gedauert, bis nun am kommenden Dienstag, 1. September, erstmals eine neue Sprechstunde zum Thema „Essstörungen” angeboten werden konnte.

Grund dafür war zunächst einmal, die Finanzierung über den Kreis Heinsberg zu sichern. „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, dass wir eine erhebliche Nachfrage verzeichnen”, erklärte Diplom-Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin Ursula Tiebel vom Kreisgesundheitsamt.

Die Nachfrage kann nun befriedigt werden, denn ab September wird es an jedem ersten Dienstag im Monat in der Zeit von 16 bis 18 Uhr in der Nebenstelle des Kreisgesundheitsamtes in Geilenkirchen an der Vogteistraße 16 eine Beratungszeit geben.

Angesprochen sind Angehörige wie Betroffene gleichermaßen, um auch wirklich ein Angebot mit Wirkung zu haben. „Es ist oft so, dass Einzelne oder auch ganze Cliquen betroffen sind”, sagte Ursula Tiebel. Ihr zur Seite steht als erfahrene Diplom-Pädagogin und Psychotherapeutin Annette Quix.

Sie arbeitet seit über zehn Jahren in diesem Schwerpunkt, war viele Jahre Mitarbeiterin der Fachberatungsstelle in Aachen und arbeitet seit drei Jahren in eigener Praxis in Übach-Palenberg an diesem Thema. „Magersüchtige kennt jeder, aber das ist nur ein kleiner Teil”, berichtete sie aus ihrem täglich wachsenden Erfahrungsschatz. „So ist beispielsweise die Gruppe der bulimischen Mädchen mit einer Ess-Brech-Sucht oder einer Sucht danach, Sport zu treiben, viel größer”, unterstrich Quix.

Bei vielen Betroffenen sei die Sucht schon lange vorhanden, aber es dauere, so die Therapeutin, bis das auch in der unmittelbaren Umgebung wahrgenommen werde. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch”, schloss sie. Auch beobachtete Annette Quix, dass dieses bislang eher frauenspezifische Problem auch bei Männern vor allem in jüngerem Lebensalter vorkomme.

Therapiemöglichkeiten gibt es, in dem zunächst versucht wird, das gestörte Essverhalten, das sich auch in einer Fettsucht äußern kann, wieder in gesündere Bahnen zu lenken. „Dann müssen wir an die Hintergründe kommen, müssen fragen: Warum fange ich wieder und wieder an, zu brechen?” So beschrieb die Fachfrau den durchaus langfristigen Prozess auf dem Weg aus der Essstörung heraus.

„Natürlich gilt es dazu auch, die Angehörigen einzubinden”, ergänzte Tiebel. Vor allem müsse vermittelt werden, dass es sich um eine Krankheit handele, bei der es durchaus schon einmal zu einem stationären klinischen Aufenthalt kommen könne. Bei der Suche nach den Ursachen kann auch der Arzt helfen, wie Wolfgang Sommer, Leitender Facharzt vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreisgesundheitsamtes ergänzte.

Die Sprechstunde zum Thema „Essstörungen” ist zunächst als Pilotprojekt auf ein Jahr befristet. Das Angebot richtet sich an alle Bürger des Kreises Heinsberg.

Die Beratung ist Teil der Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes und unter 02451/911190 erreichbar.

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