Heerlener und Paar aus Übach-Palenberg angeklagt: Zwölf Jahre Haft für den Kopf der Drogenbande

Heerlener und Paar aus Übach-Palenberg angeklagt : Zwölf Jahre Haft für den Kopf der Drogenbande

Es ging um zehn Kilo Heroin: Wegen bandenmäßigen Drogenhandels ist ein Niederländer aus Heerlen zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das beteiligte Paar aus Übach-Palenberg wird vor dem Landgericht Darmstadt noch verhandelt.

Regungslos, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, vernimmt der Mann die Worte des Gerichts. Er ist einer von ursprünglich fünf Angeklagten, die aus den Niederlanden stammende Drogen in Süddeutschland verkauft haben sollen. Zwei Männer sind schon verurteilt, gegen ein Paar aus Übach-Palenberg wird noch verhandelt. Das Verfahren begann im April 2017.

Der Niederländer hat bislang die mit Abstand höchste Strafe erhalten – es wären aber auch „nur“ neun Jahre Haft möglich gewesen. Dazu aber hätte er vor Monaten einen von Gericht und Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen „Deal“ annehmen müssen. Voraussetzung wäre gewesen, dass der 26-Jährige zu seinem „Teilgeständnis“ ergänzende Angaben macht. Das aber lehnte er ab. Sein Verteidiger hatte nicht mehr als sieben Jahre sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert. Darauf hat sich das Gericht eingelassen – wenn auch unwillig.

„Wir hätten der Forderung der Staatsanwältin folgen können“, betont die Vorsitzende. Diese hatte keinen Grund für einen Entzug gesehen, da der Heerlener nur gelegentlich konsumiere und allein aus Gewinnstreben gehandelt habe und nicht, um seine eigene Sucht zu befriedigen.

Es gebe jedoch „leider und für uns nicht nachvollziehbar“, so das Gericht, Vorgaben des Bundesgerichtshofs (BGH), an die es sich halten müsse. Demnach reiche es laut BGH, wenn bei einem Angeklagten ein sogenannter Hang zum Drogenkonsum und daraus resultierende Straftaten, etwa, um Nachschub zu beschaffen, bloß untergeordnet vorliegt. Obgleich der Angeklagte mit seinen Geschäften hauptsächlich „große Gewinne“ machen wollte, so auch die Kammer, könne man dem 26-Jährigen, dem Konsum von Marihuana und Amphetamin nachgewiesen worden war, einen Hang nicht zweifelsfrei absprechen. Deswegen die Therapie.

Mit seinem ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Bruder – dessen Verfahren soll im April in Darmstadt beginnen – habe er ein „Liefersystem in großem Stil und mit breiter Produktpalette“ aufgezogen, sagt die Vorsitzende. Die Gruppe handelte demnach mit Heroin, Kokain, Amphetaminen und Marihuana. Der Angeklagte habe Preise festgesetzt, gezielt Mitarbeiter angeworben und Anweisungen erteilt. Um seine Leute gefügig zu halten, habe er Drohungen ausgesprochen und auch vor Gewalt nicht zurückgeschreckt. Einen Helfer etwa habe er bei einer Autofahrt vor anderen brutal zusammengeschlagen.

Der Angeklagte hatte angegeben, bei einem Dealer Schulden gehabt zu haben, die er durch Drogenhandel abarbeiten sollte. Er sei nur Mitläufer gewesen. Das glaubt die Kammer nicht: „Wir haben ein klares Gesamtbild: Sie waren der Chef.“ Der Heerlener sei mit „hoher krimineller Energie“ vorgegangen. So habe er „hochprofessionell“ umgebaute „Bunkerfahrzeuge“ eingesetzt, in denen die Drogen – verborgen in extra geschaffenen Verstecken – transportiert wurden.

Die Kammer hat dem Mann zudem weitere fünf Kilo Heroin zugerechnet, die erst nach einer Durchsuchung der Polizei im Keller eines Hauses in Übach-Palenberg gefunden worden waren. Der Niederländer hatte behauptet, Unbekannte müssten es in das Haus gelegt haben, nachdem die Polizei gesucht hatte. „Lebensfremd“ so die Vorsitzende. Unter anderem überführe DNA an einem Paket den Angeklagten. Dass die Drogen zuerst nicht entdeckt worden waren, habe daran gelegen, dass der Keller „zugemüllt“ gewesen sei. Die Polizei habe deswegen wohl nur „dünner drübergeschaut“.

Insgesamt waren allein rund zehn Kilo Heroin bei den fünf Angeklagten gefunden worden. Drogen, „die andere in den Abgrund stürzen“, betont das Gericht. Der Verteidiger des Niederländers hat gegen das Urteil Revision eingelegt.

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