Wachsende Sorgen bei Tierhaltern: Zweites Wolfsgebiet in NRW in der Senne-Landschaft

Wachsende Sorgen bei Tierhaltern : Zweites Wolfsgebiet in NRW in der Senne-Landschaft

Eine zweite Wölfin ist in NRW heimisch geworden. Das Land weist ein weiteres Wolfsgebiet aus, damit Tierhalter Fördergeld für den Schutz ihrer Herden beantragen können. Die Sorgen der Landwirte nehmen zu.

Heide, Birken, Kiefern und Moore: In der malerischen Sennelandschaft mit zahlreichen seltenen Pflanzen und Tierarten ist eine Wölfin heimisch geworden. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat deshalb ein 922 Quadratkilometer großes Areal zwischen Bielefeld, Paderborn und Detmold zum Wolfsgebiet Senne erklärt. Damit können Tierhalter Fördergelder für Schutzmaßnahmen beantragen. Es ist das zweite Wolfsgebiet des Bundeslandes nach dem Anfang Oktober das Gebiet Schermbeck zwischen Wesel und Bottrop als solches ausgewiesen wurde. Auch in dem Fall war eine Wölfin durch Genspuren nachgewiesen worden, die wohl in diesem Gebiet bleibt.

Der Wolf war vor rund 200 Jahren in den Landschaften des heutigen Nordrhein-Westfalens von den Menschen ausgerottet worden. Tierhalter sorgen sich angesichts der Fälle gerissener Schafe zunehmend. Der NRW-Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland begrüßte die Ausweisung des zweiten Wolfsgebietes. In Ostwestfalen-Lippe bestehe damit die Chance, frühzeitig Präventionsmaßnahmen zu fördern und so zu verhindern, dass der dortige Wolf überhaupt lerne, in Tierhaltungen einzudringen und Nutztiere zu töten. Am Niederrhein sei das viel zu spät erfolgt, kritisierte der Nabu NRW. „Übergriffe dort hätten viel früher vermieden werden können und eine Eskalation zwischen Tierhaltern und Wolfschützern wäre ausgeblieben.“

Wann die wenige Jahre alten und wohl aus dem benachbarten Niedersachsen stammenden Wölfinnen einen Partner finden und Nachwuchs bekommen, ist ungewiss. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Tiere sich treffen, ist nicht null, aber auch nicht riesengroß“, sagte ein Ministeriumssprecher. Sie müssten einander wittern und es gebe weiter große wolfsfreie Gebiete in NRW. Die Wandersaison der Wölfe, bei der Tiere ihre Rudel verlassen, habe gerade begonnen.

Bei der Wölfin in der Senne, die in den Listen der Behörden die Bezeichnung GW1044f trägt, ist die genaue Herkunft noch nicht geklärt, wie das NRW-Umweltministerium mitteilte. Bei der Wölfin GW954f im Gebiet Schermbeck am Niederrhein sei aber bereits klar, dass sie aus dem Rudel Schneverdingen aus dem Heidekreis in Niedersachsen stammt. Beide Wölfinnen haben auch schon mehrere Nutztiere gerissen, wie aus einem Verzeichnis des Landes hervorgeht. Allerdings sei das Problem am Niederrhein stärker, weil dort mehr Schafsherden gehalten werden. „Die Senne-Wölfin ernährt sich fast nur von Wildtieren“, sagte der Ministeriumssprecher. Aber auch die Wölfin am Niederrhein ernähre sich überwiegend von Wildtieren. Erfahrungen in anderen Bundesländern zeigten, dass Schutzzäune und Schutzhunde die Zahl der Nutztierrisse senkten.

Der Rheinische Landwirtschaftsverband mahnt an, dass die Fördergelder für den Herdenschutz erhöht werden sollten. Zudem müssten DNA-Untersuchungen nach Tierrissen beschleunigt werden. Die jüngsten Geschehnisse in Hünxe im Wolfsgebiet Schermbeck vergrößerten die Sorgen. Binnen weniger Tage sei eine Schafherde dort zweimal Opfer von Angriffen geworden. Dabei wurden mehrere Tiere verletzt und getötet, wie der Verband mitteilte. Die Ursache und Umstände seien noch nicht geklärt.

Sollte herauskommen, dass ein Wolf geeignete Herdenschutzmaßnahmen zweimal überwunden und Nutztiere gerissen habe, sei man für eine Tötung des Wolfes, erklärte der Fachausschuss Rinder des Verbandes. Nicht nur die Halter von Schafen, sondern auch die Halter von Mutterkühen beispielsweise in der Eifel seien in Sorge. Auch Kälber könnten Wolfsopfer werden und eine Herde in Panik versetzt werden.

Das NRW-Umweltministerium will die Förderrichtlinien ändern, so dass solche Schutzmaßnahmen wie der Kauf von Elektrozäunen künftig zu 100 Prozent statt zu 80 Prozent gefördert werden könnten. Auch die Anschaffung und Haltung von Herdenschutzhunden, die eine spezielle Ausbildung benötigten, sei für die Tierhalter kostenintensiv und soll künftig stärker gefördert werden. Es gebe Gespräche auf EU-, Bundes- und Landesebene, die finanzielle Unterstützung zu verstärken.

(dpa)
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