Erkrath: Zweijährigen zu Tode gequält: Haftbefehl gegen Mutter aufgehoben

Erkrath: Zweijährigen zu Tode gequält: Haftbefehl gegen Mutter aufgehoben

Im Fall des zu Tode gequälten zweijährigen Jungen aus Erkrath (Kreis Mettmann) ist der Haftbefehl gegen die beschuldigte Mutter außer Kraft gesetzt worden.

Bei der 31 Jahre alten Frau gebe es nach Ansicht des Haftrichters keine Hinweise auf Flucht- oder Verdunkelungsgefahr, sagte der Wuppertaler Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt am Mittwoch auf ddp-Nachfrage. Deshalb sei sie auf freien Fuß gesetzt worden. Ihr 22-jähriger Freund, der ebenfalls unter Verdacht steht, blieb dagegen in Untersuchungshaft.

Rettungskräfte hatten das Kleinkind am 12. Mai bewusstlos in der Wohnung des Paares entdeckt. Zuvor hatte der Lebensgefährte den Notarzt gerufen. Trotz mehrerer Wiederbelebungsversuche gelang es nicht, den kleinen Jungen zu retten.

Laut Obduktion wiesen zahlreiche innere und äußere Verletzungen darauf hin, dass das Kind über einen längeren Zeitraum immer wieder misshandelt worden war. Neben Blutergüssen zählten dazu auch Verbrühungen am Rücken und Verletzungen im Genitalbereich. Zum Tod führten schließlich innere Blutungen, die offenbar durch Schläge und Tritte ausgelöst wurden.

Die 31 Jahre alte Mutter und ihr Freund gelten als tatverdächtig, bei Vernehmungen durch die Polizei belasteten sie sich gegenseitig. Zunächst hatten sie überdies behauptet, der Junge habe sich die tödlichen Verletzungen selbst zugefügt. Diese Aussagen konnten aufgrund der Faktenlage aber widerlegt werden.

Die drei Töchter der Mutter im Alter von acht, zehn und zwölf Jahren wurden in die Obhut der Stadtverwaltung übergeben. Die Familie war dem Jugendamt schon vor dem Vorfall bekannt und von Mitarbeitern überprüft worden. Bei Hausbesuchen seien jedoch keine Anhaltspunkte für die Gefährdung der Kinder festgestellt worden, erklärte die Stadtverwaltung.

Die Mitarbeiter des Jugendamtes hätten „sorgfältig gehandelt”, hieß es. Es habe keine Ansatzpunkte dafür gegeben, dass die Behörden einschreiten mussten. Auch Staatsanwalt Kaune-Gebhardt betonte, dass gegen Mitarbeiter des Jugendamtes nicht ermittelt werde.