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„Wir möchten nützlich sein“: Zusammen, aber mit Abstand gegen Corona

„Wir möchten nützlich sein“ : Zusammen, aber mit Abstand gegen Corona

Ausnahmezustand in NRW. Alte Menschen, die nicht mehr vor die Tür gehen und arbeitende Eltern, die gleichzeitig Kinder betreuen – das führt vielerorts zu Problemen im Alltag. Aber auch zu Solidarität. Zusammen gegen Corona ist das Motto – aber bitte mit Abstand.

„Wie kann ich in Zeiten von Corona helfen?“ Die Frage habe sich Carla Mombartz am Frühstückstisch gestellt, als sie mit ihrer Mutter über die Ausbreitung des Virus sprach. Unterstützung brauchen derzeit viele, denn: Der Alltag in NRW ist zum Ausnahmezustand geworden. Eltern arbeiten von zu Hause und müssen gleichzeitig ihre Kinder betreuen, ältere Menschen gehen zum Schutz vor einer Infektion nicht mehr vor die Tür.

Für diese Menschen hat Mombartz eine Initiative gestartet. Das Motto: „Zusammen gegen Corona“ - allerdings mit dem nötigen Abstand, wie die Schülerin aus Köln betont. „Wir haben nach den Schulschließungen nicht so viel zu tun und möchten nützlich sein“, sagt die 19-Jährige, die vor den Abiprüfungen steht. Das Ziel: Menschen vernetzen, die wie Carla in Zeiten der Corona-Pandemie helfen wollen und können, weil sie jung und gesund sind. Sie bieten Einkaufshilfen und Kinderbetreuungen an.

Dafür setzte sich Mombartz hin und schrieb ein Flugblatt, das sie in Köln verteilte. „Wenn sie Hilfe beim Einkaufen oder ähnlichem brauchen [...] oder Sie nicht wissen, wo Sie Ihre Kinder unterbringen können, möchten wir so gut es geht helfen“, steht dort geschrieben. „Dann ist plötzlich alles in die Luft gegangen“, erzählt die 19-Jährige. Neben zahlreichen Betroffenen hätten sich innerhalb weniger Tage auch etwa 150 Helferinnen und Helfer gemeldet, darunter vor allem Schüler.

Ein Zettel, der über ein Hilfsangebot in der Coronakrise informiert, hängt an einer Ampel. Foto: dpa/Marius Becker

Gemeinsam gegen Corona – nach dieser Devise gibt es derzeit vielerorts Solidaritätsaktionen. Unter dem Hashtag #NachbarschaftsChallenge posten etwa zahlreiche Nutzer in sozialen Medien Hilfsangebote, die sie in ihren Wohnhäusern ausgehängt haben.

Auch die 57-jährige Heike van Ackern aus Essen geht für andere einkaufen. In ihrer Nachbarschaft gebe es einige ältere Damen, sie helfe, wo sie kann und das sei „selbstverständlich“, sagt van Ackern. Sie kauft dann etwa Lebensmittel für die Frauen wie Obst, Gemüse oder Nudeln. Den Einkauf stellt sie vor die Tür.

Inge Vincents ist 79 und gehört zu denen, die von van Ackern unterstützt werden. „Heike hat mich verdonnert, zu Hause zu bleiben“, sagte sie lachend am Telefon. Vincents gehe nur „so wenig wie möglich und so oft wie nötig“ raus.

Bei Carla Mombartz und ihrem Team melden sich derzeit vor allem junge Familien, die nach Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fragen. Rund zehn Mails werden der Schülerin zufolge derzeit täglich bearbeitet. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, werde pro Kind nur eine Betreuungsperson eingesetzt - nur im Notfall dann auch eine zweite Person.

Für viele Stadtteile in Köln gebe es jeweilige „Stadtteilleiter“, die dann die freiwilligen Helfer im jeweiligen Bezirk koordinieren. Kommuniziert und organisiert werde hauptsächlich über Whatsapp. Auch Carlas Schule hilft. Es sei ihr und den Helfenden gestattet, für Koordinierungsgespräche die Räumlichkeiten der Schule zu nutzen - fünf Personen maximal und mit viel Abstand. Wichtig sei vor allem, den Kontakt untereinander auf das Minimum zu reduzieren: „Die größte Angst meiner Generation ist, andere anzustecken“, sagt Carla.

(dpa)