Jülich: Zum 500. Geburstag: Ausstellung über Herzog Wilhelm V.

Jülich: Zum 500. Geburstag: Ausstellung über Herzog Wilhelm V.

Je länger Guido von Büren über Jülich spricht, desto größer wird es. Er steht im Keller des Schlosses, in dem früher mal der Jülicher Herzog gelebt hat, und in diesem Keller gibt es viele Stellen, die belegen, welche Bedeutung Jülich in Deutschland hatte, früher, vor fast 500 Jahren.

Fluchten, Steine, Verzierungen, all das spricht zu Guido von Büren, der die Sprache so übersetzen kann, dass jeder sie versteht. Wenn Jülich dieses Jahr den 500. Geburtstag von Wilhelm V. feiert, Herzog von Jülich-Kleve-Berg, dann feiert die Stadt in erster Linie sich selbst und ihre einstige Größe, von der heute außer dem Schloss und der Zitadelle nicht mehr viel übrig geblieben ist.

Guido von Büren ist Kurator einer Ausstellung, die das Leben des Herzogs versucht zu illustrieren, aber eigentlich ist von Büren auch so etwas wie das Gedächtnis der Stadt. Wer die Ausstellung sieht und von Büren hört, spürt, wie Jülich wächst, bis es irgendwann wieder das bedeutendste Herzogtum im Westen des Deutschen Reiches ist, und die Frage ist: Wie konnte Jülich so stark an Größe und Bedeutung verlieren?

Dass Jülich überhaupt zum Herzogtum wurde, liegt wie vieles andere an den Römern. Die Straße von Köln zum Atlantik bauten die Römer durch Jülich, der Stadt wurde zum strategischen Ort. Als sich das Herzogtum bildete und durch strategisch intelligente Hochzeiten wuchs, war es weit und breit der einzig militärstrategisch wichtige Ort, der gesichert werden musste, sagt von Büren. Wilhelm V. begann schließlich damit, Jülich zur Festung auszubauen und sein Renaissanceschloss in einer Zitadelle zu errichten. So war alles vor den Eroberungsversuchen fremder Herrscher geschützt.

Eigentlich hatte der Herzog alles auf Dauer angelegt, und fast wäre auch noch das Herzogtum Geldern dazugekommen, aber: Es gab ein Problem mit den Nachfolgern, schwierige Geschichte. Wilhelms erster Sohn, Erbprinz Karl Friedrich, starb mit 19 Jahren während einer sogenannten Kavalierstour in Rom an den Pocken. Ein Jammer, da Karl Friedrich alles in sich vereinte, das ihn befähigt hätte, ein vielleicht noch größerer Herrscher zu werden als sein Vater.

Sein zweiter Sohn, Johann Wilhelm, war regierungsunfähig, vermutlich wegen einer manischen Depression, sagt von Büren. Johann Wilhelm erschoss seine erste Frau, bevor sie schwanger werden konnte, ob aus Eifersucht oder im Wahn, können die Historiker heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Fest steht, dass seine zweite Frau ihn überlebte, aber auch kein Kind zur Welt brachte. So wurde das Herzogtum ab 1609 quer durch die Adelsgeschlechter vererbt, seine Reste Anfang des 19. Jahrhunderts erst französisch, dann preußisch und schließlich zum Regierungsbezirk. Was für ein Abstieg!

Dass bei der Kommunalreform 1972 nicht das früher so mächtige Jülich, sondern die Industriestadt Düren zur Kreisstadt gemacht wurde, „geht auch auf Herzog Wilhelm V. zurück, der die Stadt zur Festung machte. So konnte sie später, anders als Düren, nicht mehr wachsen“, sagt Frank Pohle, Regionalhistoriker an der RWTH Aachen. Als die Städte während der Industrialisierung mit rasender Geschwindigkeit wuchsen, konnte Jülich nicht über seine Stadtmauern hinaus. 1860 wurde Jülich zwar entfestigt und bekam endlich einen Bahnhof, „aber da war es schon zu spät“, sagt Pohle. Heute hat Jülich knapp 33000 Einwohner und 170 Millionen Euro Schulden, geblieben ist das Bewusstsein ihrer früheren Größe. „Das Schloss und die Zitadelle“, sagt Guido von Büren, „sind nach wie vor identitätsstiftend“, wenigstens das ist von Wilhelm V. geblieben.

Das Schloss, in dessen Resten seit den 70er Jahren ein Gymnasium ist, wäre in dieser Pracht wohl nie gebaut worden, wäre Wilhelm nicht mit dem Kaiserhaus verwandt gewesen, den Habsburgern. Festungsanlage und Schloss wurden im Mitte des 16. Jahrhunderts furchtbar modernen italienischen Renaissancestil gebaut, vermutlich, um den Kaiser ein paar Wochen lang angemessen beherbergen zu können, sagt von Büren. „Dass Jülich schon damals ein Ertragsproblem hatte“, wie von Büren es ausdrückt, störte Wilhelm, der den Beinamen „der Reiche“ führte, nicht im Mindesten. Er machte solange Schulden, bis alles zu seiner Zufriedenheit errichtet war, ein begnadeter Schuldenmacher, der es in der heutigen Politik nicht sehr weit bringen würde.

All dies liegt zu lange zurück, um es in einer Ausstellung exakt veranschaulichen zu können, aber ein bisschen was ist natürlich möglich, und das ist dem Museum Zitadelle Jülich auch gelungen. Es gibt verschiedene Exponate aus der Zeit Wilhelms zu sehen, sogar einen seiner handgeschriebenen Briefe, Bilder, Modelle. Schön.

Noch schöner ist, das Schloss mit ungefährem Wissen der Geschichte des Herzogtums zu betreten, sich umzusehen, in die Kapelle zu gehen, in den Keller, in den Garten, auf die Wallanlage, und von Büren dabei zuzuhören, wie er Jülich wachsen lässt.