Entgleisungen, Brände und ein Mord: Zugunglücke in der Region

Entgleisungen, Brände und ein Mord : Zugunglücke in der Region

Ein Intercity kracht in einen Güterzug, Autotransportwaggons stürzen von einem Viadukt, ein Triebwagen brennt lichterloh und eine Frau wird vor einen Regionalexpress gestoßen: Immer wieder kam es auf den Bahnstrecken im Dreiländereck rund um Aachen zu schweren Unfällen. Eine Chronik.

16. Juni 2019: Weil Rangierarbeiter im Stolberger Güterbahnhof eine Weiche nicht umstellen, fährt ein Güterzug in einen Leerzug. Vier Waggons entgleisen und schieben sich eineinander, zwei Mitarbeiter einer Bahngesellschaft werden leicht verletzt.

21. Februar 2017: Im niederländischen Echt nahe von Waldfeucht überquert ein 20-jähriger Radfahrer einen Bahnübergang trotz geschlossener Schranken, nachdem ein Zug vorbeigefahren ist. Er übersieht einen zweiten Zug, der ihn erfasst und tödlich verletzt.

8. Oktober 2017: In Düren rammt ein Spezialgüterzug der Rurtalbahn Cargo mit einem übergroßen Trafo als Ladung eine Straßenbrücke. Der Schaden ist enorm: Die Brücke im Verlauf des Heerwegs wird so schwer beschädigt, dass sie später abgerissen werden muss.

22. September 2017: Offenbar in der Absicht, sich das Leben zu nehmen, springt ein Mann bei Erkelenz von einer Brücke vor den herankommenden Regionalexpress nach Aachen. Sein Körper prallt auf die Frontscheibe der Lokführerkabine, die zersplittert. Er stirbt, der Lokführer erleidet schwere Gesichtsverletzungen.

31. März 2017: In Düren wird eine Frau von einem Triebwagen der Rurtalbahn überfahren. Die 78-Jährige, die offenbar auf dem Rückweg von einem Einkauf war, wollte trotz geschlossener Schranke noch den Bahnübergang an der Rurstraße überqueren.

5. Juni 2016: Im belgischen Ort Hermalle-sous-Huy westlich von Lüttich kracht ein Intercity mit fast 100 km/h auf einen langsam vorausfahrenden Güterzug, der nach Aachen unterwegs ist. Der Lokführer des Intercity und zwei Reisende sterben, neun Menschen werden verletzt. Kurz vor dem Unglück war ein Blitz in die Bahnanlagen eingeschlagen und hatte Signalstörungen verursacht. König Philippe und Premierminister Charles Michel besuchen die Unglücksstelle. Acht Jahre zuvor war es am selben Ort zu einem ganz ähnlichen Unglück gekommen (siehe unten).

Lichterloh in Flammen stand dieser Triebwagenzug der DB Regio NRW im Juni 2012 zwischen Stolberg und Aachen. Der Schaden ging in die Millionen, die Fahrgäste konnten sich retten. Foto: Ralf Roeger/dpa

19. Januar 2016: Zwei Männer gehen untergehakt auf den Gleisen am Bahnhübergang Tivolistraße in Düren. Der Lokführer eines Triebwagens der Rurtalbahn kann trotz Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig stoppen. Beide Männer werden erfasst und mitgerissen, sie sind sofort tot. Wie sich herausstellt, waren sie stark angetrunken.

12. Dezember 2014: An einem Bahnübergang in Geilenkirchen erfasst ein Regionalexpress ein Auto. Der junge Fahrer kann sich noch rechtzeitig retten. Sein Sportwagen wegen zu hoher Geschwindigkeit aus einer Kurve getragen worden um im Gleisbett gelandet.

14. August 2014: In Alsdorf will ein Mann unter den Schranken eines Bahnübergangs an der Bahnhofsstraße hindurchsteigen, um offenbar seine Einkäufe nach Hause zu bringen. Ein Zug der Euregiobahn erfasst ihn, er wird lebensgefährlich verletzt.

Was zuerst wie ein Unfall aussah, entpuppte sich als Mord: Ein 38-jähriger Mann stieß am 27. Dezember 2007 eine 38-jährige Frau im Aachener Westbahnhof vor einen Zug. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dpa

11. Juli 2014: Auf einem Bahnübergang in Maastricht bleibt ein Straßenbagger mit Motorschaden liegen. Ein Zug trifft ihn und entgleist. Etliche Studenten der Uni Maastricht kommen wegen des Unglücks zu spät zu ihren Prüfungen.

18. Juni 2014: Ungebremst fährt ein 75-jähriger Autofahrer in Jülich mit seinem Wagen über einen Bahnübergang, obwohl die Halbschranken heruntergelassen waren. Ein Triebwagen der Rurtalbahn erfasst das Auto, der Rentner überlebt mit schweren Verletzungen.

1. Oktober 2013: Dramatische Sekunden auf dem Gulptalviadukt im belgischen Remersdael westlich des Rangierbahnhofs Montzen, rund 20 Kilometer von Aachen entfernt. Der Lokführer eines Güterzuges aus Autotransportwaggons leitet eine Vollbremsung ein, weil vor ihm ein Zug steht. Die drei ersten Waggons entgleisen auf der Brücke und stürzen mitsamt den geladenen Neuwagen rund 25 Meter in die Tiefe. Die Lokomotive bleibt stehen, der Lokführer erleidet einen Schock.

Im September 2006 prallte im Stolberger Hauptbahnhof ein Arbeitszug gegen einen einfahrenden Güterzug. Dessen Lok sprang aus den Schienen, kippte aus dem Gleisbett - und blieb dann stehen, ohne umzustürzen. Foto: Jürgen Lange

15. April 2013: Feuer im Triebkopf eines ICE zwischen Köln und Aachen. Der Zug stoppt im Bahnhof Düren, 200 gestrandete Reisende müssen mit Regionalzügen und Bussen weiterfahren.

25. Juni 2012: In einem Talent-Triebzug der DB Regio NRW kommt es während der Fahrt zwischen Eilendorf und Aachen-Rothe Erde zu einem Brand. Die Lokführerin bringt den Zug auf offener Strecke zum Stehen, der vordere Zugteil brennt völlig aus. Die Passagiere helfen sich gegenseitig beim Verlassen des Zuges, niemand kommt zu Schaden. Der Sachschaden beträgt rund zwei Millionen Euro. Ursache ist ein technischer Defekt.

28. November 2011: In der belgischen Stadt Pepinster, rund 35 Kilometer südwestlich von Aachen, springt der Intercity Eupen-Ostende aus dem Gleis und prallt gegen einen Güterzug. Neun Menschen werden verletzt. An der Strecke waren zum Unfallzeitpunkt Bauarbeiten im Gange.

08. Oktober 2003: Im Bahnhof von Düren bricht ein Kohlezug mit zwei Diesellokomotiven durch einen Prellbock, die Loks und zwei Güterwagen stürzen eine Böschung hinunter. Der Schaden geht in die Hunderttausende, der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Aachen und Köln wird tagelang behindert. Foto: Walter Schmühl

13. Oktober 2011: Die Lokomotive eines Personenzuges entgleist im Aachener Hauptbahnhof und streift einen Güterzug. Der Lokführer erleidet einen leichten Schock, der Bahnverkehr muss zeitweilig über ein einziges Gleis geleitet werden.

3. Juli 2008: Im belgischen Hermalle-sous-Huy, dem Ort des Unglücks mit drei Toten von 2016, prallt ein Triebwagen auf einen wartenden Güterzug. 64 Menschen werden verletzt, zwei davon schwer. Ursachen des Unfalls sind eine Signalstörung und ein Fehler eines Lokführers.

26. September 2008: Unglaubliches Glück hat die 19-jährige Lieferantin eines Pizzadienstes in Geilenkirchen-Süggerath: Ihr Opel wird auf einem Bahnübergang von einem Zug erfassst und aufs Gegengleis geschleudert. Die Frau kommt mit einem gewaltigen Schrecken davon, der Zugverkehr zwischen Aachen und Mönchengladbach bleibt stundenlang gestört.

27. Dezember 2007: Was wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich als heimtückischer Mord: Ein 35-jähriger Informatiker aus Aachen stößt eine Freundin seiner Lebensgefährtin im Westbahnhof vor einen einlaufenden Regionalzug. Die 38-Jährige ist sofort tot. Der Mann wird später wegen Mordes zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte die Frau dafür verantwortlich gemacht, dass seine Freundin sich von ihm getrennt hatte.

17. April 2007: Völlig zerfetzt wird ein Wohnmobil auf dem Bahnübergang Frelenberg in Übach-Palenberg. Der Fahrer war unabsichtlich zwischen die sich senkenden Schranken geraten. Er kann sich retten, doch ein Güterzug zerstört sein Fahrzeug restlos.

25. September 2006: Im Stolberger Hauptbahnhof wird ein einfahrender Güterzug seitlich von einem Arbeitszug gerammt. Die Güterzuglok und der erste Waggon springen aus den Schienen. Der Lokführer kann unversehrt aus seiner Kabine klettern.

26. Juni 2006: Ein Personenzug aus Kerkrade stößt im Bahnhof von Maastricht mit langsamer Fahrt auf einen stehenden Zug. 41 Menschen werden verletzt, darunter der Lokführer.

3. August 2004: Feuer auf einem Autozug von Aachen nach Warschau. Eine heißgelaufene Bremse löst einen Brand aus, zwei Neuwagen brennen lichterloh. Der 600 Meter lange Zug kommt im Bahnhof Erkelenz zum Stehen.

15. März 2004: Im Aachener Westbahnhof stehen abends zwei ausgemusterte Bahnwaggons in Flammen. Während der Löscharbeiten muss der Zugverkehr zwischen Aachen und Mönchengladbach pausieren, Anwohner klagen über Brandgestank.

2. März 2004: Ein leerer Erzzug der Rurtalbahn gerät im Bahnhof Stolberg-Altstadt irrtümlich auf ein Rangiergleis und bricht durch einen Prellbock. Die Schäden bleiben gering, ein Spezialkran aus Bonn hievt die 87 Tonnen schwere Lok später wieder auf die Gleise.

6. Februar 2004: Eine Autofahrerin will einen Bahnübergang bei Herrath in der Nähe des Erkelenzer Bahnhofs trotz heruntergelassenen Halbschranken überqueren. Ein Treibwagen erfasst ihren Wagen und schleift ihn rund 150 Meter mit. Die Frau kann nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden. Der 51-jährige Lokführer erleidet einen Schock.

8. Oktober 2003: Im Bahnhof von Düren bricht ein ferngesteuerter Kohlezug mit zwei Diesellokomotiven beim Rangieren durch einen Prellbock, die Loks und zwei Güterwagen stürzen eine Böschung hinunter. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Weil Stellwerkskabel durchtrennt wurden, ist der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Aachen und Köln tagelang behindert.

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