DGB-Ausbildungsreport: Zufriedenheit der Azubis in NRW sinkt auf einen Tiefpunkt

DGB-Ausbildungsreport : Zufriedenheit der Azubis in NRW sinkt auf einen Tiefpunkt

Eigentlich sollten Azubis in Zeiten des Fachkräftemangels gehegt und gepflegt werden. Die meisten Betriebe sind sich dessen auch bewusst. Dennoch ist die allgemeine Zufriedenheit der Azubis in NRW auf einen Tiefstand gesunken.

Die Zufriedenheit der nordrhein-westfälischen Auszubildenden mit ihrer Lehre ist laut einer Gewerkschaftsbefragung auf den schlechtesten Wert seit zwölf Jahren gesunken. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2019 hervor, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Mittwoch in Düsseldorf vorstellte.

Demnach äußerten sich zwar weiterhin gut zwei Drittel der über 5000 befragten Azubis in NRW insgesamt zufrieden über die Qualität ihrer Ausbildung. Mit 67,9 Prozent sei allerdings die schlechteste Zufriedenheitsquote seit Beginn der Erhebungen vor zwölf Jahren erreicht worden, sagte der Jugend-Gewerkschaftssekretär des DGB NRW, Eric Schley. Seit 2016 sei die Quote von damals noch 71,7 Prozent beständig gesunken.

Azubi-Mangel: Auffällig sei, dass die meisten Azubiplätze genau in den Branchen unbesetzt blieben, die seit Jahren die schlechtesten Ausbildungsbedingungen lieferten, betonte DGB-Landeschefin Anja Weber. „Der so häufig beklagte Fachkräftemangel in diesen Branchen ist hausgemacht, und es braucht umfangreiche Anstrengungen der Arbeitgeber.“ Der Verband Unternehmer NRW wertete den Report hingegen als „großes Kompliment für die hochwertige Ausbildung und das Engagement der Unternehmen für die Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses“.

Flop: Am unteren Ende der Azubi-Bewertungsskala rangierten, wie schon in den Vorjahren, die Ausbildungen für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk - etwa in Bäckereien - für Hotelfachkräfte und Friseure. Genau diese Berufe gehörten - ebenso wie Köche, medizinische Assistenten und diverse kaufmännische Branchen - zu den zehn Berufen, in denen die meisten Stellen offen blieben, berichtete Schley.

Top: Die besten Noten erteilten die Azubis für die Ausbildung zur Verwaltungsfachkraft, gefolgt von der Lehre für Bank- und Industriekaufleute.

Regionen: Das Lehrstellenangebot sei regional extrem unterschiedlich, stellte Weber fest: „In Siegen ist das Potenzial an verfügbaren Plätzen doppelt so hoch wie in Gelsenkirchen.“ Generell sei zu beklagen: „Nur rund ein Fünftel der Betriebe in NRW bildet überhaupt aus.“

Auswahl: Zum Ende des Berichtsjahres hatten die Arbeitsagenturen in NRW laut DGB nur noch 10 000 freie Azubi-Plätze für knapp 21 000 Bewerber. Auch die Unternehmer werteten das als „deutliches Warnsignal“. Faktisch sei der Mangel noch viel größer, da es nur in 5 von 30 Arbeitsagenturen genügend Auswahl gebe, bemängelte DGB-Chefin Weber. Dafür habe das Bundesarbeitsgericht die Formel definiert: 112,5 Ausbildungsangebote für 100 Bewerber. Dies erfüllten in NRW aber nur die Bezirke Ahlen (128), Coesfeld (122), Köln (130), Meschede/Soest (123) und Siegen (153).

Abbruch-Quoten: Dort, wo am schlechtesten bezahlt und betreut wird oder Überstunden nicht ausgeglichen werden, werfen Azubis laut DGB auch am häufigsten die Flinte ins Korn. Bei Friseuren, Köchen, Malern und Lackierern breche etwa jede oder jeder Zweite die Lehre ab, berichtete Schley. Branchenübergreifend mache das im Durchschnitt nur jeder Vierte.

Bezahlung: Das Tarifregister NRW weist bei den Ausbildungsvergütungen enorme Spannbreiten auf. Während bei Friseuren und im privaten Omnibusgewerbe im ersten Lehrjahr nur rund 540 Euro im Monat gezahlt werden, gibt es in der Chemischen Industrie und für angehendes Pflegepersonal im öffentlichen Dienst des Landes über 1000 Euro.

Ausbeutung: Eine starke Verschlechterung registriert der DGB bei Verstößen gegen den Jugendarbeitsschutz. „Obwohl es Auszubildenden unter 18 Jahren verboten ist, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, muss dies fast jeder sechste Jugendliche in dem Alter trotzdem tun“, heißt es im Ausbildungsreport. „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Anteil fast verdoppelt.“ Weber mahnte: „Azubis sind keine billigen Arbeitskräfte.“

Berufskollegs: An den Berufsschulen gibt es nach übereinstimmender Auffassung der Azubis, Gewerkschaften und Unternehmer großen Modernisierungsbedarf. Zwar gaben 56 Prozent der Azubis ihrer Schule insgesamt gute Noten, allerdings bemängelte ein gutes Drittel die schlechte technische Ausstattung. Das bestätigte auch Anne Büttner, Azubi im zweiten Lehrjahr bei einem Industriekran-Hersteller in Wetter. Praktisch gebe es keine digitale Ausbildung in der Berufsschule, kritisierte die 20-jährige Iserlohnerin. „Da wird nur Frontalunterricht gemacht.“

(dpa)