Region: Zons: Ein schönes Ziel für einen Tagesausflug

Region: Zons: Ein schönes Ziel für einen Tagesausflug

Wer sich auf den Weg an den Niederrhein nach Zons macht, der sollte ein 50-Cent-Stück bereithalten. Mit der Münze kann man die historische Windmühle an der Südwestecke der historischen Stadtbefestigung in Gang setzen.

Etwa zwei Minuten drehen sich dann die Flügel der „Holländer-Galerie-Mühle“, deren Anfangszeit bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurückreicht. Bis 1909 war sie in Betrieb, in den 1960er Jahren wurde sie restauriert.

Zons ist erstmals in einer Urkunde des Bischofs Kunibert von Köln erwähnt. Wann das genau geschah, darüber gehen die Meinungen auseinander. In einer Fassung des späten 11. Jahrhunderts jedenfalls wurde die Existenz des Ortes erstmals überliefert. Archäologische Funde des 7. Jahrhunderts deuten indes auf eine Siedlung der Merowinger im heutigen Zons hin. Bereits in einer Urkunde von 1057 schenkte Erzbischof Anno II. von Köln der Königin Richeza neben Geld auch diverse Villen im Umland von Köln. Eine dieser Villen lag in Zons. Diese Geste war eine Gegenleistung für die Königin, die an das Erzbistum Schenkungen geleistet hatte.

Das „Castrum“

Etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte die Befestigung zum „Castrum“. Entscheidend für die Entwicklung der Siedlung war die Verlegung des Rheinzolls von Neuss nach Zons: Im Jahre 1372 entschied sich der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden zu diesem Schritt. Es folgten: die Befestigung durch Mauern, das Ausheben von Gräben sowie die Stadterhebung im Jahr 1373. Den Kern der Festung bildete die stark umwehrte Burg Friedestrom. Sie diente der Verwaltung und Sicherung des Zolls und der Verwaltung des neu geschaffenen Amtes Zons. Der offensichtlich planmäßige Bau der Zollfestung mit Stadtmauer wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert vollendet.

Man könnte angesichts der vielen erhaltenen Bauten annehmen, Zons habe das Glück gehabt, von Zerstörungen durch Kriege oder Unwetter verschont geblieben zu sein. Doch drei schwere Stadtbrände in den Jahren 1464, 1547 und 1620 hinterließen ihre Spuren. Im 17. Jahrhundert erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen und demografischen Niedergang. Schuld war nicht nur der Großbrand. Zons musste sich gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges Belagerungen und schwerer Beschüsse erwehren. Hinzu kamen mehrere verheerende Pestepidemien und häufige wechselnde Besatzungen durch kölnische und französische Truppen.

Die Stadt hielt dem zeitweise zwar verlustreich, aber dennoch erfolgreich stand. Auch mit extremem Hochwasser hatten die Bewohner im Laufe der Jahrhunderte gelernt zu leben. Nach einem Rekord-Rheinhochwasser im Jahr 1926 setzte die Bevölkerung den Bau von Wasserleitungen durch. Denn das Rheinwasser hatte die Brunnen verschmutzt. Die vermeintliche Unversehrtheit macht den Charme dieses Ortes aus, das sich heute immer noch „Stadt Zons“ nennen darf, der Geschichte sei Dank.

Doch nicht immer herrscht hier Idylle. Die Autorin Catherine Shepherd (Künstlername) — wählt Zons zum Schauplatz ihrer erfolgreichen Kriminalromane. Leser sind begeistert: „Wenn Catherine Shepherd beschreibt, dass Anna die Schlossstraße hinuntergeht und sich in das kleine Café setzt, um auf ihre Freundin zu warten, oder die erste Leiche des Puzzlemörders am Krötschenturm hängt, ist man dort. Es ist, als würde man selber durch die Stadt laufen. Als Zonser oder auch Tourist, der dieses niedliche urige Städtchen besucht, ist das Buch eine Vertiefung der Stadt, gepaart mit krimineller Spannung. Neben dem Puzzlemörder hat sie auch den „Sichelmörder von Zons“ erfunden sowie weitere Krimis. Da die Autorin in der Stadt lebt, sind die Ortskenntnisse authentisch.

Die Mauer

Die nahezu rechteckig angelegte Stadt wird von einer Mauer umgeben, die sich etwa 300 Meter in Nord-Süd-Richtung und 250 Meter in West-Ost-Richtung erstreckt. Die Türme an den Eckpunkten sind jeweils anders gestaltet, weil in anderen Epochen entstanden: der rechteckige Rhein-, Zoll- oder Petersturm, der runde Krötschenturm und der Schlossturm sowie innerstädtisch an der Burgmauer der runde Juddeturm , dessen Name wohl auf das Kölner Patriziergeschlecht Judde zurück geht. Der runde Mühlenturm war ursprünglich einmal ein Wehrturm — eine andere Form der Verwirklichung des Mottos „Schwerter zu Pflugscharen“. Zwei öffentliche Tore führten in die Stadt: im Norden das Rheintor, im Westen das Feldtor. Ersteres wurde im 19. Jahrhundert zum Teil, Letzteres nahezu vollständig abgetragen. Ein drittes Außentor (Südtor), das am besten erhalten ist, bildete den Zugang vom Zwinger in die Vorburg.

Der Weg

Einen Rundweg zu empfehlen, erübrigt sich. Außerhalb der Stadtmauern befinden sich zwei große Parkplätze, von denen aus der Besucher entweder von Süden oder Norden — in der Nähe der Rheinfähre nach Düsseldorf-Urdenbach — in die Altstadt gelangt. Vom Rheintor etwa geht es über die Rheinstraße zum Schlossplatz. Hier gibt die Tourist-Info gerne weitere Tipps sowie einen Stadtplan mit den wichtigsten Stationen. Gleich gegenüber ist das Kreismuseum untergebracht.

Die Schlossstraße führt aus der Altstadt hinaus zum „Schweinebrunnen“. Mit diesem hat es eine besondere Bewandtnis: Im Jahre 1577 kam es wegen Zollstreitigkeiten zum Streit zwischen den Zonsern und dem Erzbischof Salentin von Köln. Dank ihres Amtmannes von Landen siegten die Niederrheiner und konnten 50 geraubte Schweine zurückführen. In Erinnerung daran errichteten sie einen Brunnen mit dem Sieger. Unterhalb tummeln sich ein halbes Dutzend Bronzeschweine.

Die jährlichen Märchenspiele auf der Freilichtbühne im Zwinger des ehemaligen Schlosses Friedestrom erfreuen sich überregionaler Popularität. Seit 1935 besteht die Spielstätte — sie gilt als eine der schönsten dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Im Sommer war „Frau Holle“ zu Gast. Im Dezember wird dort eine „Lebende Krippe“ gezeigt — an den Wochenenden 5. und 6. sowie 12. und 13. Dezember jeweils um 17 Uhr, sonntags auch um 15 Uhr. Neben den Menschendarstellern wirken auch Schafe und Esel mit.

Das Kreismuseum Zons, ebenfalls auf dem Gelände des Schlosses Friedestrom beheimatet, ist besonders für Kunsthandwerk bekannt. Gezeigt wird dort neben Textilkunst unter anderem die größte öffentlich zugängliche Jugendstil-Zinnsammlung Europas. Das Kreisarchiv und das Internationale Mundartarchiv Ludwig Soumagne im Schloss Friedestrom bilden zusammen mit dem Kreismuseum das Kulturzentrum des Rhein-Kreises Neuss.

Mit dem Rad oder zu Fuß

Drei Erlebnisrundwege für Fahrradfahrer und Fußgänger starten jeweils am Platz vor dem Rheintor. Diese sollen nicht allein Naturschätze vor Augen führen, sondern durch eine Vielzahl von historischen Bezügen zugleich das Verständnis der Menschen für die Entwicklung von Natur sowie Wirtschaft und Industrie im Raum Dormagen am Niederrhein stärken. „Zwischen Mittelalter und Neuzeit“ werden die drei Routen benannt. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte. Eine ausführliche Information mit Streckenbeschreibung findet man im Internet als Download auf der Seite www.lokale-allianz-dormagen.de/downloads/dormagen_radtour_final_web.pdf

Wem dies zu anstrengend oder aufwendig ist, dem empfiehlt sich nach einer Rast in einer der zahlreichen Gaststätten und Cafés ein Rundweg außerhalb des Stadtmauer von nicht einmal einer Stunde Dauer. Möglich ist auch eine Fahrt mit der Rheinfähre. Für Erwachsene kostet eine Fahrt einen Euro, für Kinder die Hälfte. Und bitte beachten: Sollten Sie ein Pferd mitführen, darf dieses erst nach dem Anlegen am anderen Ufer wieder bestiegen werden. So die Vorschrift. Das gilt auch für Drahtesel, die extra kosten.