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Warteschlangen am Flughafen: Zeugnisse und Ferienstart für 2,5 Millionen Schüler in NRW

Warteschlangen am Flughafen : Zeugnisse und Ferienstart für 2,5 Millionen Schüler in NRW

Erst gibt es Zeugnisse – und dann endlich Ferien! NRW beginnt den Reigen der Bundesländer. Mit der ersten Urlaubswelle dürfte es voll werden auf Autobahnen, Flughäfen und Bahnhöfen.

In Nordrhein-Westfalen haben mit der Zeugnisausgabe am Freitag die Ferien für 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler begonnen. Für die gut 5400 Schulen im bevölkerungsreichsten Bundesland startet der Unterricht im neuen Schuljahr 2022/23 wieder am 10. August. Rund 82.500 Jugendliche und junge Erwachsene hatten in diesem Jahr ihre Abiturprüfungen absolviert. Für einige steht an diesem Samstag noch der Abiball an – und damit der feierliche Abschluss ihrer Schullaufbahn.

Der Philologenverband appellierte an die künftige Regierung, es dürfe kein Weiter-So an den Schulen geben, viele Lehrkräfte seien im dritten Pandemiejahr ausgebrannt und müssten entlastet werden. „Damit Lehrerinnen und Lehrer sich auf ihre pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren können, benötigen wir neben mehr qualifiziertem pädagogischen und nichtpädagogischen Personal für den Start in das neue Schuljahr dringend verbindliche, klare und frühzeitige Vorgaben für einen verlässlichen Präsenzunterricht“, forderte die Verbandsvorsitzende Sabine Mistler.

Unter den Bundesländern geht NRW als erstes in die Sommerferien. In dieser Zeit bessern voraussichtlich wieder viele Jugendliche ihr Taschengeld auf. „Das ist eine gute Sache, weil junge Menschen erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und sich so vielleicht auch für einen späteren Ausbildungsberuf begeistern können“, sagte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Sie bräuchten aber einen besonderen Schutz.

So dürfen Jugendliche über 15 Jahre während der Schulferien nur an maximal 20 Tagen im Jahr jobben, pro Woche höchstens an fünf Tagen. Nachts, samstags und an Sonn- und Feiertagen ist Arbeiten für sie verboten – für bestimmte Branchen wie Gastronomie oder Landwirtschaft gelten aber Ausnahmen. Fließband- und Akkordarbeiten sind unzulässig, wie der Minister klarstellte. Der Mindestlohn von aktuell 9,83 Euro pro Stunde – ab 1. Juli 2022 dann 10,45 Euro – gelte nicht für minderjährige Ferienjobber. Die Beschäftigung von Kindern ist untersagt, allerdings gibt es auch hier Ausnahmen für Schüler über 13 Jahre. Bei Zustimmung der Eltern dürfen sie leichte Jobs wie Zeitung-Austragen oder Babysitten für bis zu zwei Stunden täglich ausüben.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es in der Bundesrepublik zurzeit 8,4 Millionen Schüler an allgemeinbildenden Schulen. Weitere zweieinhalb Millionen Menschen besuchen berufliche Schulen. Von diesen insgesamt etwa elf Millionen sind etwa zweieinhalb Millionen im einwohnerstarken NRW zu finden.

Zum ersten Ferien-Wochenende dürfte es auf den Autobahnen in NRW wieder eng werden. Der ADAC erwartet Staus und stockenden Verkehr. Mit einem „Stau-Chaos“ rechnet der Verkehrsclub aber nicht – der Reiseverkehr werde sich über die gesamten Ferien verteilen. Am höchsten sei die Stau-Gefahr dann jeweils freitags zwischen 14 und 20 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr. Geduld bräuchten Autofahrer besonders auf den Strecken in Richtung Nord- und Ostseeküste, in die Niederlande und auf dem Weg in den Süden.

Auch viele Züge dürften in den Ferien voll werden. Zahlreiche Reisende werden das 9-Euro-Ticket für die Urlaubsanreise oder Tagesausflüge nutzen. Auf einigen Strecken kann es nach Angaben der Deutschen Bahn wegen Baustellen zu Verspätungen und Ausfällen kommen.

Am Düsseldorfer Flughafen hat es bereits am Vormittag des letzten Schultages lange Wartezeiten für Reisende gegeben. Bei der Gepäckaufgabe und vor allem an den Sicherheitskontrollen bildeten sich lange Schlangen. Viele Urlauber waren nach eigenen Angaben schon mehrere Stunden vor dem geplanten Abflug gekommen, um rechtzeitig am Gate zu sein.

„Wir fliegen um 13 Uhr, sind aber schon um 9 Uhr hergekommen“, sagte etwa ein Passagier, der mit seiner Frau nach Fuerteventura fliegen wollte. Seit über einer Stunde warte er bereits darauf, die Koffer abgeben zu können. Er sei aber noch entspannt. Auch eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit Ziel Mallorca ist vorsichtshalber schon drei Stunden früher zum Flughafen gefahren, wie der Vater sagte.

„Heute haben wir eine neue extreme Situation, weil es sich bereits mittags staut – und das wo die meisten Kinder noch gar nicht aus der Schule sind“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Er rechne damit, dass es am Nachmittag noch deutlich voller wird.

Nordrhein-Westfalens größter Flughafen erwartet allein am ersten Ferienwochenende mehr als 200.000 Passagiere. Wegen Personalmangels unter anderem bei der Abfertigung und den Sicherheitskontrollen dürften die Sommerferien zur Belastungsprobe für die Flughäfen werden.

(dpa)