Aachen: „Zensus 2011”: 480 Volkszähler besuchen 40.000 Bürger

Aachen: „Zensus 2011”: 480 Volkszähler besuchen 40.000 Bürger

Dieser Teil der Aachener Stadtverwaltung ist nicht offen und schon gar nicht gläsern. Im Gegenteil: In der Erhebungsstelle für den Zensus 2011 - also die bevorstehende Volkszählung - in der Habsburgerallee gilt das Prinzip der verschlossenen Tür.

Man muss klingeln, wenn man hinein will, und dann wird man abgeholt und begleitet. Der Grund: Ab dem 9. Mai werden dort die Daten der Bürger aufbewahrt, die in der Städteregion „gezählt” werden. Und da soll sich kein Unbefugter bedienen können. Um die Datenberge zusammenzutragen, schwärmen ab dem besagten Stichtag und bis voraussichtlich Ende Juli rund 480 Volkszähler in der Städteregion aus. Sie befragen etwa 40.000 Bürgerinnen und Bürger und stellen jedem von ihnen 46 Fragen - über ihr Leben, Wohnen, Arbeiten, über ihre Bildung und einen möglichen Migrationshintergrund.

Daten werden „aufgefrischt”

40.000 Befragte, das sind nur knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung in der Städteregion, womit auch schon der größte Unterschied zur letzten Volkszählung von 1987 benannt ist. Denn während damals alle Bundesdeutschen interviewt wurden, handelt es sich diesmal um eine sogenannte weitgehend registergestützte Erhebung. Das heißt, dass die bereits vorhandenen Daten durch eine Haushaltsbefragung auf Stichprobenbasis „aufgefrischt” werden, um aktuelle Erkenntnisse über Bevölkerungszahlen, demografische Struktur, Wohn- und Lebensverhältnisse der Deutschen zu erhalten. Wo müssen Schulen gebaut werden? Wo leben besonders viele alte Menschen? Wo stehen viele Wohnungen leer? Um Antworten auf solche Fragen geht es beim Zensus, zu dem auch eine postalische Befragung aller Hausbesitzer gehört. „Diese Daten sind eine wichtige Grundlage für zukünftige politische Entscheidungen”, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt.

Ein großer Unterschied zur letzten Volkszählung ist auch, dass es bislang kaum Proteste gibt. „Uns haben einzelne Rückfragen erreicht, aber keine großen Beschwerden”, sagt Michael Riese, der Leiter der Aachener Erhebungsstelle. Riese betont, dass man auf den Datenschutz größten Wert lege. „Alle Daten unterliegen der Geheimhaltung.” Ausschließlich anonymisierte Daten dürften den abgeschotteten Bereich der statistischen Ämter und Erhebungsstellen verlassen.

Auf absolute Verschwiegenheit seien deshalb sowohl die elf Mitarbeiter an der Habsburgerallee als auch die 480 „Erhebungsbeauftragten” verpflichtet worden. Dass die rechtsradikale NPD sich in NRW wie berichtet damit brüstet, eigene Anhänger als Zähler eingeschleust zu haben, hat auch Riese vernommen, kann es aber aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Grundsätzlich sei man bei der Suche nach Zählern „zunächst auf Personen zugegangen, die uns schon bekannt waren”, etwa als Wahlhelfer.

Und ohnehin kann jeder, dem die Befragung durch den Volkszähler aus welchen Gründen auch immer nicht passt, den Fragebogen selber ausfüllen. Das geht auf Papier und somit auf dem Postweg, das funktioniert aber auch online. Wer sich interviewen lässt, sollte dafür zwischen zehn und 30 Minuten einkalkulieren. Nur eines geht nicht: die Antwort verweigern. Bis auf eine einzige Frage zum religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis müssen alle Fragen beantwortet werden. Wessen Name vom Zufallsgenerator als zu befragender Bürger ausgespuckt worden ist, der ist gesetzlich dazu verpflichtet, mitzuwirken. Wer das nicht tut, erhält zunächst eine schriftliche Aufforderung. Danach gibt es dann per Gesetz in letzter Konsequenz auch die Möglichkeit, ein Zwangsgeld zu verhängen.

Die vom Zufall Auserwählten erhalten in Kürze Post. Denn der Volkszähler klingelt nicht einfach so unangemeldet an der Tür, sondern kündigt seinen Besuchstermin per Brief an. Ab dem 2. Mai gehen die Schreiben heraus. Außerdem müssen und können sich die Erhebungsbeauftragten ausweisen - mit einem eigens für die Volkszählung hergestellten Ausweis, der nur im Zusammenhang mit dem Personalausweis gilt.

Dass so viel Aufwand viel Geld kostet, ist klar - und das nicht nur, weil die Volkszähler pro ausgefülltem Fragebogen 7,50 Euro Aufwandsentschädigung erhalten. Insgesamt hat Riese einen Etat von 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Die sollen zum großen Teil von Land und Bund erstattet werden, geklärt ist das noch nicht. Vielleicht braucht man das Geld auch nicht ganz. „Wir sind bemüht, die Kosten niedrig zu halten.”


In den kommenden Wochen erhält jeder Eigentümer eines Hause oder einer Wohnung Post. Inhalt: Ein Fragebogen mit sechs grundsätzlichen Fragen und neun konkreten Fragen zu jeder einzelnen Wohnung.

Einfamilienhausbesitzer müssen demnach 15 Fragen beantworten, und auch hier besteht eine Auskunftspflicht. Gefragt wird nach Baujahr, Größe und Ausstattung der Immobilie, aber auch nach der Nutzungsart, beispielsweise ob das Haus oder die Wohnung vermietet sind.

Der Staat will auf diesem Wege aktuelle und umfassende Daten zur Wohn- und Wohnungssituation wie etwa durchschnittliche Wohnraumgröße, Leerstands- oder Eigentümerquote in Deutschland erhalten.

Wer Fragen hat, kann sich direkt an die Erhebungsstelle für die Städteregion in der Habsburgerallee 11 in Aachen wenden. Ab dem 9. Mai richtet sie verlängerte Öffnungszeiten ein: montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr.

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