Globaler Aktionstag in 500 Städten: Zehntausende in NRW für Klimaschutz auf den Beinen

Globaler Aktionstag in 500 Städten : Zehntausende in NRW für Klimaschutz auf den Beinen

Mit einem globalen Aktionstag wollen Klimaschützer Druck machen vor der Weltklimakonferenz ab Montag in Madrid. In Aachen ging die „Fridays for Future“-Demo um 12 Uhr los.

In Nordrhein-Westfalen verlangten viele Gruppen von “Fridays for Future“ (FfF) auch eine komplette Überarbeitung des Klimapakets der Bundesregierung, das völlig unzureichend sei.

In Aachen ging es gegen 12 Uhr am Willy-Brand-Platz auf der Einkaufsstraße los. Die Polizei schätzte, dass sich dort etwa 600 Menschen an der Protestaktion zum „Black Friday“ beteiligt hatten. Die Teilnehmer sangen Lieder und tanzten. Ab 13 Uhr versammelten sich die Demonstranten am Elisenbrunnen. Dort fand zunächst eine Kundgebung statt, bevor sich der Demonstrationszug gegen 14 Uhr in Bewegung setzte und durch die Stadt zog.

Sprecher Sebastian Schick schilderte, es seien viele Einzelaktionen in der Stadt angelaufen – darunter auch eine Protest-Fahrradtour und eine Veranstaltung gegen Überkonsum. Am Abend werde es eine Tanzdemo geben. „Wir gehen für jede Aktion von bis zu 1000 Teilnehmern aus.“

In Düren folgten rund 250 Demonstranten dem Aufruf und zogen durch die Innenstadt.

Demo: Fridays for Future will den Druck erhöhen

Bei der Klimademo von Fridays for Future in Köln stellten sich Karnevalsbands demonstrativ hinter den Protest. „Diese Bewegung ist seit einem knappen Jahr unterwegs - und wir befürchten, dass das auch noch ein bisschen dauern wird, bis es überall angekommen ist“, rief Sänger Bastian Campmann von der Band Kasalla. Auch Musiker anderer Kölschbands traten auf der Bühne auf - von Brings, Höhner, Bläck Fööss und Cat Ballou. Es durfte geschunkelt werden.

Laut Polizei blieb die Domstadt bei der Teilnehmerzahl aber deutlich unter den von FfF erwarteten bis zu 20.000 Personen. In Dortmund zog ein bunter Demozug quer durch die Stadt. „Wir machen Stimmung fürs Klima“, sagte Sprecher Julius Obhues. „Alle Generationen sind vertreten.“ Vorneweg fuhr ein Lkw, der zugleich als rollende Bühne genutzt wurde. Nahezu 6000 Teilnehmer habe man schon kurz nach Start des Protestmarsches gezählt.

Vor dem Düsseldorfer Landtag und in einem anschließenden Demo-Zug kamen Tausende überwiegend junge Leute, die von der Politik mehr Einsatz für den Klimaschutz verlangten. „Tempolimit 130 - gut fürs Klima“ oder „Klima-Mogelpaket“ stand auf Plakaten. FfF in Bonn meldete rund 4000 Teilnehmer bei Kundgebung und Demo-Zug. „Das kommt schon ungefähr so hin“, meinte dazu ein Polizeisprecher.

In Dortmund zog ein bunter Demozug quer durch die Stadt. Sprecher Julius Obhues sagte: „Alle Generationen sind vertreten.“ Vorneweg fuhr ein Lkw, der zugleich als rollende Bühne genutzt wurde. Nahezu 6000 Teilnehmer habe man schon kurz nach Start gezählt.

In Münster sprach die Polizei von gut 7000 Teilnehmern. Dort hatten neben den jungen Aktivisten viele Eltern - Parents for Future - zum Protest aufgerufen. Es sei keine Zeit mehr zu verlieren auch in den Städten, die für 80 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich seien, betonten die Teilnehmer.

In Essen beteiligten sich nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern rund 4000 Menschen an der Demonstration, die einmal um die ganze Innenstadt herum lief.

In Bochum gingen laut Veranstalter 1600 Menschen fürs Klima auf die Straße.

Vierte Auflage des weltweiten Protesttags

Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September starten die Aktivisten nun die vierte Auflage ihres weltweit koordinierten Protests. Die Sprecherin der deutschen Bewegung, Luisa Neubauer, nannte die Aktionen einen Ausruf der Entrüstung. „Das politische Versagen ist dramatisch“, sagte sie der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Freitag).

Für Deutschland fordert Fridays for Future unter anderem, unverzüglich alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu streichen sowie ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten. Zudem müsse Deutschland bis 2035 auf eine komplett erneuerbare Energieversorgung umschwenken.

Das Thema Erderhitzung treibt derzeit auch die EU um. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat starke Anstrengungen gegen den Klimawandel versprochen. Und das EU-Parlament hatte am Donnerstag den „Klimanotstand“ für Europa ausgerufen. Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, als erster ganzer Kontinent überhaupt einen solchen Notstand zu erklären. Das soll nach Wunsch der Abgeordneten die Dringlichkeit des Themas zeigen - konkrete Folgen hat der Schritt aber vorerst nicht.

Fridays for Future reichte das nicht. „Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch „Es brennt!“ schreit, statt zu löschen“, schrieb die Gruppe auf dem deutschen Twitter-Account. In Deutschland richtet sich ihre Kritik vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung. „Mit business as usual und viel Pillepalle sind diese Maßnahmen nur eine weitere Folge in der Reihe des klimapolitischen Versagens der GroKo“, erklärte das Netzwerk.

Die Klimaproteste gehen auf einen Protest der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich viele Menschen in aller Welt im Kampf gegen die Klimakrise zum Vorbild genommen haben. Thunberg selbst wird den Protesttag an einem ungewohnten Ort verbringen: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem großen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar. Bis zum Donnerstag hatte sie etwas mehr als zwei Drittel der Strecke geschafft.

Thunberg warb am Donnerstag via Twitter für den Protesttag: „Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Straße gegangen. Morgen machen wir das nochmal.“ Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen.

Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen auf die Dringlichkeit eines entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das UN-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten. Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen.

Ein neuer Monitoringbericht der Bundesregierung zeigte zudem, dass die Folgen der Erwärmung auch in Deutschland spürbarer werden und sich immer besser belegen lassen. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Dadurch kommt es unter anderem zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Fridays for Future“-Proteste für das Klima auch in Aachen

(dpa/red)