Kerkrade: Zehn Jahre Gaiazoo: Harmonie für Mensch, Tier und Natur

Kerkrade: Zehn Jahre Gaiazoo: Harmonie für Mensch, Tier und Natur

Harmonie zwischen Mensch, Tier und Natur — so lässt sich seit zehn Jahren das Motto des Gaiazoos in Kerkrade beschreiben. Der Zoo, in dem die Tiere in möglichst natürlicher Umgebung leben, feiert am Montag Jubiläum.

Zum Geburtstag schenkt der Zoo sich und seinen Besuchern das neue Tapir-Terrarium in der Regenwald-Welt: ein Haus für exotische Tiere, dessen größte Attraktion die größte Schlange der Welt ist: die grüne Anaconda. Aber auch ein Tapir, Blattschneiderameisen, verschiedene Arten von Giftfröschen und Vogelspinnen sind ab Montag dort zu bestaunen. Doch diese Exoten sind längst nicht alles, was im Jubiläumsjahr an neuen Tieren in den Zoo eingezogen ist. Hinzu kamen der Darwin Nandu, das Shetlandpony sowie das Hartmann Bergzebra. Außerdem wurde in diesem Jahr schon ein neues Gehege für die Riesenameisenbären eröffnet. Daneben leben gleich die Wasserschweine.

Groß und klein: Die Aufzucht junger Tiere im Rahmen des Europäischen Zuchtprogramms ist wichtiger Bestandteil des Zoos. Foto: Gaiazoo

Bewahrung der Authentizität von Tier und Natur — diese leitende Idee ist seit der Eröffnung die Grundlage des Gaiazoos. Ziel des Zoos gestern wie heute ist die Wertschätzung der Natur in all ihren Erscheinungsformen. Die Grundfläche ist dabei die selbe wie 2005 geblieben — erweitert wurde das Angebot an Tieren nur durch das stetige Füllen der vorhandenen Fläche.

„Nichts erzwingen“

Um alles so natürlich wie möglich zu gestalten, werden in den einzelnen Gehegen Tierarten kombiniert, die auch in der Natur gemeinsam leben: die Giraffe teilt sich ihr Gehege zum Beispiel mit der Antilope. „Wir verstehen den Gang durch den Zoo wie eine Wanderung durch die Natur — wenn man Glück hat, sieht man Tiere, aber wir wollen nichts erzwingen“ sagt Rob Huppertz, Manager des Gaiazoos. Die Tiere sollen hier nicht auf die Besucher fixiert sein, sondern sich ganz natürlich verhalten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Trotzdem hat der Besucher oft das Glück, vielen Tieren ganz nah zu sein: In einem Kletterpark turnen die kleinen Totenkopfaffen zum Beispiel direkt vor den Besuchern herum, während ein paar Meter weiter Straußenvögel den Weg kreuzen. Überall dort, wo auf Zäune und Gitter verzichtet werden kann, wird dies getan. Das Gorillagehege ist zum Beispiel von einem Wassergraben umgeben, weil Gorillas sich vor Wasser fürchten und damit gesichert ist, dass sie ihr Gehege nicht verlassen.

Auch ein Bildungsauftrag

Seit zehn Jahren verfolgt der Gaiazoo das Naturkonzept so konsequent wie möglich. Dazu gehört auch, dass Jungtiere, die von ihrer Mutter nicht angenommen werden und deshalb nicht lebensfähig sind, nicht von Pflegern mit der Flasche aufgezogen werden. Ein Phänomen, wie man es mit dem Eisbären Knut im Zoologischen Garten Berlins erlebte, wäre im Gaiazoo nicht denkbar. „Wir unterstützen die Tiere zwar, übernehmen aber nicht die Rolle der Mutter. Auch in der Natur kommen schwache Tiere manchmal nicht durch“, sagt Huppertz. Und so kommt es, dass im Gaiazoo auch mal Jungtiere sterben. Mit Tierschützern führt das regelmäßig zu Diskussionen, die Huppertz jedoch als bereichernd empfindet.

Auch einen Bildungsauftrag verfolgt der Gaiazoo: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Tiere in unserer Heimat leben können, die hier eigentlich gar nicht hingehören“, sagt Huppertz. In diesem Rahmen ist zum Beispiel das Vogelhaus entstanden, eine riesige Voliere, in der unter anderem kunterbunte Sittiche herumfliegen.

Der Name des Zoos kommt nicht von ungefähr: Gaia ist der Name der griechischen Göttin der Erde. Außerdem spielt er auf die „Gaia-theorie“ an, die angelehnt an Charles Darwins Evolutionstheorie entstanden ist und besagt, dass sich die Welt in ständigem Wandel befindet und immer neue Lebensformen entstehen. „Um diesen Wandel spielerisch erfahrbar zu machen, haben wir für Kinder das Dinodom mit Dinosaurierreplikaten als Spielelemente gebaut“, sagt Huppertz.

Der Weg durch den Zoo führt durch vier verschiedene Klimawelten mit den entsprechenden Tierarten: Wölfe, Luchse und Otter leben in „Limburg“. Gorillas, Rhinozerosse, das Vogelhaus und das neugestaltete Tapir-Terrarium befinden sich im „Regenwald“. Giraffen, Nashörner, Löwen und Pumas leben in der „Savanne“, Greifvögel in der „Taiga“.

Optisch wird die Heimat der einzelnen Tiere nicht nachgeahmt. Zwar gibt es auch exotische Pflanzen, aber nur, wenn diese die Bedingungen vorfinden, die sie brauchen, um hier leben zu können. Auch die Tiere werden nicht nach ihrem „Attraktionswert“ ausgewählt. Elefanten, Eisbären oder Pinguine sind deshalb im Gaiazoo nicht zu finden — auch wenn Gäste häufig danach fragen. Doch oft sind gerade die beliebtesten Tiere nicht die interessantesten, sagt Rob Huppertz: „Löwen schlafen täglich 18 Stunden, Erdmännchen und Waschbären hingegen sind ständig aktiv und immer eine Attraktion.“

Der Zoodirektor sieht seinen GaiaZoo auch als Ort der Ruhe und Entschleunigung. Viele Menschen kommen hierher, um zu entspannen. Sie gehen spazieren, genießen die Natur und erfreuen sich am Anblick der Tiere. „Der Gaiazoo ist eben eine Welt für sich“, sagt Rob Huppertz. Darauf ist er besonders stolz, und das kann er auch sein.

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