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Um mindestens drei Monate: Zahlungsaufschub für Verbraucher verlängern

Um mindestens drei Monate : Zahlungsaufschub für Verbraucher verlängern

Der Zahlungsaufschub für in der Corona-Krise in Not geratene Verbraucher sollte dringend verlängert werden, meinen Verbraucherschützer. Andernfalls drohten massive Probleme.

Das Recht auf Zahlungsaufschub in der Coronavirus-Krise sollte dringend um mindestens drei Monate verlängert werden. Das hat die Verbraucherzentrale NRW am Donnerstag gefordert. „Das dicke Ende droht, wenn ab dem 1. Juli bei den Ausgaben der Alltag wieder einkehrt, aber die Einnahmen noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht haben“, sagte der Chef der Verbraucherzentrale NRW, Wolfgang Schuldzinski.

„Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust, der weggefallene Minijob – in vielen Haushalten sind die Budgets jetzt auf Kante genäht“, sagte der Verbraucherschützer. Die Verunsicherung und die finanzielle Not vieler Menschen seien groß.

Derzeit müssen Banken Verbrauchern, die wegen der Krise in Not geraten sind, die Zahlung von Zins, Tilgung oder Rückzahlung von Konsumenten- und Immobilienkrediten für drei Monate stunden. Ebenso darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie wegen der Corona-Krise die Miete nicht zahlen können. Auch für Telefon, Strom und Gas ist ein Zahlungsaufschub möglich - falls die Betroffenen durch die Pandemie Einnahmeausfälle haben, die so groß sind, dass ihr Lebensunterhalt gefährdet ist. Das gilt bislang für drei Monate von 1. April bis 30. Juni.

Die Verbraucherschützer sprachen sich am Donnerstag erneut dagegen aus, Verbraucher für ausgefallene Veranstaltungen mit Gutscheinen abzuspeisen. Dies widerspreche geltendem Verbraucherrecht. Die Liquiditätsprobleme von Konzertveranstaltern dürften nicht auf dem Rücken von Verbrauchern gelöst werden.

In ihrem Jahresbericht nannte die Verbraucherzentrale Fälle von erfolgreicher Verbraucherberatung. So konnten in Einzelfällen Forderungen um bis zu 15 000 Euro reduziert werden. In Wesel und Kamen hätten Eltern Rat gesucht, deren minderjährige Kinder bei sogenannten In-Game-Käufen Kosten von über 4000 Euro verursacht hätten.

In Leverkusen seien einem Paar beim Abschluss eines Handyvertrags zehn zusätzliche Verträge untergeschoben worden, die jährlich mit 7000 Euro zu Buche geschlagen hätten. In Wuppertal habe sich ein Rentner im Handyshop nur eine Funktion am Smartphone erklären lassen wollen - und sei mit acht neuen Telefonverträgen und monatlichen Mehrkosten von über 500 Euro wieder gegangen.

Dauerbrenner im Verbraucherschutz seien außerdem Airlines, die bei Verspätungen Reisenden systematisch die zustehenden Entschädigungen verweigerten sowie Energieversorger, die Kunden mit unzulässigen Preiserhöhungen überrumpelten.

Die Verbraucherzentrale NRW sei im vergangenen Jahr Anlaufstelle bei mehr als 335 000 Verbraucheranliegen gewesen. In den 61 Beratungsstellen seien 119 000 Beratungen erfolgt. Über 100 000 Ratgeber seien verkauft worden, der Internetauftritt der Verbraucherzentrale habe 22 Millionen Besucher registriert.

Die Verbraucherschützer hatten eine Flugärger-App eingeführt, die Entschädigungsansprüche für Reisende prüft. Sie sei bereits 55 000 Mal heruntergeladen worden.

Ab dem 18. Mai werden die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale wieder Termine für eine persönliche Beratung vereinbaren. Sie waren wegen des Coronavirus ausgesetzt worden.

(dpa)