Bundesweiter „Seebrücke“-Aktionstag: Zahlreiche Demos für Geflüchtete und Schiffbrüchige

Bundesweiter „Seebrücke“-Aktionstag : Zahlreiche Demos für Geflüchtete und Schiffbrüchige

Aus Solidarität mit den Seenotrettern im Mittelmeer haben bundesweit Tausende Menschen für die Rechte von Schiffbrüchigen und Geflüchteten demonstriert, auch in Aachen. Aufgerufen zu den Aktionen hatte die Organisation „Seebrücke“.

Besonders viele Demonstranten versammelten sich in Hamburg und Berlin: laut Polizei jeweils rund 3000. In NRW haben nach Angaben der Organisatoren am Samstag in 13 Städten mehr als 5000 Menschen für die Rechte von Schiffbrüchigen und Geflüchteten demonstriert. Zudem riefen sie den Notstand der Menschlichkeit aus.

Die größten Protestzüge gab es demnach in Bonn, Köln und Münster. In Aachen waren es mehrere Hundert Teilnehmer, die zunächst vor dem Rathaus für die Rechte geflüchteter Menschen und gegen eine Kriminalisierung privater Seenotretter demonstrierten. Anschließend zogen die Demonstranten durch die Innenstadt.

In Bonn ließen die Teilnehmer von einer Rheinbrücke aus Blumen ins Wasser fallen, um der Toten im Mittelmeer zu gedenken. Zudem werde in der Innenstadt eine blaue Plane ausgelegt mit Papierbooten, die Seenot im Mittelmeer symbolisieren sollten, sagte eine Sprecherin der Seebrücke. 700 Menschen waren demnach in Bonn zusammen gekommen. Die Polizei sprach von 540 Teilnehmern. Alles sei friedlich verlaufen, sagte ein Sprecher.

In Köln kamen nach Veranstalterangaben 500 Leute zusammen. In der Innenstadt seien Plakate gezeigt worden, auf denen die Namen der Mittelmeertoten laufend aktualisiert eingetragen wurden, wie eine Sprecherin der Seebrücke berichtete.

In Münster nannte ein Sprecher des Veranstalters am Mittag rund 800 Teilnehmer. Der Protest richtete sich auch gegen die zeitweise Inhaftierung der deutschen Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“, Carola Rackete. Sie hatte mit Schiffbrüchigen an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Regierung den Hafen von Lampedusa angesteuert. Inzwischen kam sie wieder frei.

Rund 350 Menschen demonstrierten am Samstag in der Aachener Innenstadt gegen eine Kriminalisierung privater Seenotretter im Mittelmeer und einen menschlichen Umgang mit Geflüchteten. Foto: Marc Heckert

Die „Seebrücke“ ist nach eigenen Angaben eine Bewegung, die von Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragen wird. Zu den Unterstützern gehören demnach auch Ärzte, Flüchtlingshelfer und Friedensaktivisten.

Maschinist der „Sea-Watch 3“ spricht

Nach der Kundgebung auf dem Rathausmarkt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Sören Moje, Maschinist vom Rettungsschiff „Sea-Watch 3“, forderte auf einer Kundgebung im niedersächsischen Oldenburg ein stärkeres Engagement deutscher Städte zur Aufnahme geretteter Flüchtlinge aus Seenot. Moje war erst vor wenigen Tagen aus Italien zurückgekehrt, nachdem italienische Behörden das Schiff unter dem Kommando von Kapitänin Carola Rackete festgesetzt hatten.

„Das Mittelmeer ist inzwischen die tödlichste Grenze der Welt“, sagte Moje. Besonders tragisch sei auch, dass viele Menschen schon mehrfach misslungene Fluchtversuche hinter sich hätten und anschließend in Folterlagern wie in Libyen misshandelt würden.

Die Veranstalter sprachen von rund 30.000 Teilnehmern an Kundgebungen in etwa 100 Städten im Laufe des Tages. Angaben von Polizei und Organisatoren gehen oft auseinander, so sprachen die Veranstalter für Berlin von 8000 Teilnehmern, deutlich mehr als von der Polizei gemeldet.

In Berlin wie auch in Aachen wurde ein Appell der Kapitänin Rackete über Lautsprecher übertragen. „Man kann von der Bundesregierung erwarten, dass sie mutig vorangeht und sagt: Wir nehmen jetzt bis auf weiteres alle auf, die auf dem Mittelmeer gerettet werden. (...) Das sind ein paar Hunderte oder Tausende im Moment, die da übers Mittelmeer kommen.“

Die Verantwortungslosigkeit der europäischen Staaten habe sie gezwungen, so zu handeln, wie sie es getan habe. Rackete war jüngst mit ihrem Schiff und 40 Migranten an Bord unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gefahren und daraufhin festgenommen worden. Inzwischen ist sie wieder frei.

(dpa/red)
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