Rückgang um 27 Prozent: Zahl der Straftaten mit nordafrikanischen Verdächtigen gesunken

Rückgang um 27 Prozent : Zahl der Straftaten mit nordafrikanischen Verdächtigen gesunken

Fallkonferenzen, U-Haft, Abschiebung: Seit die Behörden den Kurs gegen nordafrikanische Intensivtäter verschärft haben, ist die Zahl der Straftaten, die dieser Gruppe zugerechnet werden, deutlich rückläufig.

Die Zahl der Straftaten, die Verdächtigen aus Nordafrika zugerechnet werden, ist in Nordrhein-Westfalen deutlich gesunken. Nach fast 31.500 Delikten im Jahr 2016 seien es im vergangenen Jahr weniger als 23.000 gewesen - ein Rückgang um 27 Prozent. Das geht aus Zahlen des Landeskriminalamts NRW auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur hervor. In den Zahlen sind die ausländerrechtlichen Verstöße ausgenommen.

Mit jungen kriminellen Neuankömmlingen aus Nordafrika gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme. Die Zahl der Straftaten mit Verdächtigen aus dieser Gruppe war drastisch in die Höhe geschossen. Auch das Bundeskriminalamt hatte darauf hingewiesen, dass Zuwanderer aus den Maghrebstaaten überproportional häufig als Tatverdächtige registriert werden.

In Düsseldorf, wo Nordafrikaner für einen großen Teil der Taschendiebstähle etwa in der Altstadt verantwortlich gemacht wurden, steuern Polizei, Justiz und Ausländerbehörde
seit einiger Zeit gemeinsam gegen.

15 Intensivtäter beobachtet

Derzeit würden in der Landeshauptstadt 15 Intensivtäter aus dem Maghreb von der Polizei besonders beobachtet, sagte Dietmar Kneib, Vize-Chef der Düsseldorfer Kriminalpolizei. Sechs Intensivtäter seien bereits in ihre Herkunftsstaaten abgeschoben worden.

Das Risiko, in der Altstadt Opfer des Antanztricks zu werden, habe sich drastisch reduziert. „Bei uns sind die Zahlen sogar noch stärker rückläufig als im landesweiten Durchschnitt“, sagte Kneib. Der Trend halte auch 2018 an.

Sichtbar wurde der schärfere Kurs mit der Abschiebung des sogenannten „Königs der Taschendiebe“. „Die Szene hat das Signal verstanden“, sagte Kneib.

Es sei eine relativ kleine Gruppe, die mit einer hohen Zahl von Straftaten die Flüchtlinge, aber auch die alteingesessenen Einwanderer aus Nordafrika in Verruf gebracht hätten.

Eine ganze Weile kamen die Diebe meist straflos davon: Diebstahl ist in der Regel kein Haftgrund. Verfahren wurden eingestellt oder die Vorladungen zum Strafprozess kamen als unzustellbar zurück. Die Zahl der Straftaten, bei denen Nordafrikaner als Tatverdächtige registriert wurden, kletterte Jahr für Jahr in die Höhe.

Zwischen 2012 und 2016 hatten sich die Taten mit Verdächtigen aus den Herkunftsländern Marokko, Algerien, Libyen und Tunesien in NRW verdreifacht. In Düsseldorf hatte die Polizei in einer Analyse namens „Casablanca“ daraufhin 2244 Menschen der nordafrikanischen Diebes-Szene und ihrem Umfeld zugerechnet.

(dpa)
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