Aachen: Zahl der Magersüchtigen steigt

Aachen: Zahl der Magersüchtigen steigt

Es sind alarmierende Nachrichten, die Jahr für Jahr von Experten ausgerufen werden: Die Zahl psychisch kranker Kinder und Jugendlicher steigt stetig — auch in unserer Region. Die Wünsche nach Hilfe nehmen zu, auch die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik Aachen sei völlig ausgelastet, sagt Direktorin Beate Herpertz-Dahlmann.

„Es gibt immer mehr stationäre Aufnahmen bei uns.“ Auch die Zahl der Notfälle sei deutlich gestiegen. Und dennoch sei die gesellschaftliche Stigmatisierung bei solchen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen immer noch ein Problem. Der Aachener Förderverein „Kinderseele“ will dies ändern und informiert in seiner Veranstaltung „Gratwanderung oder Grenzverletzung“ über Internet- und Magersucht, zwei Probleme, die vor allem im Kinder- und Jugendbereich immer größer werden.

Festzumachen ist das an eindeutigen Zahlen: Es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche mit Essstörungen. Magersucht ist die dritthäufigste chronische Erkrankung und die seelische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeit, erklärt Herpertz-Dahlmann. Ähnlich steigend sind die Zahlen im Bereich der Internetsucht. Für psychisch Kranke können soziale Netzwerke und weitere Online-Angebote problematisch werden. „Oft stecken seelische Probleme dahinter, wenn junge Leute dauerhaft vor dem Computer sitzen“, weiß Herpertz-Dahlmann.

Ein großes Problem bei solchen Erkrankungen sei zudem die Suche nach der Ursache. „Die Schuld wird oft bei den Eltern gesucht“, erklärt Herpertz-Dahlmann. Das sei jedoch falsch: „Psychische Krankheiten sind ein Schicksal, das über jede Familie hereinbrechen kann.“ Sich schnell professionelle Hilfe zu suchen, sei in solchen Fällen das Wichtigste.

„Wir wollen all diese Probleme in die Öffentlichkeit tragen“, erklärt Frank Ertel, Vorsitzender des Fördervereins „Kinderseele“. Deshalb sei die Veranstaltung vor allem auch für Betroffene und Interessierte bestimmt.

(luk)