Prozess am Landgericht: Wurde der Vergewaltiger wieder rückfällig?

Prozess am Landgericht : Wurde der Vergewaltiger wieder rückfällig?

Der Verdacht ist ungeheuerlich. Ein 30-jähriger Mann, der wegen Vergewaltigung eine Gefängnisstrafe absaß, soll in seinem Hafturlaub auch seine aktuelle Freundin vergewaltigt haben. Das ist die Anklage in einem Verfahren, das am Montag am Aachener Landgericht beginnt.

Kai G. hatte Hafturlaub an jenem Wochenende gewährt bekommen. Der 30-Jährige saß eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ab. Kai G. ist vorbestraft wegen Vergewaltigung seiner ehemaligen Lebensgefährtin.

An diesem Freitag, 16. März 2018, tauchte er in Herzogenrath bei seiner aktuellen Lebensgefährtin auf. Die Frau war damals in der elften Woche schwanger von ihm, das Paar wollte ein gemeinsames Wochenende verbringen. Die Haftentlassung nahte. Es kam dann ganz anders, ein paar Stunden später eskalierte die Situation.

Der gelernte Dachdecker soll die Frau am frühen Samstagmorgen gegen 5 Uhr mit beiden Händen in Nacken gepackt, dann gewaltsam ins Schlafzimmer getragen haben. Mit einer Hand hielt er ihre Hände fest, mit der anderen Hand, zog er ihr Hose und Slip runter, so steht es in der Anklage. Die Frau leistete Gegenwehr, es nutzte ihr nichts, sie wurde ins Gesicht geschlagen, später brutal vergewaltigt. Ein paar Stunden später kehrte Kai G. wieder in die JVA Euskirchen - wie verabredet - zurück.

Seine erste Gefängnisstrafe hätte er inzwischen abgesessen, aber der 30-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft. Er ist ab Montag vor dem Aachener Landgericht wieder wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.

Schon am 19. November 2015 hatte ihn die 1. Strafkammer des Landgerichts wegen einer Vergewaltigung verurteilt. Auch damals war seine nun ehemalige Freundin das Opfer. Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn. Kai G. besuchte Mutter und Kind regelmäßig in deren Wohnung. Es gab Schwierigkeiten, Trennungen und Versöhnungen. Schließlich wurde eine weitere Tochter geboren, das eingeschaltete Jugendamt kümmerte sich um das Zusammenleben der Kleinfamilie.

Am 26. Juli 2014 kam es dann zu dem Verbrechen. Kai G. kehrte alkoholisiert von einer Feier zurück. Er übernachtete zunächst auf einer Schlafcouch, dann trat er zum Urinieren auf den Balkon. Er kehrte zur Lebensgefährtin zurück, zerriss ihr das Oberteil, schlug sie ins Gesicht, zwang sie zum Verkehr. Erst später konnte sie ins Badezimmer flüchten und von da aus mit dem Handy ihren Vater und somit auch die Polizei informieren. Im Prozess hatte sich Kai G. bei seiner Freundin öffentlich entschuldigt, trotz der Straftat waren die beiden zu der Zeit noch ein Paar. Strafmildernd wirkte sich für ihn in dem Verfahren sein Alkoholpegel bei der Tat aus.

Alkohol soll auch im aktuellen Fall eine Rolle gespielt haben. Die Verhandlung vor der 6. Großen Strafkammer beginnt an diesem Montag, der Prozess wird am 6. und 7. November in dieser Woche fortgeführt und vermutlich auch beendet. Die aktuelle Freundin tritt nicht als Nebenklägerin in dem Prozess auf. Sie ist als Zeugin an den ersten beiden Verhandlungstagen geladen. Sofern sie mit dem Angeklagten nicht verlobt sein sollte, hätte sie auch kein Zeugnisverweigerungsrecht.

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