Region: Würselener Künstler Albert Sous wird 80 Jahre alt

Region: Würselener Künstler Albert Sous wird 80 Jahre alt

So viel ist jedenfalls klar: Wo und wann gefeiert wird, das wird nicht verraten. „Wir fahren weg und sind einfach nicht da“, sagt Albert Sous — wohl, um der unvermeidlichen Gratulationscour zu entgehen. Und die bliebe garantiert nicht aus am 24. April, schließlich ist er der bekannteste Künstler unserer Region.

Und wenn Albert Sous 80 Jahre alt wird, dann gibt es unzählige Weggefährten, Freunde, Bewunderer und Sammler seiner bezaubernden Werke, die ihm Glück und Gesundheit wünschen würden.

Eines seiner bekanntesten Werke steht seit 1977 in der Aachener Adalbertstraße: der Kugelbrunnen.

Vielleicht gelingt es ihm an seinem Ehrentag ja, noch einmal seine ganze große Familie zusammenzutrommeln: Ehefrau Susi, die vier Kinder mit ihren Partnern und sechs Enkelkinder, um wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren gemeinsam eine schöne Zeit in Frankreich zu verbringen. Das war damals die Hochzeitsreise zur Goldenen 50.

Er ist Edelmetaller, Bildhauer und Goldschmied, der auf seine Weise eine fabelhafte Welt der Fantasie schafft — gespeist auch aus einem absolut zeitgemäßen Impetus, der die zunehmenden Probleme einer ressourcenverschwendenden Zivilisation nicht verkennt. Und er hat reichlich Spuren hinterlassen, auch in unserer Region — Kunstwerke, Brunnen und Denkmäler, die sich an Schwergewicht übertreffen: der Kugelbrunnen in der Adalbertstraße zum Beispiel, der sich seit 1977 weit über eine Million Mal entfaltet und wieder geschlossen hat, die Lokomotive vor dem Westbahnhof, Brunnen in Würselen, Herzogenrath, Heinsberg, Erkelenz und Esens im hohen Norden, Kirchenportale in Aachen und Bardenberg, eine Martins-Figur in Mainz, eine kantige Skulptur in Luxemburg, das Wahrzeichen des ostfriesischen Aurich stammt auch von ihm, ein 25 Meter hoher Turm — um nur einige wenige der tonnenschweren Werke zu nennen. All das gestaltet aus der scheinbar unscheinbaren Hinterlassenschaft der Industriegesellschaft, nichts als metallener Abfall, Schrott, der in Material und Form mit allen Spuren seiner Geschichte unter den Händen dieses Künstlers neue Gestalt gewinnt.

„Ich baue nur zusammen“, pflegt Sous mit gepflegtem Understatement das Prinzip seiner künstlerischen Arbeit zu beschreiben. „Es sind Buchstaben, die ich in Beziehung zueinander setze.“ So wird aus Müll das freie Spiel der Formen, die sich zu Fabeltieren, fantastischen Maschinen oder Umschreibungen antiker Geisteswelten zusammenfügen. Reisen nach Griechenland haben ihn immer wieder ganz besonders inspiriert.

Sein Weggefährte und Interpret Wolfgang Becker, der ehemalige Direktor der Neuen Galerie und des Ludwig Forums, fand die treffenden Worte: „Als Konstrukteur setzt er liebevoll Komplexe der Gegenwart und Vergangenheit wie in einem Baukasten aneinander: die Edelstahlbleche und -röhren von heute und die Weinflaschen von gestern, die zeitgenössische Hülle und den archaischen Kern.“ Dis 1980 begonnene Würselener Flaschenkuppel auf seinem „Tresor“ am Würselener Ravelsberg kennzeichnet den Sous’schen Charakter auf besondere Weise: Der überzeugte Recycler setzte bei der Realisierung des Baus gegen alle bürokratischen Widerstände aus über 20 000 Weinflaschen seine künstlerische Überzeugung durch.

Albert Sous, der Freigeist mit Biss. Hinter seiner sanften, leisen Art zu sprechen verbirgt sich eine enorme Willenskraft — die eines kritischen Bürgers, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, wenn es um Entscheidungen der Stadtoberen geht, die er als falsch empfindet.

Ob beim Abriss des Würselener Freibads, des Kaiserbads in Aachen oder angesichts der Zerstörung der Relikte einer römischen Therme in der Nähe des Elisenbrunnens — bei solchen Gelegenheiten packt Sous noch stets der glühende Groll. Und das aus reiner Liebe zur Stadt Aachen, die er eigentlich als „wunderschön“ empfindet. Wäre da nicht so manches Vorhaben von Investoren völlig verfehlt, denen seiner Ansicht nach das Feld städteplanerischer Projekte von politischer Seite allzu entgegenkommend überlassen wird. Dem hat er zuletzt eine eigene Vision entgegengesetzt: die einer orientalischen Markthalle an einem Ort in Aachen, an dem Politik und Verwaltung seit Jahrzehnten folgenlos herumdoktern: am Büchel im Herzen der Stadt.

Für diesen, wo immer noch ein hässliches, fast unerreichbares Parkhaus ein ganzes Viertel verschandelt, träumt Albert Sous von einer Glaskuppel, getragen von Vierkantsäulen, unter der sich auf 5000 Quadratmetern das wuselige Leben eines Basars abspielt. Mit duftenden Früchten, frischem Fisch, quirligen Händlern, begeisterten Touristen und der Atmosphäre südlicher Sonnenflecken. Mal ganz etwas anderes eben. Ob die Vision einmal Wirklichkeit wird — das steht in den Sternen. „Der Zuspruch der Bürger ist jedenfalls groß“, hat er immer wieder persönlich erfahren. Dagegen fühlt er sich von der Politik wie ein Störenfried behandelt — und links liegen gelassen.

Die künstlerisch mindestens ebenbürtige Seite des Bildhauers Albert Sous ist die des Goldschmieds. Unverkennbar in seiner Art vereint er in filigranen Stücken Muster und Formen antiker Vorbilder mit kompliziertester Technik, höchster Präzision und bisweilen schlichtesten Alltagsobjekten. Da findet sich am kühn geschwungenen Goldrohr auch schon mal ein gelber Tischtennisball.

Albert Sous wurde 1935 als eines von acht Kindern in Stolberg geboren. Er absolvierte eine Lehre als Kirchengoldschmied und studierte an der Werkkunstschule. Dass seine Kreativität ansteckend wirkt und er offenbar auch ganz persönlich höchste Wertschätzung genießt, spiegelt sich in der Tatsache, dass alle vier Kinder — Vera, Stefan, Susanne und Milos — gleichfalls Künstler geworden sind.