Aachen: Wolfgang Stumph: Glaubwürdigkeit ist ihm das Wichtigste

Aachen: Wolfgang Stumph: Glaubwürdigkeit ist ihm das Wichtigste

Er war Struutz, Stankoweit und Stubbe. Und nicht zufällig beginnen die Namen dieser Helden alle mit „St“. „St“ wie Stumph — Wolfgang Stumph. In jeder Figur, die er verkörpert, steckt ein Stück von ihm selbst — darauf legt er Wert. Und wenn das nicht so ist?

„Ich lehne viele Angebote ab“, sagt der Mann, der seine berufliche Laufbahn als Apparate- und Behälterbauer begann, als Student in Dresden ein Amateur-Kabarett gründete, mit 38 Jahren seine Schauspielausbildung vollendete und längst zu einem der populärsten deutschen Kabarettisten und Schauspieler avanciert ist. Und sicher sind es auch seine Glaubwürdigkeit und persönliche Integrität, denen er sein Ehrenamt als Unicef-Botschafter verdankt.

Im Rahmen einer zweistündigen Matinee im Grenzlandtheater Aachen spielte er am Sonntag gleich mehrere Rollen: als munterer Plauderer, Vorleser und witzig-bissiger Kabarettist in seinem Programm „Höchstpersönlich!“, einer Art autobiografischer Stegreifshow. Und als Unicef-Botschafter, der symbolisch einen Scheck entgegennahm: 462.000 Euro, die unsere Leser im Rahmen einer gemeinsamen Aktion von Unicef und unserer Zeitung zugunsten von Kindern im Nordirak gespendet hatten.

Reisen zu den Brennpunkten

In Äthiopien und im tiefsten Indien war er selbst unterwegs gewesen, um sich zu informieren und die Arbeit von Unicef zu unterstützen, berichtete Stumph im Anschluss an seine Solovorstellung im Gespräch mit Bernd Mathieu, dem Chefredakteur unserer Zeitung. „Solidarität zur Selbsthilfe“, vor allem mit Bildungsprogrammen, das sei genau der richtige Weg, um den Menschen zu helfen. Mit dieser Erfahrung ist er von seinen Reisen zu den Brennpunkten der Welt heimgekehrt. „Wenn man zurückkommt, schämt man sich, wenn man hört, wie man hier jammert“, sagte er.

Wie weniger Mittel es tatsächlich bedarf, um das Leben eines Menschen in Städten wie Mossul zu retten, das erklärte Journalist Manfred Kutsch, der mit seiner Frau Silke bereits 25 Unicef-Projektreisen unternommen hat, um den Menschen hierzulande — zumal unseren Lesern — „das Unvorstellbare vorstellbar zu machen“: Schon 30 Euro reichten nach seinen Worten, um das Schicksal jenes sterbenselenden Mädchens namens Maria mit einer medizinischen Therapie ins Gegenteil zu wenden.

Kutschs frappierender Vergleich mag erschüttern: Im Südsudan, wo ihn die aktuelle Projektreise hinführte, herrscht offiziell eine Hungersnot, wenn von 10.000 Menschen pro Tag zwei sterben. „In Aachen wären das 350 am Tag.“ Angesichts dieser prekären Vorstellung kaum ein Trost, aber doch ganz sicher eine bedeutende Hilfe für zahlreiche Menschen: Aktuell haben unsere Leser bereits 205.000 Euro für Kinder im Südsudan gespendet!

Vergnüglich und in beinahe familiärer Atmosphäre — so hatte der Vormittag im Grenzlandtheater begonnen, das Hausherr Uwe Brandt für die Matinee zur Verfügung gestellt hatte. Ausgerechnet im „Rotlichtmilieu von Paris“, stellte er amüsiert fest, werde der Gast aus Dresden seinen Auftritt haben — in den Kulissen des Musicals „Irma la Douce“, das gerade erst seine Premiere feierte.

Indessen: Stumph fühlte sich offensichtlich auf Anhieb wohl in der kuscheligen Nähe zum Publikum — Ehefrau Christine saß in der ersten Reihe — und ging sogleich im Dialog auf Tuchfühlung zu einzelnen Zuschauern. Ein „Selbstgespräch über mein Leben“ nannte er trotzdem sein Solo, in dem er etwa den Unterschied zwischen Sächsisch und Hochdeutsch erläuterte, nicht ohne zwischendurch spitze Seitenhiebe auszuteilen, zum Beispiel gegen aktuelle Fußballtrainer, die bei einem Fünf-Monats-Job mal eben 2,5 Millionen Euro einstreichen.

Lachsalven des Publikums

Worüber man in der DDR gelacht hat, als die in den letzten Zügen lag? Bei der Frage kann Wolfgang Stumph geradezu aus dem Vollen seiner reichen Kabaretterfahrung schöpfen, schließlich stand er jahrelang auf den Brettern der Dresdner „Herkuleskeule“.

So erntete er am Sonntag Lachsalven bei einem Dialog zwischen einem Praktikantenaspiranten und einem mit allen realsozialistischen Wassern gewaschenen Werktätigen in einer DDR-Schuhcremefabrik. Und in seiner kabarettistischen Paraderolle als Klomann konnte er den Parteibonzen entgegenrufen: „Bei mir wird nicht geschnüffelt! Bei mir weht ein anderer Wind!“

Höhepunkte des Programms waren eindeutig Einspielungen aus seinen Erfolgsfilmen „Go Trabi Go“ (1991/1992) und „Der Job seines Lebens“ (2003). „‚Go Trabi Go‘, das ist die ‚Feuerzangenbowle‘ unserer Zeit“, meinte er. „Das wird immer und immer wieder wiederholt.“

Wie wichtig dem 71-Jährigen nach wie vor so etwas wie Glaubwürdigkeit ist, das mag sein Credo offenbaren: „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören!“ So war nach 50 Folgen „Stubbe“ Schluss — die Ausnahme ist ein gerade abgedrehtes „Special“. Zweimal „Go Trabi Go“ waren für ihn ebenso genug wie einmal „Job seines Lebens“.