Köln: Wo Süskind für „Das Parfüm” recherchierte

Köln: Wo Süskind für „Das Parfüm” recherchierte

Patrick Süskind hat hier recherchiert für seinen Roman „Das Parfüm”. Im ältesten Duftmuseum der Welt am Kölner Jülichplatz hat er an Lavendelöl, Bergamotte-Essenzen und Rosenblüten-Cuvée geschnuppert und gelernt, dass man die „absolute Nase” hat oder man hat sie eben nicht. Johann Maria Farina hatte diese Nase. Aus Italien war der gelernte Parfümeur 1708 nach Köln gekommen. Mit „französisch Kram” - dazu zählten Seide, Silber und Parfüm - durfte er sich niederlassen und ein Geschäft gründen.

Sein Parfüm „Farina - Eau de Cologne” wird heute noch aus denselben Ingredienzien hergestellt wie vor 300 Jahren und in der ganzen Welt verkauft.

Zu Zeiten des Rokoko wusch man sich ungern. Nun war sauberes Wasser wirklich Mangelware, und aus Angst vor Krankheiten ließ man es möglichst nicht an seinen Körper. Gegen das Geruchsproblem half Parfüm. Ein Fläschchen von Farinas Kölnisch Wasser war allerdings nicht billig, das halbe Jahresgehalt eines Beamten musste dafür gezahlt werden. Deshalb konnten sich nur Könige und Aristokraten das frisch und elegant duftende Parfüm leisten. Kaiser Napoleon verbrauchte eine Flasche pro Tag, der Kölner Kurbischof Clemens August ließ sich mit 40 Flaschen jeden Monat versorgen.

Die gesamte Firmenkorrespondenz von „Farina” ist über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Im Duftmuseum am Kölner Jülichsplatz stehen auch noch die Original-Arbeitsmöbel von Johann Maria Farina. Viele Stücke aus der umfangreichen Firmensammlung der Farinas wurden als Leihgaben an bekannte Museen vergeben.

Im Kölner Duftmuseum sind aber noch genug Exponate vorhanden, die für den Besucher Duft- und Kulturgeschichte aus drei Jahrhunderten lebendig werden lassen. Der Essenzraum mit hunderten von Flaschen und Fläschchen zeigt die Laborsituation einer Parfümerie des 18. Jahrhunderts. Farina gelang es zum ersten Mal, ein immer gleich duftendes Parfüm zu kreieren. Auch heute noch legt sein Nachfolger - Johann Maria Farina in der achten Generation” Wert auf natürliche Essenzen.

Der weltweite Erfolg des Eau de Cologne rief natürlich bald Nachahmer auf den Plan. So ließ Wilhelm Mühlens 1803 in der Klöckergasse Nr. 4711 ebenfalls ein Kölnisch Wasser herstellen, das von seinen Nachfahren schließlich weltweit vertrieben wurde, im Duft aber völlig anders ist als das Original von Farina.

Erst 1874 konnte „Farina gegenüber” sein Eau de Cologne unter Markenschutz stellen. Während die Firma Mühlens mit ihrem „4711” ein für jedermann und -frau erschwingliches Massenprodukt entwickelte, blieb Farina bei seinem exklusiven Luxusparfüm, das nur in inhabergeführten Parfümerien und bei Farina selbst zu bekommen ist.

Mehr von Aachener Zeitung