Aachen: Wo kommt eigentlich unser Wasser her?

Aachen: Wo kommt eigentlich unser Wasser her?

Was gibt es Schöneres, als an einem knallheißen Tag ein Glas kühles Wasser zu trinken? Oder sich in die Fluten des Schwimmbades zu stürzen, um sich abzukühlen? „Na und?”, werden jetzt manche fragen, „Was ist daran besonders?” Wasser kommt schließlich aus dem Wasserhahn so wie Strom aus der Steckdose.

Und monatlich wird ein Pauschalbetrag aufs Konto des Wasserversorgungsunternehmens überwiesen, bei der Jahresabrechnung steht dann fest, ob nachgezahlt werden muss oder nicht. Aber so einfach ist das mit dem Wasser nicht. Viel Arbeit muss investiert werden, damit ein reines Nass aus dem Hahn läuft. Kontrollen sind einzuhalten, die Trinkwasserverordnung ist strenger als die die Vorschriften für Mineralwässer.

Dreckswasser fließt jedenfalls nicht aus den Hähnen in Aachen. „Dafür bürgt die Stawag”, bekräftigt Andreas Maul, der Vertriebschef der Aachener Stadtwerke AG. Damit die Menschen jederzeit Trinkwasser in bester Qualität erhalten, setze die Stawag auf modernste Technik und höchste Standards. Denn man müsse Wasser problemlos ein Leben lang genießen können. Es werde schließlich nicht getrunken, sondern diene auch der Zubereitung von Speisen und dem Säubern von Küchengeräten. Insofern ist das Wort „Trinkwasser” nicht so ganz richtig, nur ein Prozent des Wassers wird tatsächlich getrunken oder fürs Kochen benutzt - der dicke Rest geht fürs Putzen, Duschen und Baden drauf.

Seit 1980 sind übrigens die Qualitätsanforderungen in ganz Europa auf dem gleichen und weltweit einmaligen Standard verbindlich. Das Aachener Trinkwasser stammt zum größten Teil aus der Eifel. Nur ein Viertel fließt aus den Grundwasserwerken der Stadtwerke, die quer über die Stadt verteilt sind, durch die Aachener Wasserhähne. Die WAG, die Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH, spielt dabei eine wichtige Rolle. In Roetgen beheimatet, ist sie der wichtigste Wasserlieferant nicht nur für Aachen, sondern auch für die Städteregion, den Kreis Heinsberg und die niederländischen Gemeinden Vaals und Kerkrade.

„Wir versorgen etwa 600.000 Menschen mit dem kühlen Nass”, erklärt Walter Dautzenberg, der Geschäftsführer der WAG, die je zur Hälfte der Stawag (zuständig für die Stadt) und der Entwor (überwiegend Städteregion) gehört. Rund 33 Millionen Kubikmeter Trinkwasser fließen dafür durch die Rohre. Aus zwei eigenen Talsperren - der Dreilägerbachtalsperre (bei Roetgen) und Kalltalsperre (zwischen Roetgen und dem Pumpwerk Rurberg) - bezieht die WAG ihr Wasser. Das reicht aber bei weitem nicht. Deshalb wird das Reservoir durch die Rurtalsperre (die zweitgrößte Talsperre in Deutschland), der bei Monschau liegenden Perlenbachtalsperre, der Urfttalsperre und der Oleftalsperre (beide im Kreis Euskirchen gelegen) und der Wehetalsperre (bei Schevenhütte) aufgefüllt.

Wenn das Schmutzwasser wieder gurgelnd im Abfluss verschwunden ist, wird es am Ende der Abwasserleitung wieder aufbereitet. Dabei wird das Abwassernetz alle zwei Jahre komplett gereinigt und regelmäßig inspiziert. Vier Kläranlagen in den Stadtteilen Brand, Eilendorf, der Soers und Horbach stehen zur Verfügung, hinzu kommen 30 Pumpwerke die über die ganze Stadt verteilt sind, und ein Entwässerungssystem, das sich über 780 Kilometer unter der Erde erstreckt.

Die Stawag und die Enwor sind penibel. „Wir überprüfen unser Wasser häufiger als es die Trinkwasserverordnung verlangt”, verdeutlicht Ralf Paulus vom Wasserlabor der Stawag. Proben würden im gesamten Wasserversorgungsystem entnommen, jährlich 50.000 Einzelparameter analysiert, bevor das Wasser über ein weit verzweigtes Rohrnetz von 1400 Kilometern Länge in die Kaiserstadt transportiert und verteilt wird. Auch wenn die Gewässer in der Eifel geschützt sind, ist das Wasser aus den Talsperren Rohwasser, das deshalb aufbereitet werden muss. Zwei Aufbereitungsanlagen werden dafür genutzt.

In der Trinkwasseraufbereitungsanlage Roetgen wird mit einer Leistung von 6000 Kubikmeter pro Stunde das Nass aus der Dreilägertalsperre, der Kaltalsperre und dem Obersee der Rurtalsperre gefiltert. Das Rohwasser der Wehetalsperre fließt durch die Filter der Aufbereitungsanlage Wehebachtalsperre mit einer maximalen Leistung von 3000 Kubikmetern durch die Filter.

Das Talsperrenwasser rauscht durch eine Membrananlage, dann durch die Filterstufe 1, dort wird es „aufgehärtet”. Das Eifeler Wasser ist zu weich, muss also mit Kalk angereichert werden. Eifeler Hausfrauen, die in den 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stolze Besitzerinnen von Waschmaschinen waren, atmeten auf, als endlich die Firma Henkel ein schaumgebremstes Waschmittel auf den Markt brachte.

In der zweiten Filterstufe wird dem Wasser Eisen und Mangan entzogen, von beidem enthält das Eifeler Wasser zuviel. Dann wartet es in den Trinkwasserbehältern auf die Verteilung in die Wassernetze. Menschen findet man kaum in den modernen Aufbereitungsanlagen. Alles geht vollautomatisch, ein Mitarbeiter sitzt in der Leitwarte und sorgt dort für den reibungslosen Ablauf.

Die in den Membranen und in den sogenannten Filterbetten zurückgehaltenen Inhaltsstoffe müssen nämlich regelmäßig entfernt werden. Die Membranen werden stündlich gereinigt, die beiden Filterstufen alle zwei Tage. Dafür werden Druckluft und Spülwasser von unten nach oben durch das Filtermaterial gedrückt und die Rückstände ausgespült.

Dass das Trinkwasser, so wie wir es gewohnt sind, sauber aus der Leitung kommt, ist also alles andere als ein Kinderspiel.

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