Wissenstransfer macht die Arbeit der medizinischen Gesellschaft aus

Medizinische Gesellschaft : Am wichtigsten ist seit jeher der Wissenstransfer

Der Brückenschlag zwischen der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen und den Krankenhäusern der Region sowie den niedergelassenen Ärzten – kann das gelingen? Das war ein neuer Gedanke, der vor gut 50 Jahren Professor Günther Gillissen, damals Leiter der Abteilung Mikrobiologie der RWTH, nicht ruhen ließ.

Zusammen mit der Ärztekammer Nordrhein gründete er 1968 die Medizinische Gesellschaft Aachen, die dann 1969 ihre aktive Arbeit aufnahm. Am kommenden Dienstag wird das Jubiläum mit einer öffentlichen Veranstaltung gefeiert.

„Der Gründungsgedanke ist erhalten geblieben, allerdings hat sich die Medizinische Gesellschaft längst gewandelt“, sagt Professor Dominik Groß, Direktor des RWTH-Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, der vor zehn Jahren den Vorsitz übernahm. Als zweiter Vorsitzender gehört Professor Markus Gatzen (Marienhospital Aachen) zum Vorstand, den Nicole Kuth als niedergelassene Allgemeinmedizinerin abrundet. Die grundsätzliche Zielsetzung: Wissenstransfer.

Hierzu vergibt die Medizinische Gesellschaft Aachen seit 2011 einen Preis. Was ursprünglich unter Medizinern stattfand, wurde bald auch interessiertem Laienpublikum geöffnet. „Wir können die gesundheitsbewussten Bürger nicht ausschließen“, betont Groß. Aufgegriffen werden in vier bis sechs jährlichen Veranstaltungen Themen, die in der Luft liegen, wie etwa Fragen zur Patientenverfügung oder zur Telemedizin, aber gleichfalls  „Dauerbrenner“ wie Diabetes sowie Herz- Kreislauferkrankungen.

Von der ursprünglichen Planung, die Medizinische Gesellschaft als Forum für frisch habilitierten Professorennachwuchs zu nutzen, rückte man bald ab. „Das waren extrem spezielle Themen“, meint Groß. „Wenn etwa ein Physiologe und Zellbiologe über Calcium-Kanäle referiert, interessiert das schon keinen mehr, der aus einer anderen Fachrichtung kommt.“

Mit Turbulenzen musste der heutige Vorsitzende bei der Amtsübernahme umgehen. Damals galt es, die Rolle des MGA-Ehrenmitglieds Professor Martin Staemmler, einst Leiter des Pathologisch-bakteriologischen Instituts, im Dritten Reich zu klären.

Bereits 2006 war klar, dass Staemmler aktiv an der Verbreitung und Umsetzung der nationalsozialistischen Rasselehre war. Die Ehrenmitglied­schaft wurde annulliert. Die Aufarbeitung unter Groß und seinem Vorgänger Professor Frank Schneider führte zur Förderung des Forschungsgebietes „Leitende Aachener Ärzte im Dritten Reich“ durch die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen und zu diversen Aufsehen erregenden Publikationen. „Keine leichte Zeit“, gesteht Groß. „Wir waren allerhand Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt.“ Für ihn bleibt es wichtig, klar Stellung zu beziehen für die Medizinische Gesellschaft.

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