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Aachen: Wissen der Patienten erstaunt Diabetes-Experten am AZ-Telefon

Aachen : Wissen der Patienten erstaunt Diabetes-Experten am AZ-Telefon

Kann eine Tafel Schokolade eine Zuckerkrankheit auslösen? Gibt es neue Therapieformen, die das Spritzen von Insulin ersetzen können? Und welche Symptome deuten auf Diabetes hin?

Fragen, die am Mittwoch bei unserer Telefonaktion die Drähte heiß liefen ließen. Rund 100 Leserinnen und Leser holten sich guten Rat bei unseren drei Experten Ursula Niggemeier, leitende Diabetes-Beraterin am Luisenhospital Aachen, Hans-Ulrich Dieck, niedergelassener Arzt und Diabetologe aus Würselen sowie Reiner Kreutz, Apotheker aus Baesweiler.

Dabei bescheinigte der Mediziner Ulrich Dieck den Anrufern ein hohes Grundwissen: „Die recht speziellen Fragen zeigen, dass sich die umfassenden Diabetiker-Schulungen auszahlen”, freute sich der Mediziner, der viele interessante Details erläuterte: „Natürlich kann eine einzige Tafel Schokolade oder eine Tüte Gummibärchen keine Zuckerkrankheit auslösen. Sie kann aber hohe Zuckerwerte zur Folge haben und eine Erkrankung ans Licht bringen, die bereits seit Jahren unterschwellig vorhanden war.”

Das heißt konkret: Ein einfacher Zuckertest beim Arzt, bei dem die Werte normal sind, sagt nicht viel aus. Um Diabetes zu diagnostizieren, bedarf es eines so genannten Zuckerbelastungstests. „Wenn die Diagnose Diabetes gestellt wird, trägt ein großer Teil der Patienten das Krankheitsbild bereits seit sechs bis acht Jahren in sich”, erklärt Dieck.

Welche Zuckerwerte normal sind, beantwortete Ursula Niggemeier: „Nüchtern unter 110, nach dem Essen unter 140.”

Oft gefragt wurde auch nach den Symptomen: Großer Durst, Müdigkeit und Kraftlosigkeit können auf einen Diabetes deuten.

Aber was tun, wenn die Erkrankung bereits erkannt ist, die Werte aber trotz Insulingaben sehr unterschiedlich sind? „Dann ist es sehr wichtig, auf eine gesunde Ernährung, kleine Mahlzeiten und viel Bewegung zu achten. Ein zügiger Spaziergang kann schon sehr hilfreich sein, um den Zucker zu senken”, sagt Reiner Kreutz.

In puncto neue Behandlungsmethoden konnten die Experten leider noch keine ausreichend erprobten Therapien empfehlen: „Die Nasensprays zur Insulingabe stecken noch mitten in der Entwicklung.

Problematisch ist, dass zum Beispiel bei Rauchern, Asthmatikern oder schon bei leichtem Schnupfen die Verabreichung über die Nase nicht genau genug ist. Bis zur Marktfähigkeit der Sprays kann es also noch einige Zeit dauern.”

Eine weitere häufige Frage: Ist es schädlich, beim Genuss eines Stück Kuchens mehr zu spritzen? Reiner Kreutz: „Das ist auf Dauer fatal und kann den Insulinhaushalt so sehr durcheinanderbringen, dass eine Insulinresistenz entsteht. Von solchen ,Sünden ist also grundsätzlich abzuraten.”

Mit dem Thema Diabetes beschäftigt sich auch eine Info-Veranstaltung am Samstag, 19. Juni, von 9 bis 16 Uhr im Aachener Eurogress. Der Eintritt ist für Patienten und andere Interessierte frei.