Bilanz im Nationalpark Eifel: Wildnis zieht gut, die Geschichte weniger

Bilanz im Nationalpark Eifel : Wildnis zieht gut, die Geschichte weniger

Der Nationalpark Eifel wird bis Ende des Jahres von etwa 850.000 Menschen besucht worden sein - und bleibt damit nach wie vor ein touristischer Anziehungspunkt. Die Ausstellung zur NS-Ordensburg hingegen eher nicht. Eine Bilanz.

Nach dem Umbau und der Wiedereröffnung der früheren NS-Ordensburg Vogelsang kommen im Jahr etwa 270.000 Besucher, davon 200.000 zum Besuch des historischen Ensembles. Das wird auch 2018 so gewesen sein, wie der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Albert Moritz, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte.

Vor dem Umbau hatte Moritz das jährliche Besucheraufkommen mit bis zu 300.000 gerechnet, doch ist ja nicht ausgeschlossen, dass es mittelfristig auch so kommen wird. Dass die Pläne für ein Hotel und eine Ferienanlage nun konkret werden, könnte helfen, das Besucherziel in den kommenden Jahren zu erreichen.

 Der Nationalpark Eifel, in dessen Mitte Vogelsang liegt, wird Ende des Jahres von etwa 850.000 Menschen besucht worden sein und hat sich als touristischer Anziehungspunkt der Eifel nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung 2004 etabliert. Forstdirektor Michael Lammertz, stellvertretender Leiter des Nationaparkforstamtes, geht davon aus, dass rund um das gut 100 Quadratkilometer große Waldstück zwischen Aachen, Düren und Euskirchen 700 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden sind und allein der Nationalpark jährlich 30 Millionen Euro Bruttoumsatz generiert.

Der Nationalpark Eifel macht 2019 den nächsten Schritt, damit sich die Natur ungehindert entwickeln kann. Hunderte Kilometer alter Wege von Forst-, Landwirtschaft oder Militär sollen in den nächsten 15 Jahren verschwinden und von der Natur eingenommen werden. Foto: dpa/Oliver Berg

 Vielleicht ist es abwegig, den Nationalpark Eifel mit dem meistbesuchten Nationalpark der USA zu vergleichen, dem Great-Smoky-Mountain-Nationalpark in den Bundesstaaten North Carolina und Tennessee. Aber interessant ist doch, dass dieser Park etwa zehn Mal so viele Besucher anzieht wie der Nationalpark Eifel, auf der anderen Seite aber 20 Mal größer ist, nämlich gut 2100 Quadratkilometer.

Der Nationalpark und Vogelsang sind seit der Wiedereröffnung der NS-Ordensburg im September 2016 insofern miteinander verbunden, als sie im neu entstandenen Forum Vogelsang jeweils eine Ausstellung beherbergen. Auf der einen Seite die emotionalen „Wildnis(t)räume“ des Nationalparks, auf der gegenüberliegenden Seite „Bestimmung: Herrenmensch“ der Vogelsang, mit der die Geschichte der früheren NS-Ordensburg plastisch eingeordnet wird. Beide auf sehr verschiedene Weisen höchst sehenswerte, gut gestaltete Ausstellungen, nur das Problem ist: Bislang haben zu wenige Menschen die Ausstellungen besucht.

Die Nationalparkausstellung werden 2018 etwas mehr als 20.000 Menschen gesehen haben, „Bestimmung: Herrenmensch“ etwa 37.000. Beide Betreiber hatten bei der Eröffnung 2016 mit mehr Besuchern gerechnet. Und deswegen ist es nur folgerichtig, dass sich das Nationalparkforstamt Gedanken über die Eintrittspreise machen wolle. Bislang kostet der Eintritt regulär jeweils acht Euro, das Kombiticket für beide Ausstellungen kostet zwölf Euro. Ziel müsse es sein, sagt Forstdirektor Lammertz, einen höheren Prozentsatz der Vogelsang-Besucher in die Ausstellungen zu bekommen.

Während Vogelsang-Geschäftsführer Moritz darauf wartet, dass möglicherweise Ende 2019 schon der Bau für eine Ferienanlage mit rund 100 Betten beginnt, bereiten sich die Nationalparkranger auf die Ankunft des Wolfes vor. Im Juli 2018 sei auf der belgischen Seite des Hohen Venns ein Wolf beobachtet worden, sagt Forstdirektor Lammertz, nur wenige Kilometer vom Nationalpark Eifel entfernt. Zwar sind in Nordrhein-Westfalen bislang nur einzelne Wölfe gesichtet worden, aber Lammertz glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich in Nordrhein-Westfalen das erste Rudel bildet.

Allerdings sei der Nationalpark allein viel zu klein, um ein Wolfsrudel ernähren zu können, überdies interessierten sich neben Hirschen, Rehen und Luchsen auch Wölfe nicht für irgendwelche Staats- oder Waldgrenzen. Ob bereits 2019 mit der Ankunft der Wölfe in der Region zu rechnen ist, wollte Lammertz nicht prognostizieren.