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Ukraine-Krieg : Wie Unicef den Kindern von Mariupol helfen will

Ukraine-Krieg : Wie Unicef den Kindern von Mariupol helfen will

Seit Wochen verstecken sich Menschen unter dem Stahlwerk in der umkämpften ukrainischen Stadt Mariupol. Darunter auch zahlreiche Mädchen und Jungen. Nun konnten erste Menschen evakuiert werden. Unicef-Mitarbeiter Daniel Timme skizziert ein Szenario, wie sie den Kindern in Not jetzt helfen wollen.

„Diese Kinder sind seelisch vollkommen zerstört“, sagt Daniel Timme mit Blick auf die Mädchen und Jungen, die im Asow-Stahlwerk in Mariupol mit ihren Familien Zuflucht gefunden haben. Knapp 1000 Zivilisten sollen laut ukrainischen Angaben in dem Bunker untergekommen sein. Das Gelände ist von russischen Truppen umzingelt. Die Situation gilt vor allem im Hinblick auf die Nahrungsmittelversorgung als katastrophal. Immer wieder ist der Komplex unter Beschuss, so dass die Menschen ihr Versteck nicht unter sicheren Bedingungen nicht sicher verlassen können.

„Diese Mädchen und Jungen haben das Vertrauen auf Sicherheit in ihrem Leben erst mal verloren. Wir müssen sie nicht nur am Leben halten, sondern auch ihre Seelen heilen und sie wieder in ein normales sicheres Leben führen.“, erklärt der Unicef-Mitarbeiter Timme, der seit vielen Jahren schwerpunktmäßig in der Nothilfe tätig ist.

Der gebürtige Aachener koordiniert derzeit in Polen die Unicef-Arbeit rund um den Ukraine-Krieg. Er skizziert das Szenario, sollte in den kommenden Tagen die Waffenruhe von den russischen Truppen eingehalten werden und die Evakuierung des Stahlwerks gelingen: Sobald die Zivilisten in Sicherheit sind, werden sie vom Roten Kreuz und den Hilfsagenturen der Vereinten Nationen versorgt: das World Food Programm z.B. versorgt die Menschen mit Nahrung, während die Mitarbeiter von Unicef sich um den Schutz der Kinder, die Wasserversorgung, sanitäre Einrichtungen und medizinische Hilfe kümmern

Danach werden laut Timme viele der evakuierten Menschen vermutlich versuchen, die Gegend um das Asowsche Meer zu verlassen und höchstwahrscheinlich in Richtung Grenzen fliehen. „Wir stellen uns darauf ein, dass Kinder und Jugendliche hier ankommen, die psychosozial betreut werden müssen“. Welche Traumata oder auch pathologische Störungen diese Kinder durch ihre Kriegserlebnisse entwickelt haben, werden die Mitarbeiter in den „Blue Dot Centern“ von Unicef genau beobachten.

Diese Zentren sind Schutzorte und Anlaufstellen für Kinder und Familien auf der Flucht, in denen sie die wichtigste Hilfe bekommen. Das ist neben Essen, Trinken und medizinischer Versorgung vor allem auch organisatorische Hilfe für die Weiterreise und eine offizielle behördliche Registrierung, um Menschenhandel vorzubeugen.