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E-Autos, Hybridfahrzeuge, Zusatz-Akkus: Wie sich Feuerwehren auf brennende Elektroautos vorbereiten

E-Autos, Hybridfahrzeuge, Zusatz-Akkus : Wie sich Feuerwehren auf brennende Elektroautos vorbereiten

Ein in Flammen aufgegangenes Luxusfahrzeug mit Zusatzbatterie sorgte für einen komplizierten Feuerwehr-Einsatz in Düsseldorf. Akkubrände, etwa bei Elektroautos, stellen die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen.

Düsseldorf Autobrand ist nicht gleich Autobrand: Wenn sich, wie in der Nacht zu Sonntag in Düsseldorf geschehen, die Zusatzbatterie eines Luxusfahrzeugs entzündet, ist die Feuerwehr besonders gefordert. Rund 9000 Liter Wasser waren nötig, um Wagen und brennende Batterie zu löschen. Potenziert wird das Problem, wenn der gesamte Unterboden mit Akkus bestückt ist – wie bei einem Elektro- oder Hybridfahrzeug.

„Wir haben es hier mit einer neuen Herausforderung zu tun, auf die die Einsatzkräfte vorbereitet werden müssen“, sagt der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Knorr. „E-Autos brenn en aber weder heftiger noch häufiger als Benziner oder Diesel, nur anders.“ Auch der ADAC rät zunächst zu Gelassenheit. Das Risiko für einen Brand bei E-Fahrzeugen sei vergleichsweise gering, sagt Sprecher Thomas Müther.

Ein ähnliches Bild am 13. November in Kreuzau: Auch hier hatte die Feuerwehr das brennende Elektroauto in einen Container gehoben und mit viel Löschwasser übergossen. Foto: ZVA/Jörg Abels

Wenn ein Akku aber erstmal brennt, dann meist sehr heftig. „Thermal runaway“ heißt der Effekt, wenn sich der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle fortsetzt. In diesem Fall hilft nur extremes Kühlen, weil dem Akku mehr Energie entzogen werden muss, als er freisetzen kann. Dazu ist wesentlich mehr Wasser als üblich nötig. Manche Feuerwehren führen deshalb auch sogenannte Schutzmulden mit, die mit Wasser gefüllt werden, erklärt Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren in NRW. Mit einem Kran werden brennende E-Autos dann in die Mulde getaucht. Möglich ist auch der Einsatz von Containern, die mit Wasser geflutet werden.

Wie bei einigen anderen Feuerwehren im Land wolle man s olche Container künftig standardmäßig vorhalten, sagte ein Sprecher der Kreisfeuerwehr Düren. Dort war in Kreuzau kürzlich ein brennendes E-Fahrzeug in einem Container gelöscht worden. Erst im Juni hatte die Dortmunder Polizei ein gelöschtes Elektroauto sicherheitshalber in ein improvisiertes Wasserbad gesetzt. Das Problem: Selbst gelöschte Speicher können sich nach Stunden oder Tagen wieder entzünden, müssen also beobachtet werden.

Zunächst hatten die Einsatzkräfte noch versucht, der Flammen auf herkömmliche Weise Herr zu werden. Der Wagen war in der Nacht während des Beladens in einer Hauseinfahrt in Brand geraten. Foto: dpa/-

Knorr findet es wichtig, dass Feuerwehren sich bereits vor dem dennoch möglichen Einsatzfall mit der neuen Technologie befassen, um Unsicherheiten vorzubeugen. „Wenn ein E-Auto-Akku brennt, dann ist durchaus mit enormer Brandleistung zu rechnen – die ist bei einem Akku aber nicht geringer als bei einem aufgerissenen Tank“, sagte Knorr. Er erklärt es so: „Die Energie, die freigesetzt wird, ist ja unabhängig von der Technologie darauf ausgelegt, das Auto über eine längere Strecke in Bewegung zu setzen.“ Ausschlaggebend dafür, dass Autos, wenn sie in Brand geraten, heute größere Hitze und Flammen entwickelten als noch vor Jahrzehnten, sei die Zunahme verbauter brennbarer Stoffe in den Karossen: mehr Dämmung, breitere Reifen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es den Feuerwehren in diesen speziellen Fällen an Praxiserfahrung fehle, sagt Schöneborn. Solche Einsätze und entsprechende Techniken könne man nur mit E-Autos üben, diese seien jedoch zu jung, um sie kontrolliert für eine Übung abbrennen zu lassen. Eine Empfehlung des Feuerwehr-Verbandes in Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Fachleuten kommt aber zu dem Schluss, die herkömmlichen und bekannten Vorgehensweisen seien zur Brandbekämpfung von Lithium-Ionen-Akkus „grundsätzlich geeignet“. Bei guten Fertigungsstandards und sachgerechter Handhabung seien die Akkus zudem als ausreichend sicher einzustufen.

Auch benzingetriebene Autos brennen – nur wird dies von der Öffentlichkeit viel weniger wahrgenommen als ein Feuer bei einem der noch recht neuen Elektroautos. Dieser Mercedes etwa stand im September in Eschweiler in Flammen. Foto: Axel Johnen

Das bestätigt auch der ADAC. So hätten vergleichende Crashtests eines VW up und eines VW e-up gezeigt, dass E-Fahrzeuge bei einem Unfall genauso sicher seien wie herkömmliche Modelle. „Die Hersteller achten schon bei der Konstruktion darauf, die Akkus so gut wie möglich vor Deformation zu schützen“, sagt Müther.

Außerdem schaltet sich das Hochvoltsystem automatisch ab, wenn der Airbag ausgelöst wird, und es liegt keine Spannung mehr an. Im Fachjargon heißt das, die elektrischen Komponenten müssen „eigensicher“ ausgelegt sein. Eigensicher bedeutet, dass der Stromfluss der Batterie unterbunden wird, wenn im System ein Defekt auftritt. Müther: „Trotzdem sollte man als Laie nach einem Unfall nicht am Akkusystem herumhantieren.“ Das sei eine Aufgabe für Fachleute.

Um Elektroauto-Fahrern helfen zu können, hat der ADAC seine mehr als 1700 Straßenwachtfahrer „zu elektrisch-unterwiesenen Personen“, sogenannten EUPs, weitergebildet. Das bedeutet, dass diese auch bei Elektrofahrzeugen die Motorhaube öffnen und nachschauen dürfen, wo das Problem liegen könnte. Zusätzlich haben einige Pannenhelfer weitere Fortbildungen absolviert, sodass sie auch Arbeiten an Hochvolt-Komponenten durchführen können. „Grundsätzlich haben E-Autofahrer aber meistens die gleichen Probleme, die auch Fahrer von Autos mit herkömmlichen Antrieben haben – etwa Reifenschäden oder Probleme mit der Beleuchtung“, sagt Müther.

Der Gefahr, dass beim Einsatz von Wasser in elektrischen Anlagen Spannung auf Einsatzkräfte überspringt, begegnet die Feuerwehr übrigens seit eh und je mit ihrem speziellen Wasserstrahl: „Der besteht aus einzelnen Tröpfchen, sodass der Strom bei Wahrung von gewissen Sicherheitsabständen nicht zurückfließen kann“, erklärt Knorr. Selbst bei einer Hochspannungsleitung kann die Feuerwehr so aus zehn Metern Entfernung mit Wasser löschen.