Wie sich der Winter in NRW und der Region wandelt

Stürme, Regen, weniger Schnee? : Wie sich der Winter in NRW und der Region wandelt

Am 22. Dezember um genau 5.19 Uhr beginnt der kalendarische Winter. Eigentlich bringt dieser Schnee, Frost und Nebel mit sich. Durch den Klimawandel klettern die Temperaturen aber im Mittel. Verändert das die dunkle Jahreszeit in NRW und der Region?

Auf der Nordhalbkugel der Erde beginnt am 22. Dezember der Winter. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Sonne ihre geringste Mittagshöhe und beschert somit den kürzesten Tag des Jahres. Die kalte Jahreszeit ist besonders für Wetterphänomene wie Schnee, Frost und Nebel bekannt.

Der Winter wird genau wie der Rest des Jahres in der Tendenz laut Deutschem Wetterdienst (DWD) aber seit Jahren milder. Seit 1881 sind die Temperaturen in Deutschland im Mittel um 1,4 Grad gestiegen. In Nordrhein-Westfalen ist diese Zahl sogar noch deutlicher: Während im Jahr 1881 das Temperaturmittel bei 8,1 Grad lag, ist es im Jahr 2018 auf 11 Grad gestiegen. Trotz regulärer Schwankungen von Jahr zu Jahr ist eine Tendenz zu wärmeren Jahren auch im bevölkerungsreichsten Bundesland zu erkennen. Die Jahrzehnte von 2000 bis 2009 sowie von 2010 bis 2019 haben jeweils Temperaturmittel von knapp über 10 Grad. In dem Jahrhundert zuvor lag diese jeweils bei 8 bis 9 Grad.

Die Temperaturmittel für die Winter in NRW weisen eine ähnliche Tendenz auf, schwanken aber auch. Die letzten drei Jahrzehnte lagen jeweils oberhalb von 2,6 Grad und damit über dem langjährigen Mittel von 1,7 Grad. Im Winter 2018/2019 wurde sogar die 4-Grad-Marke erneut geknackt. Im Vergleich war dies aber noch lange nicht der wärmste Winter: In den vergangenen knapp 140 Jahren gab es diesen bei einem Temperaturmittel von 5,45 Grad im Jahr 2007. Im kältesten Winter im Jahr 1963 lag dieses Mittel bei knapp -4 Grad Celsius, also rund 9,5 Grad kälter.

In Flüssen ist die Hochwassergefahr in dieser Jahreszeit größer geworden. Ursachen: Die Winterniederschläge nehmen zu. Gleichzeitig steigt die Schneefallgrenze, so dass weniger Wasser im Schnee gebunden wird. Auch Frost- und Eistage nehmen im Mittel ab. Die weiße Weihnacht machen Veränderungen bisher aber nicht weniger wahrscheinlich. Der DWD spricht von weißen Weihnachten, wenn an allen Festtagen, also Heiligabend und am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, morgens um 7 Uhr mindestens ein Zentimeter Schnee liegt.

„Das Ereignis war immer relativ selten“, erklärt DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. „Die Häufigkeit von weißen Weihnachten hat sich seit 1951 nicht deutlich verändert.“ An den Feiertagen 2010 gab es laut Friedrich fast flächendeckend in Deutschland weiße Weihnachten. Auch in der Region um Aachen und in NRW lag an allen drei Tagen Schnee. Seitdem müssen besonders Kinder vergeblich auf Schneegestöber zu Weihnachten warten. Aber: Auch im vergangenen Jahrhundert lagen oft viele Jahre zwischen den schneebedeckten Festtagen. Laut DWD gab es diese in Aachen in den Jahren 1950, 1963, 1970 und 1986. Mehr Schnee gab es statistisch nur in der Nordeifel. Aus diesen Zahlen lasse sich aber kein genereller Trend ableiten.

Aus meteorologischer Sicht bringt der Winter neben Schnee noch andere Wetterphänomene mit sich. Nebel tritt besonders in Niederungen auf. Weil die Temperaturunterschiede zwischen polaren Gebieten und Äquator im europäischen Winter am größten sind, kommt es im Januar und Februar zudem häufiger zu Sturm- und Orkantiefs. Mit diesen starken Tiefdruckgebieten versuche die Atmosphäre Temperaturunterschiede auszugleichen, sagt der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Im Zuge der Klimaerwärmung verringern sich diese Unterschiede, denn die Temperaturen in den polaren Regionen steigen stärker als am Äquator. Das könnte zu einer leichten Abnahme winterlicher Orkane über der Nordhemisphäre führen.

An anderer Stelle zeigt sich der Wandel deutlicher. Als eine der ersten Pflanzen läutet das Schneeglöckchen den Vorfrühling ein. „Das tun sie immer früher“, sagt Friedrich. Im Mittel blühe die Art 10 bis 14 Tage eher als noch vor 40 Jahren auf. Das setze sich auch bei anderen Pflanzen fort: „Die Grenze verschiebt sich nach vorn auf Kosten des Winters.“

(jas/dpa)