Berlin: Wie Bilder die Spendenbereitschaft beeinflussen

Berlin: Wie Bilder die Spendenbereitschaft beeinflussen

Bald trudeln sie wieder ein, die Briefe und Mails mit Bitten um Spenden. Die letzten Wochen des Jahres sind für gemeinnützige Organisationen und Kirchen immens wichtig — sie rechnen mit Milliardensummen von Privatleuten.

Auf 5,3 bis 5,5 Milliarden Euro werde das Spendenvolumen bis Ende 2017 voraussichtlich anwachsen, zeigte sich die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrates, Daniela Geue, am Donnerstag optimistisch. Der Dachverband von 65 spendensammelnden Organisationen hat eine erste Bilanz für das laufende Jahr vorgelegt: Von Januar bis September seien nach Hochrechnungen rund 3,1 Milliarden Euro zusammengekommen.

Die Deutschen bleiben also spendabel: Sie gaben etwas mehr Geld für den guten Zweck als im Vorjahreszeitraum, die Summe lag aber unter dem Zwischenstand von 2015 (3,4 Milliarden Euro). Das war das Jahr der Flüchtlingskrise, als Bilder von Menschen, die im Mittelmeer ertranken, allgegenwärtig waren.

Und es war das Jahr, in dem bei einem schweren Erdbeben in Nepal weit mehr als 8000 Menschen ihr Leben verloren. Die Deutschen zückten die Portemonnaies: 5,5 Milliarden Euro kamen insgesamt zusammen — Rekord. Doch auch im Langzeitvergleich sind die Menschen hierzulande immer noch relativ großzügig: 2007 verbuchten die Organisationen im gesamten Jahr nur 3,9 Milliarden Euro.

Seitdem stieg der Wert, mit Spitzen in Jahren mit großen Katastrophen. Und das obwohl die Zahl der Spender nach den Daten des Deutschen Spendenrates rückläufig ist. Von Januar bis September waren es demnach 17 Millionen Menschen. Für sie ist das Spenden kein einmaliger Akt, sie spendeten durchschnittlich 5,8 mal, im Schnitt jeweils 32 Euro. Unter den Menschen, die älter als 70 Jahre alt sind, spenden besonders viele und sie sind besonders großzügig.

Auch das Bischöfliche Hilfswerk Misereor e. V. mit Sitz in Aachen rechnet mit einer positiven Entwicklung: „Es sieht nicht so aus, als ob wir in diesem Jahr weniger Spenden bekommen werden als im vergangenen“, gibt sich Andreas Lohmann, Abteilungsleiter der Spendenkommunikation, optimistisch. Konkrete Zahlen kann er für 2016 nennen: 53,2 Millionen Euro spendeten die Menschen in der Region in diesem Jahr an Misereor.

Anders als im Bundesschnitt rechnet die Organisation, die sich in mehr als 90 Ländern für langfristige Entwicklungsprojekte engagiert, aber nicht mit einem drastischen Einbruch in der Flüchtlingshilfe. Ähnlich ist die Situation beim Katholischen Missionswerk Missio in Aachen. Auch dort rechne man mit einem ähnlich hohen Spendenaufkommen wie im vergangenen Jahr, sagt Sprecher Johannes Seibl. Es lag 2016 bei 33,25 Millionen Euro.

Gespendet wird also weiter viel, doch wofür gespendet wird, hat sich geändert: Die Beträge für Projekte in der Flüchtlingshilfe im In- und Ausland sinken wieder — im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 285 Millionen Euro. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Geflüchtete im Vergleich zum Vorjahr weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen“, erklärte Daniela Geue, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats. An Bedeutung gewonnen hat laut Spendenrat etwa die Not- und Katastrophenhilfe, zum Beispiel zur Bekämpfung von Hunger in Afrika. Neben diesem Thema habe es wenig große, in den Medien präsente Katastrophen gegeben.

Die Angaben beruhen auf monatlichen Selbstauskünften von 10.000 Deutschen ab zehn Jahren, die hochgerechnet wurden. Laut dem Deutschen Spendenrat sind sie repräsentativ. Bei Minderjährigen läuft das Spenden in der Regel über die Eltern.

Wo viel Geld zu holen ist, sind auch schwarze Schafe zu finden. Spendenwillige sollten sich deshalb informieren, wen sie unterstützen und wovon sie besser die Finger lassen.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt ein Spendensiegel an seriöse Organisationen. Aktuell sind es rund 230 aus dem humanitären sowie dem Tierschutz- oder Umweltschutzbereich. Die jährliche Prüfung zahlt die sich bewerbende Organisation. Das hat allerdings zur Folge, dass sich gerade kleinere Hilfsorganisationen diese Ausgabe sparen. Umgekehrt kann man also nicht sagen: Wer das Spendensiegel nicht trägt, ist unseriös. Das DZI erteilt auf seiner Website (www.dzi.de) auch Auskünfte zu weiteren 200 Organisationen ohne Siegel.

Die Mindestvoraussetzung für eine Spende sollte steuerliche Gemeinnützigkeit sein, betont DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Damit habe das Finanzamt schon eine gewisse Kontrolle. Außerdem ist die Spende steuerlich absetzbar, und zwar bis zu 20 Prozent des Einkommens. Eine Spendenquittung ist erst nötig ab 200 Euro. Bei niedrigeren Beträgen reichen die Überweisungsbelege.

Wer wissen will, wo die Spendengelder landen, sollte sich die Jahresabschlüsse ansehen, die seriöse Hilfswerke zugänglich machen. Eine Spende ist freiwillig. Wer unter zeitlichen Druck setzt oder mit drastischen Elendsschilderungen wirbt, macht sich verdächtig.