Aachen: Wie bei Rolf Zuckowski, nur mit cooler Musik

Aachen: Wie bei Rolf Zuckowski, nur mit cooler Musik

Der Refrain klingt gut. Nicht nur für Zeitungsmacher. „Und die Zeitung hat meine Oma schon gelesen; Und die Zeitung werden meine Kinder auch noch lesen; Und die Zeitung werden die Roboter auch noch lesen; Ja, Mann, die Zeitung wird es einfach immer geben”, rappen Timo Burghart und Jona Vunak, Steffen Johr nickt dazu rhythmisch mit dem Kopf.

Timo besucht die Montessori-Grundschule Mataréstraße, Jona die Alkuin Realschule. Johr ist Erzieher im Kindergarten Reimser Straße im Aachener Preuswald und der Offenen Ganztagsschule Bildchen. Und der Zeitungs-Rap ist das Resultat seiner Arbeit mit einer Rap-AG, die er einst in der Mataréstraße gegründet und mittlerweile mit in den Preuswald genommen hat.

Wenn heute das neue Zeitungsmuseum feierlich eröffnet, dann werden auch Jona, Timo, Vincent und all die anderen Kinder der Rap-AG da sein und ihren Song singen.

„In der Zeitung gibt es alles schwarz auf weiß; Das Wetter, mal ist es kalt, oder ist es heiß”, beginnt die erste Strophe. Keine Frage: Zeile für Zeile ist der Zeitungs-Rap ein Hit: „Aber auch der Sport hat eine eigene Seite; News, die ich dann an meine Freunde weiterleite; Der Sportteil ist einfach der Coolste von allen; Die Ergebnisse vom Fußball, die mir gut gefallen; Man sieht den Schweini bei nem superkrassen Torschuss; Das Ding flog in den Winkel, einer der reingehen muss; Der Rest steht geschrieben in dem Spielbericht; Es zu lesen; für den Sportfan ist die größte Pflicht”.

Es ist nicht der erste Rap von Johr und den Kindern. Sie haben vor Jahren einen zum Thema Verkehrssicherheit aufgenommen. Und dann später einen vom „dicken Hans”, in dem es um gesunde Ernährung ging. Wenn man die Texte liest, dann erinnern sie an die eigene Schulzeit mit dem Liedermacher Rolf Zuckowski als singenden Begleiter. Steffen Johr ist nicht Rolf Zuckowski. Er trägt eine Baseballkappe und weite T-Shirts. Er spielt auch nicht Gitarre. Aber die Botschaften der Songs, die er mit den Kindern erarbeitet, unterscheiden sich kaum von denen Zuckowskis. Und Rap ist zweifellos aktueller als Zuckowskis Klampfe.

Ein bekannter Schulranzenhersteller wurde auf die Aachener aufmerksam, Videos wurden produziert und mehr als zehntausend Mal im Internet auf http://www.youtube.com angeklickt. Diese Videos machten den Kulturbetrieb der Stadt hellhörig, der die Kinder mit dem Zeitungs-Rap zur Museumseröffnung einlud. Ein Video wird es aber auch zu diesem Lied geben. Und was für eins. Die Kinder der Rap-AG haben den Zeitungs-Rap dort aufgenommen, wo er spielt. In der Zeitung, genauer im Verlagshaus. In der Redaktion, im Versand - eben dort, wo die Zeitung entsteht. Begleitet wurden sie dabei von Center-TV-Filmer Konstantin Salaske. Kamera läuft, Film ab. „Und die Zeitung hat meine Oma...”

„Die Rap-Musik ist ganz nah an den Kinder dran. Mir ist aber wichtig, dass wir dabei Themen aufgreifen, die den Kindern wichtig sind”, erzählt Johr. „Letztlich sind die Texte wie ein verstecktes Referat.” Und auch den Text des Zeitungs-Rap haben sie gemeinsam geschrieben. Vor allem Jona und Johr. Und der steht nun in der Redaktion vor dem Mikrofon, Strophe 2, die Aufnahme läuft:

„Die Zeitungen sind voll, Fukushima wieder drin; Doch leider kein Märchen - Gebrüder Grimm; Das was geschrieben steht, ist einfach schlimm für alle; Die Atomkraft muss weg, und zwar sofort, was ne Falle.”

Jona war es auch, der in dem jungen Erzieher Steffen Johr die Idee der Rap-AG weckte. Johr beobachtete Jona, der über den Schulhof schlenderte und zur Musik aus seinem mp3-Player rappte. Das war 2009 und Jona acht Jahre alt. „Er war ziemlich gut, ich hatte das Gefühl, damit viele Kinder erreichen zu können”, erzählt er. Die Idee ging auf. Mittlerweile sind es auch Kindergartenkinder, die mittels Rap-Musik spielerisch ihren Wortschatz trainieren. Der ABC-Rap ist bei den Kindern überaus beliebt. Bei den Eltern dagegen fast gefürchtet. „Die Kinder rappen dauernd im Auto”, erzählt Kita-Leiterin Petra Pfeifer-Schmitz und lacht. „Das ist schon etwas Besonderes. Die Kinder sind wichtige Botschafter für uns”, erklärt Schulleiter Johannes Menne.

Die Kinder sind mittlerweile im Versand unterwegs. Maschinen rattern, Zeitungen werden an Bändern unter der Decke entlang geführt. Spannende Zeitungswelt. Dazwischen die Rapper. Johr wippt wieder mit dem Kopf, die Musik geht los. „Die Zeitung, sie ist da, um dich zu informieren; Mit Themen aus der Zeitung kann man diskutieren; Gelobt sei der Mann, der sie erfunden hat; Wenn er wüsste, wie er die Welt damit verändert hat.”

Es sind bemerkenswerte Gedanken der Kinder. Pädagogisch sehr wertvoll findet Schulleiter Menne. „Wir lernen durch die Musik, uns deutlich auszudrücken, lernen Texte auswendig zu lernen”, berichtet Noah Albarus von der OGS Bildchen. „Die Musik stärkt außerdem das Selbstbewusstsein der Kinder”, sagt Johr. Und ganz selbstbewusst stürmen die Kinder für die Kamera die Redaktion, schubsen unseren Redakteur Udo Kals von seinem Stuhl. Ihre Botschaft: Jetzt sind wir dran. Die Zukunft scheint gesichert. Oder um es als Rap auszudrücken:

„Ja, Mann, die Zeitung wird es einfach immer weiter geben.”

Zeitungsmuseum wird feierlich eröffnet:

Heute wird das neu gestaltete Internationale Zeitungsmuseum (IZM)feierlich eröffnet an der Aachener Pontstraße 13 in einer geschlossenen Veranstaltung mit geladenen Gästen feierlich eröffnet.

Die Rap-AG ist Teil des Programms. Die Schüler Hanna Terodde (von links), Giovanni Kisoka, Timo Burghart, Jona Vunak, Erzieher Steffen Johr, Noah Albarus, Vincent Göv, Justus Terodde, Moritz Poth und Paul Terodde freuen sich beim Videodreh schon auf den Auftritt.

Erste Einblicke bekommt die Öffentlichkeit am Eröffnunsgwochenende. Am Samstag, 9. Juli, und Sonntag, 10. Juli, ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine öffentliche Führung findet am Sonntag, 10. Juli, um 14 Uhr statt.

Die Öffnungszeiten sind anschließend immer dienstags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr statt.