Aachen: Wie Amtsgerichte Ebay Konkurrenz machen

Aachen: Wie Amtsgerichte Ebay Konkurrenz machen

Drei, zwei, eins... verkauft! Mit wenigen Klicks wechseln im Internetauktionshaus Ebay Dinge den Besitzer, die jemandem einst lieb und teuer waren.

In jeder Sekunde und überall auf der Welt. Inzwischen haben nicht nur Schnäppchenjäger, sondern auch deutsche Gerichtsvollzieher das Internet für sich entdeckt. Immer öfter versteigern sie gepfändete Gegenstände im Netz.

Das geschieht natürlich nicht bei Ebay, sondern über eine Auktionsplattform der deutschen Justizministerien. „Justiz-Auktion” heißt diese Plattform, bei der bereits 34.000 Bieter angemeldet sind. Und die Resonanz auf das virtuelle Auktionshaus ist beachtlich: Das nordrhein-westfälische Justizministerium rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von etwa 1,36 Millionen Euro. Bundesweit sollen es sogar zwei Millionen Euro sein.

Solch große Summen werden in der Region mit der Justiz-Auktion noch lange nicht umgesetzt. Doch auch hier setzt schon so mancher Gerichtsvollzieher auf das Netz - auch wenn die klassische Versteigerung mit Auktionator und Hammer noch immer die gängigere Methode ist, wie man im Amtsgericht Aachen mitteilt.

Von der Internetauktion machten die Gerichtsvollzieher bislang nur vereinzelt Gebrauch. Auch deshalb, weil einfach sehr wenig gepfändet werde, wie es beim Amtsgericht heißt. Das bestätigt auch Rainer Harnacke, Direktor des Amtsgerichts Jülich. 1800 Vollstreckungsaufträge erhielten die vier Gerichtsvollzieher Jülichs 2010 - nur selten fanden sich bei den Schuldnern geldbringende Pfandobjekte.

„Gebrauchte Güter haben keinen großen Wert mehr. Wer bezahlt für einen gebrauchten Fernseher bei einer Auktion 200 Euro, wenn er für 250 einen neuen bekommt?”, sagt Harnacke.

Und selbst wenn sich dann doch ein geeignetes Pfandobjekt finden würde, müsse sein Preis verhältnismäßig hoch angesetzt werden, um die für den Gläubiger entstandenen Kosten zu decken. Immerhin muss das Objekt transportiert und bis zur Versteigerung gelagert werden - nur ein Teil der Kosten, die der Gläubiger trägt und die von dem Pfandobjekt gedeckt werden müssten. „Aber es gibt auch Pfandobjekte, bei denen bietet sich eine Internetauktion geradezu an”, sagt Harnacke. „Bei Schmuck sind die Transportkosten und Lagerungskosten gering, der Wert aber hoch. Auch bei Autos kann sich eine Versteigerung lohnen”, erklärt Harnacke und fügt hinzu: „Bei solchen Objekten setzt dann mancher Gerichtsvollzieher auf das Internet. Damit erreicht man eine größere potenzielle Käuferschaft.”

Übrigens können Schnäppchenjäger nicht nur Gegenstände mit dem Pfandsiegel ersteigern. Auch Gerichte und Staatsanwaltschaften nutzen die Verkaufsplattform, wenn sie das Mobiliar von Büros und Konferenzzimmer wechseln.

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