Wetter in Aachen: Kalt, nass und unfreundlich

Aachen/Brüssel: Wintrig, wässrig, wechselhaft: Europa kämpft mit Dezemberwetter

Kalt, nass und unfreundlich fing die Woche an - und besser wird es erst einmal nicht werden, zumindest in der Region. Die höher gelegenen Orte in der Eifel können sich auf regelmäßige Grüße in Weiß einstellen, tiefere Landstriche eher auf Nass in seiner reinsten Form. Fest im Griff des Winters sind dagegen Belgien und die Niederlande, wo heftige Schneefälle für Rekordstaus und ausgefallene Flüge sorgen.

Massiv hat der Winter zum Wochenbeginn in beiden Nachbarländern zugeschlagen. Heftige Schneefälle lassen den Verkehr in weiten Teilen Belgiens stocken. „Die Situation auf den Straßen wird infolge der Schneestürme von Stunde zu Stunde schlechter“, meldete der Fernsehsender Flanderinfo am Montag auf seiner Webseite.

Heftiges Schneetreiben brachte den Verkehr am Montag auf vielen belgischen Autobahnen zum Stocken. Hier quälten sich Fahrzeuge im Schritttempo über die Autobahn E19 bei Kontich. Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Der Brüsseler Ring etwa sei „total zu“. Nach Angaben des deutschsprachigen Senders BRF.be staute sich der Verkehr im Land auf insgesamt 1280 Kilometern, ein Rekordwert für das laufende Jahr. Viele Busverbindungen fielen aus. In Brüssel sperrten die Behörden am Vormittag die Innenstadt-Tunnel wegen vereister Zufahrten. „Autos stecken am Eingang der Tunnel fest”, so die Verkehrsplanungszentrale. Der Busverkehr in der belgischen Hauptstadt kämpfte mit Verspätungen.

Bereits am Sonntag war für den Fahrer dieses Autos nahe der belgischen Stadt Namur die Fahrt vorzeitig zu Ende gewesen. Foto: Bruno Fahy/BELGA/dpa

Nicht viel besser sah es beim Flugverkehr aus. Auf dem Flughafen Zaventem der Hauptstadt waren bis zum frühen Nachmittag bereits fast 80 Flüge abgesagt worden, rund 90 waren verspätet. Aufgrund von Schnee, Wind und Vereisung sei nur noch eine einzige Piste in Betrieb. Der Flughafen riet Passagieren gegen Mittag, bis auf weiteres gar nicht erst zum Airport aufzubrechen.

Geradezu idyllisch stellte sich die verschneite Landschaft dagegen am Montag auf dieser Weide in den Niederlanden bei Amsterdam dar. Foto: Peter Dejong/AP/dpa

In der Wallonie war die Grenzregion zum französischen Lille und die Region zwischen Brüssel und Mons betroffen.

Hunderte Züge und Flüge ausgefallen

Auch auf den Autobahnen in den Niederlanden bildeten sich am Montag wegen heftigen Schneefalls lange Staus. Hunderte Züge und Flüge wurden gestrichen. In der Provinz Limburg etwa blieben etliche Lastwagen auf vereisten Straßen liegen, meldete die Zeitung Limburger.nl. Das niederländische Meteorologische Institut riet Bürgern, zu Hause zu bleiben. Für große Teile des Landes wurde die höchste Stufe des Wetteralarms verhängt.

Der regionale Flughafen Eindhoven musste für mehrere Stunden komplett schließen. Die niederländische Fluggesellschaft KLM strich mehr als 300 Flüge. Das Verkehrsministerium warnte vor „sehr gefährlichen Verhältnissen” auf den Straßen. An Schulen und Universitäten fiel der Unterricht aus.

Im übrigen Europa machte sich der Winter ebenfalls bemerkbar: In Großbritannien schneite es ungewöhnlich stark, Am Flughafen London Heathrow, dem größten in Europa, saßen Tausende Passagiere fest. In Frankreich waren rund 100.000 Menschen ohne elektrischen Strom. In Italien blieb ein Zug mit 400 Fahrgästen auf dem Weg von Mailand nach Frankreich stecken.

Die weiteren Aussichten: Achterbahn

Was die Aussichten für die Region angeht, spricht Bodo Friedrich von der privaten Wetterseite Eifelwetter.de von „winterlichem Achterbahnwetter“. Das Grundprinzip dieser Woche ist denn auch: nasskalt und nass-nicht-ganz-so-kalt wechseln sich ab. Am Dienstag gelangt neue Polarluft auf der Rückseite eines Tiefs in die Region. Das heißt für die Eifeler Höhendörfer oberhalb von 500 Metern wieder Schnee, erklärt Friedrich, „in Aachen reicht es dagegen nur noch zu Schneeregen“.

Im rund 700 Meter hoch gelegenen Botrange im Hohen Venn hält sich der Wintergruß bei erwartet frostigen Temperaturen von -1 bis 0 Grad Celsius wohl ein wenig. Im Raum Aachen und Heinsberg seien etwa 4 Grad zu erwarten, im Kreis Düren etwa eines mehr, also 5.

Für Mittwoch rechnet Eifelwetter-Mann Friedrich mit demselben Spiel: Ein erneuter Warmlufteinschub im Gefolge des atlantischen Tiefs Zubin werde den Schnee, wo er denn liegengeblieben ist, wieder zum Abschmelzen bringen.

Am Donnerstag dasselbe Bild, erst am Freitag werde der Regen eine Pause einlegen. Und am Wochenende? „Die Weihnachtsmärkte in der Eifel werden vielleicht etwas weiß gepudert“, sagt Friedrich. In tieferen Gefilden wie Aachen gehört ist dagegen eher der Griff zum Regenschirm angesagt, wenn der Himmel Niederschläge ankündigt.

Der Wetterexperte aus der Eifel liegt damit auf einer Linie mit dem Deutschen Wetterdienst DWD. Der kündigte für Montag und die Nacht zum Dienstag bis zu zehn Zentimeter Neuschnee an Niederrhein, nördlichem Ruhrgebiet und Münsterland an. Wie Meteorologe Daniel Tüns am Montag erklärte, müssten die Menschen dort auch wieder mit Glätte rechnen. Erst am Donnerstag wird es demnach mit sieben bis acht Grad wesentlich milder.

Probleme im Bahnverkehr in NRW

Pendler und Reisende müssen in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens weiter mit erheblichen Verkehrsbehinderungen durch Schnee und Eis rechnen. Für die Nacht zum Dienstag kündigte der Deutsche Wetterdienst (DWD) erneut Schnee und Glätte an. Der Winter macht dann auch am Mittwoch weiter. Erst am Donnerstag wird es der Prognoses zufolge mit sieben bis acht Grad wesentlich milder.

Am Montag fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am Niederrhein, im nördlichen Ruhrgebiet und im Münsterland bis zu zehn Zentimeter Neuschnee. Auf den Autobahnen zwischen Moers und Bochum, Duisburg und Dortmund gab es am Mittag bereits Staus von bis zu 20 Kilometern Länge, wie die Landesleitstelle der Polizei mitteilte. Im Kreis Soest passierten acht Unfälle bei dichtem Schneetreiben. Ein Wagen überschlug sich, der Fahrer wurde aber nur leicht verletzt. Mehrfach blockierten querstehende Lastwagen die Straßen im Land.

Auch die Deutsche Bahn hatte erneut Probleme durch vereinzelte Weichenstörungen infolge des Schneefalls, wie ein Sprecher sagte. Am Wochenende hatte heftiger Schneefall in ganz NRW zu Chaos im Streckennetz geführt. Hunderte Verbindungen waren aufgrund vereister Weichen und abgebrochener Äste gestört gewesen oder ausgefallen.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg rechnete mit ersten Hochwasserlagen auf dem Rhein. Am Wochenende werde in Köln voraussichtlich die Hochwassermarke 1 um etwa 30 bis 70 Zentimeter überschritten. Die Marke liegt bei 6,20 Meter. Dadurch seien leichte Einschränkungen für den Schiffsverkehr möglich, sagte ein Sprecher. Grund sind starke Schneefälle und Niederschläge am Ober- und Mittelrhein. Nach dem Wochenende fallen die Pegel aber wieder.

(heck/dpa)
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