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Köln: Wesentlich: Das Licht, der Weg, das Kreuz

Köln : Wesentlich: Das Licht, der Weg, das Kreuz

Ein Stern. Genäht aus einem Stoff, der sich fast wie Samt anfühlt, und mit einer Füllung wie ein Schmusetier, so dass man ihn an sich drücken kann.

Pater Manfred Kollig hat ihn in einer Behindertenwerkstatt nähen lassen, weil er an die Geschichte von den Drei Königen dachte. Die sich auf den Weg machten, weil ein Stern ihnen leuchtete.

Nach diesem Muster werden Sterne in großer Zahl genäht, Sterne für den Abschlussgottesdienst des Kölner Weltjugendtages.

„Wir haben uns überlegt, wie auch die am schwersten Behinderten miterleben können, um was es geht”, sagt Pater Manfred. Da kam ihm die Idee mit den Sternen, die klarmachen: Du bist bedingungslos geliebt.

Liturgie im Mittelpunkt

Zeit seines Ordenslebens hat sich der Pater mit zwei Themen beschäftigt: Jugendarbeit und Kunst.

Im Weltjugendtagsbüro führt er die reichlich nüchterne Funktionsbezeichnung „Bereichsleiter Liturgie”. Dabei ist die Liturgie nicht irgendein Bereich, sondern der Anlass des Weltjugendtages, dessen zentrale Veranstaltungen vom 16. bis 21. August 2005 in Köln und Umgebung stattfinden.

Bei Pater Manfred laufen die Entwürfe für jene Bilder zusammen, die um die Welt gehen werden. Mit Künstlern gestaltet er den Jugendkreuzweg und die großen Gottesdienste, also die Eröffnung, die Willkommensfeier für Papst Johannes Paul II. auf den Rheinwiesen in Köln, die Nachtwache (Vigil) auf einem Tagebaugelände in Kerpen und am gleichen Ort die Abschlussmesse mit dem Papst.

Er richtet auch das „Zentrum der Versöhnung” auf dem Kölner Messegelände ein, wo von früh bis spät jeweils 100 Priester zugleich Beichtgespräche anbieten.

Der Pater muss mit großen Zahlen umgehen. 14 Sattelschlepper wird er brauchen, um die Kerzen für die Vigil aufs Tagebaugelände „Marienfeld” zu bringen. In seinem Büro steht das Tonmodell einer Patene, einer Hostienschale für die Austeilung der Kommunion.

Maximal 370 dünne Hostien gehen hinein oder 300 dickere, die sich leichter handhaben lassen. 4000 Schalen, das würde für 1,2 Millionen Teilnehmer genügen. Pater Manfred muss so etwas ausrechnen und fragen: Wie schaffen wir es, dass sich jeder unter einer so großen Zahl angesprochen und ernst genommen fühlen kann?

Die erste, spontane Antwort: „Nichts Gigantisches.” Natürlich muss sich Pater Manfred um gute Sicht kümmern. Auch auch um eine Beleuchtung, die fürs Fernsehen reicht und trotzdem nicht stört.

Der Weg des Papstes über die Poller Wiesen wird so geführt, dass jeder Teilnehmer ihn aus höchstens 100 Meter Entfernung sieht.

Der Hügel mit dem Altar auf dem Tagebaugelände wird elf Meter hoch, damit Gäste, die hinten stehen, zumindest den Lichtschein erkennen.

Aber es wäre aussichtslos, auf die großen Räume und Zahlen mit einer Vergrößerung irgendwelcher Elemente antworten zu wollen.

„Ein Kelch ist ungefähr 18 Zentimeter hoch, und selbst wenn er zwei Meter hoch wäre, könnte man ihn von weit hinten kaum sehen. Und wenn man es könnte: Das Wesentliche ist unsichtbar.”

Das bringt den Bereichsleiter Liturgie in eine Zwickmühle. Er muss Farben finden und Symbole, Hinweise auf das, was unsichtbar bleibt.

Da gibt es zwei Möglichkeiten: überbordende Fülle wie auf spätmittelalterlichen Altären - oder Reduktion. Beschränkung auf wenige Zeichen: das Licht, der Weg, das Kreuz. Dieser Stil wird den Weltjugendtag prägen.

Ein Beispiel sind die Priestergewänder, entworfen vom Wiener Künstler Leo Zogmayer: Weiße Umhänge mit zwei gelben Streifen - Symbol des Lichts -, einer senkrecht auf der Vorderseite und einer waagerecht auf dem Rücken.

Faltet der Priester seine Hände, dann bilden sie ein Kreuz. Und immer wieder das Licht, das die Drei Könige gefunden haben: Die Flamme, die Pfadfinder jedes Jahr im Advent aus Bethlehem nach Deutschland bringen, wird ihr Licht großen, auf dem Boden stehenden Kerzen spenden und Windlichtern, die jeder Teilnehmer halten kann.

Das sind Symbole, die jeder erkennt. Auch darauf muss Pater Manfred achten. Die Messtexte werden auf Latein nach den Noten der „missa mundi” gesungen, die in Gesangbüchern auf der ganzen Welt steht.

Lesungen und Evangelium - bei allen großen Gottesdiensten das von den Drei Königen, in mehrere Abschnitte geteilt - werden in jeweils zwei Weltsprachen vorgetragen. Zum Beispiel auf Deutsch und Spanisch oder auf Englisch und Französisch.

Hinzu kommen die Bilder. Für das „Zentrum der Versöhnung” malen Schüler Szenen der Verletzung, der Entfernung, des Wieder-Zusammenkommens. Videowände zeigen bei der Abschlussfeier nicht nur Live-Aufnahmen aus dem Altarraum, sondern auch Kunstwerke und Fotos.

Etwa, wenn der Lobgesang gebetet wird, den Moses nach dem Zug durchs Rote Meer anstimmte. „Glückliches Ankommen erleben wir immer wieder”, sagt Pater Manfred. „Warum sollen wir dazu nicht die Ankunftshalle eines Flughafens zeigen?”