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Missbrauchskomplex: Wermelskirchener soll Kind in Berliner Tierpark missbraucht haben

Missbrauchskomplex : Wermelskirchener soll Kind in Berliner Tierpark missbraucht haben

Der mutmaßliche Missbrauchstäter aus Wermelskirchen soll sich im Berliner Tierpark an einem Kind vergangen haben.

Die Tat sei „Gegenstand des Verfahrens“, sagte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Über einen Chat-Partner aus Berlin waren die Ermittler auf den Hauptverdächtigen im Komplex Wermelskirchen gestoßen.

Nach Informationen des „Spiegel“ soll dieser Mann dem Wermelskirchener zu einem Treffen im Tierpark einen siebenjährigen behinderten Jungen mitgebracht und ihn dem 44-Jährigen zum Missbrauch überlassen haben.

Der 28-jährige Berliner war Anfang Mai zu zwölf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden, weil er als Kinderbegleiter und Babysitter 26 kleine Jungen missbraucht hat.

Dem 44-jährigen Wermelskirchener wird bislang der Missbrauch von zwölf Kindern vorgeworfen. Die Ermittler schließen aber nicht aus, dass sich die Zahl in seinem Fall noch erhöht, weil bislang erst zehn Prozent der sichergestellten Daten ausgewertet werden konnten.

Ermittler hatten am Montag über brutalsten Missbrauch von Kindern berichtet, das jüngste Opfer war einen Monat alt. Hauptbeschuldigter ist der 44-Jährige aus Wermelskirchen, der seine Dienste als Babysitter im Internet angeboten und sich so seinen Opfern genähert haben soll.

Mit Dutzenden weiteren Männern habe er zudem kinderpornografische Bilder und Videos von „unvorstellbarer Brutalität“ getauscht. Bislang wurden 73 Verdächtige und 33 Opfer identifiziert. Es handele sich um brutalste Vergewaltigungen.

Die Live-Sicherung der Daten von 232 Datenträgern hatte 17 Tage gedauert. Auf einer Festplatte hatten die Ermittler 3,5 Millionen Bilddateien und 1,5 Millionen Videos entdeckt.

Eine Spur des „im Kern geständigen“ Hauptbeschuldigten im Fall Wermelskirchen war schon bei den Ermittlungen zum Münsteraner Missbrauchskomplex aufgetaucht. Der Haupttäter im Münsteraner Fall soll mit ihm über einen Video-Chat kommuniziert haben.

Ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz war aber ohne Erfolg geblieben: Die IP-Adressen, die den Wermelskirchener möglicherweise hätten überführen können, seien nicht übermittelt worden. Nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ waren sie bereits gelöscht.

Münster ist neben Lügde, Wermelskirchen und Bergisch Gladbach einer von vier großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. In dem Tatkomplex wurden bereits mehrere Männer und eine Frau zu Freiheitsstrafen verurteilt.

„Untersuchungsausschuss Kindesmissbrauch“

Auch im neu gewählten nordrhein-westfälischen Landtag wird es einen Untersuchungsausschuss zum Thema Kindesmissbrauch geben. In seiner konstituierenden Sitzung beschloss das Parlament am Mittwoch einstimmig, ein solches Gremium einzusetzen.

Bereits in der abgelaufenen Legislaturperiode hatte sich ein Untersuchungsausschuss fast drei Jahre lang mit dem Themenkomplex befasst. Dabei ging es um die Aufklärung möglicher Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Landesregierung, der Ermittlungsbehörden sowie der Jugendämter im Fall des hundertfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im lippischen Lügde und an anderen Orten.

In einem rund 4000 Seiten starken Zwischenbericht war zu lesen, dass es unter anderem an einer grundlegenden Schulung von Jugendamt-Mitarbeitern fehle, um Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen.

In einer gemeinsamen Erklärung betonten die vier Antragsteller: „Mit der schnellen Wiedereinsetzung des Untersuchungsausschusses möchten wir deutlich machen, dass das Thema für unsere Fraktionen, das Parlament und für unser ganzes Bundesland höchste Priorität hat.“ Wichtige Fragestellungen hätten bislang noch nicht beleuchtet werden können. „Wir müssen dafür sorgen, Kinder und Jugendliche in NRW besser vor sexualisierter Gewalt schützen.“

In der neuen Legislatur solle auch der Informationsfluss von Akteuren aus dem Gesundheits- und Sozialsystem beleuchtet werden. „Wichtig ist uns darüber hinaus, dass der Ausschuss sich ein Bild macht, ob und wie den betroffenen Kindern nach der Aufdeckung der Taten Hilfsangebote gemacht wurden.“

(dpa)