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Aachen: Wer verantwortet die Schieflage?

Aachen : Wer verantwortet die Schieflage?

In aller Schärfe debattiert man im Bistum Aachen seit Monaten, wer für das finanzielle Desaster der Diözese verantwortlich ist - inklusive eines Sparziels von mehr als 65 Milionen Euro und hunderten Arbeitsplatzverlusten. Dabei wird jetzt eine zentrale Institution entlastet.

Generalvikar Manfred von Holtum verzichtet auf Regress-Forderungen gegen die langjährigen Haushaltsprüfer der renommierten Kölner Gesellschaft Solidaris. Dies hat die Bistumsleitung am Montag bestätigt.

Die Solidaris-Experten überwachen seit Jahrzehnten den Aachener Haushalt und hatten - nach Ansicht des Generalvikariats - zu spät auf drohende Rückzahlungen aus dem so genannten „Clearing-Verfahren” hingewiesen.

Im Fünf-Jahres-Rhythmus kalkulieren die deutschen Diözesen damit rückwirkend den Schlüssel zur bundesweiten Verteilung der Kirchensteuereinnahmen.

Weil aus dem Aachener Bistum enorm viele Kirchensteuerzahler abwanderten, wurde 2003 eine Rückzahlung in Höhe von 32 Millionen Euro fällig, die das geschwächte Bistum weiter in Schieflage brachte.

Noch im Mai 2004 thematisierte der Kirchensteuerrat die Absicht, die renommierte Solidaris deswegen mit Regress-Forderungen zu konfrontieren. Dieses Vorhaben ist nun vom Tisch.

Vielmehr will man die Wirtschaftsprüfer enger mit der Bistumsverwaltung verzahnen. „So gewährleisten wir künftig einen schnelleren Austausch des relevanten Zahlenmaterials, das für zuverlässige Prognosen benötigt wird”, erklärte Bistumssprecher Jobst Rüthers.

Gleichwohl stellte er klar, dass man Schätzungen über die erwartete Höhe von Kirchensteuereinnahmen nicht aus eigener Kraft anstellen könne. „Hier sind wir auf Zahlen angewiesen, die zentral in Berlin erhoben und erst von dort an uns weitergeleitet werden.”

Nach jüngsten Prognosen erwartet das Bistum Aachen 2004 192 Millionen Euro aus Kirchensteuern - zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Bis 2008 rechnen die Wirtschaftsprüfer Droege & Comp, die derzeit den Konsolidierungskurs des Bistums entwickeln, mit einem Rückgang auf 176 Millionen Euro.

Ob im nächsten Bistums-Haushalt Rückstellungen eingerechnet sind, deren Fehlen in den Vorjahren die plötzliche Rückzahlung erschwerte, ist nicht bekannt. Die Eckdaten des Budgets 2005 will das Generalvikariat dem Kirchensteuerrat erst im März vorlegen.