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Experten warnen vor Tagesbrüchen: Wenn Starkregen alte Bergbauschächte flutet

Experten warnen vor Tagesbrüchen : Wenn Starkregen alte Bergbauschächte flutet

Starkregen, der immer häufiger auftritt, bahnt sich den Weg durch Bergbauschächte. Experten warnen vor häufiger auftretenden Kratern und Schlaglöchern.

Der Klimawandel erhöht die Gefahr plötzlich auftretender Schlaglöcher und Krater in Bergbaugebieten. „Wir werden – bedingt durch die Hochwasserkata­strophe im Juli – in diesem Jahr mehr Tagesbrüche sehen“, sagte Andreas Welz, Abteilungsleiter für Bergbau und Energie bei der Bezirksregierung Arnsberg, Ende vergangener Woche im Landtag.

Bei Starkregen bahne sich das Wasser seinen Weg etwa durch stillgelegte Schächte, die Erde könne in Bewegung geraten. Zwar gebe es über 100 Kartografien, die das Bergbaugeschehen abbildeten. Das gesamte Material im Hinblick auf gefährdete Gebiete auszuwerten, sei aber eine Generationenaufgabe, so Welz.

Nach Auffassung der meisten Wissenschaftler werden Starkregen­ereignisse infolge des Klimawandels auch in unseren Regionen zunehmen. Die Flut im Juli hatte der Katastrophenschutz zuvor noch als Hochwasser eingestuft, das einmal in 1000 Jahren, mancherorts sogar nur einmal in 10.000 Jahren auftritt.

 Auch Straßen und Schienenwege in NRW sind von Bergbauschäden betroffen. Bei Hagen hatte sich 2012 unter der Autobahn 45 ein Hohlraum unter dem Mittelstreifen gebildet.
Auch Straßen und Schienenwege in NRW sind von Bergbauschäden betroffen. Bei Hagen hatte sich 2012 unter der Autobahn 45 ein Hohlraum unter dem Mittelstreifen gebildet. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Neben dem Untertagebau können die Folgen auch Kiesgruben oder den Tontagebau treffen, so geschehen etwa im Kreis Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis. In Erft­stadt-Blessem hatte eine Kiesgrube gewaltige Erdmassen in Bewegung gesetzt, die wiederum Häuser und Gebäude mitgerissen und einen Krater mit einer scharfen Abbruchkante hinterlassen hatten.

Wie aus einem Bericht von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht, ist der Tagebau Blessem indes der einzige unter Bergaufsicht stehende, der in einem Überschwemmungsgebiet liegt.

Auch in Erftstadt stieg das Wasser höher, als es die Verantwortlichen zuvor in einem Extremszenario angenommen hatten. Am Ende lag die Marke 1,20 Meter über dem Pegel, der bisher für ein Hochwasser angenommen wird, das nur einmal in 1000 Jahren auftritt. „Wir müssen die Bevölkerung darauf einstimmen, dass Katastrophenereignisse, die wir bisher nur von anderswo kannten, auch hier stattfinden können“, sagte der Erste Beigeordnete von Erftstadt, Jörg Breetzmann. Es wäre dort zu einem weiteren Desaster gekommen, wenn die Feuerwehr nicht rechtzeitig eine Kerosin- und eine direkt danebenliegende Gasleitung freigespült hätte.

Der Wirtschaftsminister regt in seinem Bericht nur an, zu prüfen, „ob auch in gesetzlichen Regelungen zur Sicherheit, zur Risikovorsorge und zum Risikomanagement bei Tagebau-, Abgrabungs- oder sonstigen Gewinnungsbetrieben Änderungen erforderlich sind, um auch im Fall eines extremen Hochwassers Schutz sowohl der Betriebe als auch der Umgebung sicherzustellen“.